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Umwelt

Gefahr für Trinkwasser der Stadt?

Schadstoffe vom Sprengplatz Hainsacker gelangen ins Grundwasser. Ob sie den Weg bis zu den Brunnen Sallern finden, ist offen.
Von Christof Seidl, MZ

  • Das Trinkwasser der Rewag-Brunnen in Sallern (im Bild der „Ruheraum“ des Wasserwerks) ist bisher nicht durch sprengstofftypische Verbindungen verunreinigt.Foto: MZ-Archiv/Rewag
  • Vor mehr als 60 Jahren wurden auf dem Sprengplatz bei Hainsacker 50 000 Tonnen Munition vernichtet. Die Rückstände belasten noch heute den Boden der Fläche. Unser historisches Foto zeigt Mitarbeiter des Sprengplatzes Ende der 40er-Jahre mit einer Bombe, die gesprengt werden sollte. Foto: Archiv Findeis
  • Dieses Bild zeigt die Sprengung einer Bombe. Foto: Archiv Findeis

Regensburg.Der frühere Sprengplatz bei Hainsacker entwickelt sich zum Sorgenkind. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort in großen Mengen Munition beseitigt. Rund 50 000 Tonnen sollen vernichtet, etwa 10 000 Tonnen zerlegt und etwa 15 000 Tonnen versandt worden sein. Die Folgen dieser Arbeiten belasten den Boden der betroffenen Fläche bis heute. Nach Schätzungen des Landratsamts lagern im Bereich des Sprengplatzes noch etwa 1,2 Tonnen Sprengstoffe wie TNT oder Hexogen und deren Abbauprodukte im Boden.

Ein Teil davon sickert ins Grundwasser. Diese Erkenntnis hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Rewag (Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG) zwei Brunnen, die sie in etwa 1,5 Kilometer Entfernung von dem Sprengplatz bei Gut Aschach in Betrieb nehmen wollte, aufgab, obwohl sie bereits rund vier Millionen Euro investiert hatte (MZ berichtete). Und die Grundwasserthematik kann noch größere Kreise ziehen. Wie in der jüngsten Sitzung des Marktrats Lappersdorf (zu dem Hainsacker gehört) bekannt wurde, könnte der Sprengplatz im Einzugsbereich der Rewag-Brunnen in Sallern liegen, die die Stadt Regensburg und einige Gemeinden mit Trinkwasser versorgen.

Verunreinigung hat sich bestätigt

Das Landratsamt erklärte auf Anfrage der MZ, dass sich im Rahmen der Altlastenuntersuchungen bestätigt habe, dass im oberen Grundwasserstockwerk eine Verunreinigung durch sprengstofftypische Verbindungen besteht. „Es ist davon auszugehen, dass nach wie vor aus dem Sprengplatzbereich Hainsacker sprengstofftypische Verbindungen in das Grundwasser gelangen“, betonte der Pressesprecher des Landratsamts, Markus Roth.

Das ergiebige Brunnenfeld in Sallern liegt Luftlinie etwa fünf Kilometer von dem ehemaligen Sprengplatz entfernt. Es weist ein sehr ausgedehntes Einzugsgebiet auf. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt keine Erkenntnisse darüber vor, ob sich die am Sprengplatz Hainsacker in das Grundwasser eindringenden Sprengstoffverbindungen irgendwann auf die Trinkwasserförderung Sallern auswirken werden. „Momentan liegen dafür keine konkreten Anhaltspunkte vor“, unterstreicht Roth. Andreas Bulla, Sachgebietsleiter für Grundwasser beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg, unterstützt die Einschätzung des Landratsamts. Er räumte gegenüber der MZ aber auch ein, dass die Grundwasserverhältnisse in diesem Bereich sehr kompliziert seien.

Die Rewag nimmt die mögliche Gefährdung ihrer Brunnen durch Schadstoffe aus dem ehemaligen Sprengplatz sehr ernst. „Wir entnehmen nicht nur an den Brunnen, sondern auch an sogenannten Vorfeld-Messstellen regelmäßig Wasserproben“, erklärte Rewag-Pressesprecherin Marion Brasseler gegenüber der MZ. Diese Vorfeld-Messstellen befinden sich in bis zu vier Kilometer Entfernung von den Brunnenanlagen und sollen sehr frühzeitig Schadstoffbelastungen aufzeigen. Bisher seien an all diesen Messstellen keinerlei Schadstoffrückstände aus den damaligen Sprengungen festgestellt worden, betonte Brasseler. Zuletzt hatte die Rewag im Dezember eine Prüfung direkt an den Brunnen in Sallern durchgeführt – dabei wurden ebenfalls keine auffälligen Werte festgestellt.

Rewag: „Keine direkte Gefährdung“

Belastbare Informationen darüber, ob überhaupt Rückstände nach Sallern gelangen können, hat auch der Wasserversorger bislang nicht. In den letzten 60 Jahren habe es allerdings keine Bewegung in Richtung der Brunnen dort gegeben, betonte die Pressesprecherin. „Nach derzeitigem Stand sehen wir keine direkte Gefährdung.“

Das Landratsamt hat inzwischen einen Projektgruppe ins Leben gerufen, die eine Sanierungsuntersuchung des Sprengplatzgeländes vorbereiten soll. Neben verschiedenen Fachstellen sind auch die Rewag und der Markt Lappersdorf Mitglied dieser Gruppe.

Das Ziel ist laut Roth, „durch eine fachlich fundierte Sanierungsuntersuchung geeignete und angemessene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu ermitteln“. Die Gruppe hatte sich am 22. Januar erstmals getroffen und die Vorbereitungen für die Sanierungsuntersuchung auf den Weg gebracht. Wegen der Komplexität des Sachverhalts werde diese Arbeit aber noch einige Monate in Anspruch nehmen, sagte Roth.

Nach Angaben von Anke Rank, im Landratsamt Sachgebietsleiterin für Wasserrecht und Bodenschutz, dürfte eine Sanierung nach ersten Schätzungen ca. 66 500 Kubikmeter Boden betreffen. Das Ergebnis der Studie sei aber offen. So könne es für das Grundwasservorkommen eventuell sogar besser sein, wegen der Bodenbewegungen gar keine Sanierung durchzuführen.

Das Landratsamt hat wichtige Fragenstellungen zum Sprengplatz Hainsacker in einem Interview mit Fachkräften des Hauses zusammengefasst.

Kommentar

Ersatz ist nötig

Für die Rewag ist es dringend Zeit, nach neuen Quellen zu suchen. Der Wasserversorger hat sich allzu lange darauf verlassen, dass die Sprengstoffrückstände...

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