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Landwirtschaft

Frische Milch in Wollmannsdorf tanken

In dem Ort gibt es seit wenigen Wochen die erste Milchtankstelle im westlichen Landkreis. Weide-Kühe liefern in Bio-Qualität.
Von Ingrid Kroboth

Sonja und Johannes Dinauer mit ihren Kindern Sophia und Elias – mit dabei ist auch Hund Holly Foto: Ingrid Kroboth
Sonja und Johannes Dinauer mit ihren Kindern Sophia und Elias – mit dabei ist auch Hund Holly Foto: Ingrid Kroboth

Wollmannsdorf.Auf der Weide springen die Kühe übermütig umher. Ihre Milch kann man seit ein paar Wochen frisch ab Hof von der Milchtankstelle bekommen. Und damit gibt es – endlich – die erste und einzige Milchtankstelle im westlichen Landkreis.

Eingerichtet hat sie der 41-jährige Landwirt Johannes Dinauer. Beim Gespräch mit der Mittelbayerischen schnauft er entspannt durch. Er sei froh über seinen Entschluss, den Betrieb auf Öko-Landbau umgestellt zu haben. Das sei keine leichte Entscheidung gewesen, gefallen ist sie im Jahr 2015, blickt er zurück. Bereut habe er diesen Schritt aber noch nie.

Dinauer sollte Hof zunächst gar nicht übernehmen

Dabei war der Nachzügler in der Familie Dinauer gar nicht als Hofnachfolger geplant. Er absolvierte eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Krones, war danach bei den Regensburger Milchwerken für die Reparatur und Wartung des Maschinenparks zuständig. Doch dann besuchte er von 1999 bis 2001 die Landwirtschaftsschule in Regensburg und hängte noch den Abschluss zum Agrar-Betriebswirt in Almersbach dran. Derart gut vorbereitet übernahm der damals 25-Jährige den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern - übrigens als siebter Johannes in der Stammbaumfolge seit 1715.

Die Umstellung auf Biolandwirtschaft entschied er dann schon zusammen mit seiner Frau Sonja aus Painten. Mittlerweile gehören auch die fünfjährige Sophia und der demnächst zweijährige Elias zur Familie – und Anfang November kommt neuer Zuwachs.

Das Paar macht einen rundum zufriedenen Eindruck – und das sind sie auch, seit der Umstellung auf Bio. „Wir haben ein wesentlich ruhigeres Leben“, beschreiben sie ihren Alltag, der ohne Leistungsdruck verläuft. Für die Bauernsleut fängt der Tag gemütlicher an, sie haben weniger Stress und die Arbeit im Stall hat sich reduziert. Denn die 65 Milchkühe stehen in einem Offenstall, können jederzeit ins Freie – an 365 Tagen im Jahr.

Kühe kommen zurück, wenn Bauer ruft

Im Sommer schiebt Austragsbauer Johannes Dinauer sen. schon frühmorgens die Absperrbalken am Auslauf beiseite, öffnet das Gatter zur Weide und markiert den Weg dorthin mit Spanngurten. Unverkennbar: Die Tiere genießen ihre Freiheit, machen wahre Luftsprünge, rupfen das frische Gras – und kommen brav zurück in den Stall, wenn der Bauer ruft – sie sind gesund.

Ernährung

Die „Milchtanke“ ist beliebt

Schon an zwei „Häusln“ im östlichen Landkreis Regensburg lässt sich selbst zapfen. Die Stammkundschaft fand sich schnell.

Gefüttert werden die Milchkühe mit Kleegras und Heu, ihr Kraftfutter besteht lediglich aus Gerste und Weizen. Aufbereitetes Kraftfutter bekommen die Kühe auf dem Dinauerhof nur noch sehr begrenzt, sozusagen als Leckerli am Melkstand. Johannes Dinauer hat sich aus Überzeugung „weg von der Leistung, hin zur schonenden Tierhaltung“ entschieden.

Künftig weist ein zweites Transparent mit dem Bild von Dinauers Kuhweide den Weg zum Milchhäusl. Foto: Ingrid Kroboth
Künftig weist ein zweites Transparent mit dem Bild von Dinauers Kuhweide den Weg zum Milchhäusl. Foto: Ingrid Kroboth

Heute bekomme die Kuh noch durchschnittlich 2,8 Kilo Kraftfutter, früher waren es acht Kilo. Parallel dazu habe sich freilich auch die Milchleitung reduziert – früher gab eine Kuh im Schnitt 9300 Liter im Jahr. Heute sind es noch rund 6000 Liter. Doch dieser Verlust gleiche sich mit immensen Einsparungen aus: beim Kauf von Kraftfutter, Antibiotika und bei den deutlich reduzierten Tierarztkosten. Und auf den Feldern durch den Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutz.

Heute baut Dinauer auf den 100 Hektar landwirtschaftlicher Flächen verschiedenes Getreide und Kleegras für die Tiere an, außerdem Backweizen, den er an eine Mühle verkauft und Braugerste für den Lammsbräu Neumarkt.

Viele junge Familien testeten Milch

Zum ersten Mal hat Marco Hartl aus Haag für frische Milch aus dem Milchhäusl in Wollmannsdorf angehalten. Foto: Ingrid Kroboth
Zum ersten Mal hat Marco Hartl aus Haag für frische Milch aus dem Milchhäusl in Wollmannsdorf angehalten. Foto: Ingrid Kroboth

Von der Qualität der Biomilch aus Wollmannsdorf haben sich im Lauf der Zeit schon viele – vor allem junge – Familien überzeugt. Sie bekommen die Milch direkt aus dem Tank, zu den unterschiedlichsten Zeiten. Eine Verbesserung war dann bereits der Kühlschrank, in dem die bestellten Literflaschen zur Abholung bereitstanden.

Zur großen Investition in eine Milchtankanlage – die jederzeit benutzt werden kann – hatte sich das Ehepaar Dinauer Ende 2018 entschlossen. Ein Milchhäusl aus Holz wurde gebaut und seit Juli ist der Automat in Betrieb. Er enthält 50 Liter Milch, die auf vier Grad gekühlt wird und einen Fettanteil von 4,3 bis 4,8 Prozent an und einen Eiweißanteil von 3,2 bis 3,5 Prozent Eiweiß.

Der Automat wird täglich gereinigt und neu befüllt, Restmilch bekommen die Kälber. Der Liter Milch kostet einen Euro, die „Tankstelle“ spukt aber auch 50 Milliliter aus, die kostet fünf Cent. Der Automat kann auch wechseln.

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