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Umfrage

Funklöcher sind identifiziert

Die Netzabdeckung im Landkreis Regensburg ist teilweise schlecht. Das ergab eine Messung. Viele Bürger sind verärgert.
Von Gustav Wabra

Kein Netz, das kennen die Bewohner im Landkreis Regensburg Foto: Robert Günther/dpa-tmn
Kein Netz, das kennen die Bewohner im Landkreis Regensburg Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Regensburg.Hans Spitzer aus Sulzbach steht genervt in seinem Garten. Er ist auf der Suche nach Netz. Der Garten ist der einzige Ort, an dem er und seine Familie überhaupt ihre Handys richtig nutzen können. Telefonieren in seinem Haus ist für den Rentner fast bis gar nicht möglich. Wie ihm geht es vielen Menschen im Landkreis. „Das war schon immer so. Im Sommer ist das kein Problem, aber bei Regen und Schnee draußen nach Netz suchen, das ist ärgerlich“, sagt Hans Spitzer. Bei seiner Frau, die einen anderen Anbieter hat als er, sei es noch schlimmer.

Um die Problemgebiete ausfindig zu machen, hatte das Landratsamt im Frühjahr 2018 eine Onlineumfrage gestartet. Die Bürger konnten auf einer Karte die fraglichen Areale einzeichnen. 1100 Meldungen gingen ein, dann hat das Landratsamt mit Hilfe eines Ingenieurbüros nachgemessen. Die Ergebnisse wurden jetzt den Gemeinden vorgestellt.

Große Unterschiede beim Netz

Hans Spitzer auf der Suche nach Netz in seinem Garten. Foto: Gustav Wabra
Hans Spitzer auf der Suche nach Netz in seinem Garten. Foto: Gustav Wabra

Laut Landratsamt gibt es die größten Funklöcher nördlich der Donau. Auch das Autobahnkreuz Regensburg gilt als einer der weißen Flecken auf der Karte. Laut Messung schnitt der Netzanbieter Telefónica am schlechtesten ab. Bei diesem Provider gebe es am meisten Funklöcher, und das im gesamten Landkreis. Am besten der drei Netzanbieter schnitt die Telekom bei der LTE-Messung ab. Vodafone habe vor allem in Regenstauf große Probleme. Ein weiteres Ergebnis: 50 neue Funkmasten bräuchte es im Landkreis. Des Weiteren müssten noch zusätzlich Glasfaserkabel zu 50 bestehenden Masten gelegt werden. Landrätin Tanja Schweiger sieht die Messung als ersten Erfolg. Zusammen mit den Bürgermeistern der Gemeinden hatte sie sich wiederholt zum Thema getroffen. Bei der Vorstellung der Messergebnisse sagte sie: „Das Thema Mobilfunk und Breitband muss langsam auch ein Ende finden. Es kann nicht sein, dass unser Landkreis bei dem Thema so schlecht dasteht.“

Wer als Landkreisbewohner Probleme mit dem Empfang hat, dem könne ein Anbieterwechsel helfen. Das rät Ingenieur Josef Ledermann, der nicht nur die Nachmessung begleitet, sondern auch eine Lösung für die Problematik im Landkreis vorgeschlagen hat. Die Funklöcher seien providerbezogen, so Ledermann. Das heißt, ein anderer Anbieter könnte ein besseres Netz für bestimmte Gemeinden anbieten. Aber auch der eigene Handyvertrag könne schuld am Funkloch sein. Da die Netzanbieter immer mehr in Richtung LTE-Netz ausbauen, sei es wichtig zu prüfen, ob eine Nutzung des LTE-Netzes auch im Vertrag stehe. Bevor man aber den Vertrag wechselt oder ändert, sollte man sich über die Netzabdeckung bei den Providern informieren, rät Ledermann.

Bei der Lösung der Probleme im Landkreis stützen sich Landrätin Tanja Schweiger und der Breitbandbeauftragte des Landkreises, Harald Hillebrand, auf eine Idee des Ingenieurbüros Ledermann. Das Büro schlägt vor, mit Mikrozellen an Rat- oder Feuerwehrhäusern die Funklöcher zu schließen. Diese Mikrozellen funktionieren wie kleine Router, die man von Zuhause kennt. Die Daten der Anbieter werden dabei von den Mobilfunksendestationen mit Glasfaser in die Problemgebiete mit Mikrozellen geleitet.

Mikrozellen sind kleine Funkmasten und können nur einen Radius bis zwei Kilometer abdecken. Ein großer Mast kann dagegen einen Radius von 40 Kilometern mit Netz versorgen. Für kleine Funklöcher sind die Mikrozellen also geeignet. Das sagt Prof. Dr. Thomas Waas, Dekan der Fakultät Informatik und Mathematik der OTH Regensburg. Aber ohne die Glasfaseranschlüsse können die Module nicht funktionieren.

Ideengeber Josef Ledermann betont vor allem, dass die kleinen Module billiger sind. Statt mit teuren Masten werde das Problem mit billigen Mikrozellen gelöst. Ein Funkmast kostet über 100 000 Euro, eine Zelle dagegen nur 5000 bis 10 000. Die Idee hatte Tanja Schweiger bereits bei der Staatsregierung eingereicht. Denn der Breitbandausbau sei Sache der Staatsregierung und nicht der Landkreise.

Die Ergebnisse der Messung

  • Telekom:

    Das Netz schneidet am besten im Landkreis Regensburg ab. Nur auf der Straße von Donaustauf Richtung Altenthann gibt es größere Funklöcher, ansonsten ist die Verbindung laut Mobilfunkmessung im guten Bereich.

  • Vodafone:

    Der Provider hat vor allem Probleme in Regenstauf und der nördlichen Region. Aber auch Lappersdorf und Pettendorf klagen über die Netzabdeckung. Im östlichen Bereich des Landkreises ist Neutraubling betroffen von Störungen.

  • Telefónica:

    Große Probleme gibt es vor allem in diesem Netz. Der nordwestliche Landkreis ist davon stark betroffen, aber auch der Osten. Von Tegernheim zu Donaustauf bis Altenthann zeigt die Messung eine schlechte Verbindung.

Eine Idee für ganz Bayern?

Das Wirtschaftsministerium begrüßt das Engagement des Landkreises. Bayerns Wirtschaftsminister Franz Pschierer betont gegenüber der Mittelbayerischen, dass es für die „Wettbewerbsfähigkeit und einen Technologievorsprung etwa bei den Themen autonomes Fahren sowie Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0 ein leistungsstarkes Mobilfunknetz“ brauche.

Darüber schüttelt Hans Spitzer den Kopf. Für ihn ist autonomes Fahren nur Zukunftsmusik, er möchte nur in seinem Haus telefonieren. Das geht bis heute nicht.

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