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Analyse

FW-Kandidat vor Sprung in den Landtag

Tobias Gotthardt aus Kallmünz zieht wohl über die Liste ein. Die CSU hofft auf eine Stimmungswende, die SPD ist ratlos.
Von Christof Seidl

Er ist der eigentliche Sieger der Wahl im Landkreis Regensburg: Tobias Gotthardt zieht aller Voraussicht nach über die Liste der Freien Wähler in den Landtag ein. Archivfoto: Ralf Gerard
Er ist der eigentliche Sieger der Wahl im Landkreis Regensburg: Tobias Gotthardt zieht aller Voraussicht nach über die Liste der Freien Wähler in den Landtag ein. Archivfoto: Ralf Gerard

Regensburg.Die Landtagswahl im Landkreis hat vor allem einen Sieger: die Freien Wähler. Sie erreichten mit ihrem Direktkandidaten Tobias Gotthardt (Kallmünz) erneut knapp 19 Prozent, bei den Zweitstimmen legten die Freien um etwa fünf Prozent zu. Damit haben sie ihre Rolle als zweitstärkste politische Kraft im Landkreis hinter der CSU nochmals gefestigt.

Fast noch wichtiger: Gotthardt profitiert vom guten Gesamtergebnis der Freien in der Oberpfalz und in Bayern. Der Kallmünzer, der derzeit in Brüssel arbeitet, zieht aller Voraussicht nach in den Landtag ein, auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht. Gotthardt hatte im Wahlkampf eine Vielzahl an Terminen absolviert und den Schwerpunkt auf aktuelle Sachthemen gelegt. Der Lohn der Fleißarbeit sind Ergebnisse in den einzelnen Gemeinden, die sehr oft über dem Parteiergebnis liegen.

Der 41-Jährige bezeichnet sich als hundertprozentigen Mann für seine Heimat. Dies gelte auch für ein Engagement im Landtag. Zentrale Themen sind deshalb aus seiner Sicht die Verhinderung der beiden großen Flutpolder, die der Freistaat im südöstlichen Landkreis an der Donau plant, sowie der Starkstromtrasse Südostlink. Als weitere Punkte nennt Gotthardt die Wohnsituation im Landkreis und die Verkehrsentwicklung. Landrätin Tanja Schweiger ist voll des Lobes über ihren Parteifreund. „Er hat Wahlkampf mit Herzblut und Hirnschmalz betrieben und viele Menschen persönlich angesprochen.“ Es sei mehr als gerechtfertigt, wenn er in den Landtag einzieht.

Schweiger: München kein Thema

Die Landrätin geht fest von einer Koalition von CSU und Freien Wählern in Bayern aus. Für den Landkreis wäre das aus ihrer Sicht von Vorteil, vor allem was die Flutpolder betreffe, die der Landkreis ablehnt. „Ich hoffe fest, dass unsere Argumentation gegen Polder dann greift.“ Schweiger, die Bezirksvorsitzende der Freien Wähler in der Oberpfalz ist, hofft auch bei der geplanten Starkstromleitung Südostlink auf ein Umdenken des Freistaats. Allerdings handle es sich hier um ein Projekt der Bundespolitik, schränkte sie die Möglichkeiten der Einflussnahme ein. Die Freien Wähler machen sich für dezentrale Energiekonzepte stark. Bei allem Interesse für die Landespolitik der Freien stellte Schweiger schon am Wahlabend im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung klar, dass ein Wechsel nach München für sie kein Thema sei. „Ich bin sehr gerne Landrätin.“

„Jede Wahl ist eine ganz eigene Herausforderung“

Sylvia Stierstorfer, CSU-Landtagsabgeordnete

Sieger nach Zahlen ist die Landkreis-CSU. Sie kann sich immerhin auf ihre Fahnen schreiben, dass ihr – gemessen am Landesergebnis der CSU – Schadensbegrenzung gelungen ist. Sylvia Stierstorfer ist mit gut 39 Prozent unangefochtene Wahlsiegerin und behält das Direktmandat. Allerdings hat sie gegenüber 2013 rund zehn Prozent der Stimmen verloren. Selbst in typischen „schwarzen“ Gemeinden im Landkreis wie Bach oder Barbing musste die CSU Federn lassen.

Sylvia Stierstorfer (CSU) holte trotz deutlicher Verluste erneut das Direktmandat. Archivfoto: Rolf Poss
Sylvia Stierstorfer (CSU) holte trotz deutlicher Verluste erneut das Direktmandat. Archivfoto: Rolf Poss

Stierstorfer will dazu noch kein Urteil fällen. Die CSU werde das Resultat im Landkreis analysieren und entsprechende Schlüsse für die Zukunft ziehen, auch was den Umgang mit der AfD angeht. „Wir haben schwierige Aufgaben vor uns.“ Dass eine Stimmungswende möglich ist, hätten die beiden vergangenen Landtagswahlen gezeigt. Vor zehn Jahren habe die CSU bereits ein ähnlich schwaches Ergebnis gehabt. Es sei aber gelungen, dies bei der nächsten Wahl umzukehren und das sei auch jetzt das Ziel. „Jede Wahl ist eine ganz eigene Herausforderung“, sagte Stierstorfer im Gespräch mit der MZ.

SPD: Es lag nicht am Wahlkampf

Ein Debakel erlebte die SPD. Sie fiel bei den Zweitstimmen im Vergleich zu 2013 von 17 auf 7,3 Prozent, selbst in den meisten ihrer Hochburgen im Landkreis schaffte sie kein zweistelliges Ergebnis mehr. Kreisvorsitzender Rainer Hummel sieht seine Partei im Sog des mageren Landesergebnisses. Die SPD im Landkreis sei schon immer zwei bis drei Prozent unter dem Landesresultat gelegen, daran habe sich nichts geändert. Er könne auch keine Fehler im Wahlkampf ausmachen, Direktkandidat Matthias Jobst habe sich sehr engagiert. Hummel: „Es lag sicher nicht am Einsatz von Partei oder Kandidat. Es ist schwer für einen Kandidaten, sich vom Erfolg der Partei abzuheben.“

Grund zur Freude hatten die Grünen. Sie konnten im Landkreis ihr Ergebnis auf 12,5 Prozent verdoppeln. Diesen Sprung schaffte auch ihr Direktkandidat Josef Stadler bei den Erststimmen. Den Erfolg verdanke man auch der guten Landespolitik der Grünen, meinte Kreisvorsitzende Maria Scharfenberg am Wahlabend.

Über eine erfolgreiche Premiere kann sich auch die AfD freuen. Sie kam aus dem Stand auf 12,5 Prozent.

Höhen und Tiefen

  • CSU:

    Ihr bestes Ergebnis hatte Sylvia Stierstorfer in Sünching (44,88 Prozent), ihr schlechtestes erzielte die Gewinnerin des Direktmandats in Wolfsegg (25,93).

  • Freie Wähler:

    Die meisten Stimmen erhielt Direktkandidat Tobias Gotthardt in Wolfsegg (32,87 Prozent), die wenigsten in Donaustauf (13,25).

  • Grüne:

    Josef Stadler, Spitzenkandidat der Grünen im Landkreis, hatte in Sinzing sein bestes Resultat (20,29 Prozent). Die wenigsten Stimmen erhielt er in Altenthann (7,25).

  • SPD:

    SPD-Direktkandidat Matthias Jobst hat seine Spitze in Alteglofsheim (12,95 Prozent). Die wenigsten Stimmen holte er in Pfatter (2,30).

Alles rund um die Landtagswahl und die Ergebnisse in Stadt und Landkreis Regensburg lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

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