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Kriminalität

Geständnis nach der tödlichen Attacke

Der frühere Ortssprecher von Heitzenhofen hat zugegeben, schuld am Tod seiner Mutter (86) zu sein. Die Kripo schweigt sich über das Motiv noch aus.
Von Thomas Rieke, MZ

  • Blick auf das Haus der Familie, in der sich die Tragödie abspielte. Polizisten überwältigten zwei Männern: den 53-Jährigen, der seine Mutter getötet hat, und ein weiteres Familienmitglied. Foto: Rieke
  • Der Tatverdächtige war im Dorf anerkannt und beliebt. Auf unserem Archivbild gratuliert ihm der damalige Bürgermeister (links) zur Wahl als Ortssprecher. Foto: Neu

Duggendorf.Rund zwölf Stunden nachdem ein beeindruckendes Aufgebot von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr den kleinen Ort Judenberg in den Ausnahmezustand versetzt hatte, schien am Montagvormittag alles wieder seinen geregelten Gang zu gehen: Wer berufstätig ist, ging zur Arbeit, ansonsten wurde an Haus und Hof gewirtschaftet, das Vieh versorgt.

Doch natürlich war eben noch nicht wieder alles so, wie es früher war. Es wird auch nie mehr so sein. Eine Bluttat erschüttert die Dorfgemeinschaft. Ein 53-jähriger Mann, von Beruf Mitarbeiter eines Bauunternehmens, hat mittlerweile zugegeben, seine 86-jährige Mutter umgebracht zu haben. Vermutlich mit einem Brotzeitmesser. Eine Obduktion sollte die Todesursache klären, ein Ergebnis lag bis Redaktionsschluss aber nicht vor.

Großeinsatz für die Polizei

Rückblende: Am Sonntag gegen 20:15 Uhr ging bei der Einsatzzentrale der Polizei die Mitteilung ein, in einem Anwesen am Waldblick sei „eine Frau getötet worden“. Deshalb wurden umgehend mehrere Funkstreifen in den kleinen, nur zwei Dutzend Häuser zählenden Duggendorfer Gemeindeteil beordert. Doch bis zum Eintreffen beziehungsweise Eingreifen dauerte es fast eine Stunde – was die für die Einsatzleitung unangenehme Frage aufwirft: Hätte durch schnelleres Vorgehen das Leben des Opfers vielleicht noch gerettet werden können?

Polizeisprecher Manfred Brück hält dies für pure Spekulation und verweist wiederum auf die Obduktion. Sie werde genauen Aufschluss über den Todeszeitpunkt des Opfers und die schwere der Verletzungen geben. Ferner betont er: Den Beamten sei der „hohe Handlungsdruck“ sehr wohl bewusst gewesen. Aber da sich während der Anfahrt Hinweise ergaben, dass sich am Ort des Verbrechens noch ein Verdächtiger mit Messer oder gar Schusswaffe aufhalten würde, seien die Uniformierten erst nach „entsprechender Vorbereitung“ vorgerückt.

Polizeisprecher Brück weiter: „Vorrangig galt es zu klären, ob die ursprüngliche Mitteilung überhaupt den Tatsachen entsprach.“ Als die Einsatzkräfte gegen 21:10 Uhr am Waldblick ankamen, konnte der Notarzt nur noch den Tod der 86-Jährigen feststellen. Im Hofraum hielten sich zu dieser Zeit „zwei Männer“ auf. Bei der Festnahme leisteten sie keinen Widerstand, trotzdem erlitten sie dabei leichtere Verletzungen. In ihrem Umfeld wurde ein Messer sichergestellt. Eine Schusswaffe fand sich nicht.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um den 53-jährigen Sohn des Opfers, der noch am Montag bei der ersten polizeilichen Befragung sowie vor der Haftrichterin ein Geständnis ablegte, und einen 49-jährigen weiteren Familienangehörigen, der die Polizei alarmiert hatte. Weshalb auch er von den mit Schutzwesten und Maschinenpistolen ausgerüsteten Beamten am Boden fixiert und gefesselt wurde, erklärt Manfred Brück so: „Wir mussten schnell handeln. Es war aber nicht sofort erkennbar, wer von den beiden Männern der mutmaßliche Messerstecher war.“

Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ gab die Kripo bisher keine Details zum Tathergang und zum Motiv des 53-Jährigen bekannt. Dabei sind genau das jetzt die zentralen Fragen, die nicht nur die Bevölkerung des Ortsteils beschäftigen, sondern mindestens auch die gesamte Gemeinde Duggendorf. Der Inhaftierte wird von Arbeitskollegen als ruhig und besonnen, hilfsbereit und zuverlässig beschrieben. Im Dorf verlor am Montag niemand auch nur ein einziges negatives Wort über ihn, im Gegenteil: „Wir schätzen ihn, wir schätzen die Familie“, war der Tenor. Von Konflikten im Vorfeld oder psychischen Problemen, die möglicherweise zwangsläufig zur Katastrophe führten, hat niemand etwas mitbekommen.

Nicht nur in der FFW war er aktiv

Tatsächlich war der 53-Jährige bereit, Verantwortung zu tragen. Er war über zwei Jahre lang Ortssprecher Heitzenhofens. Nach der jüngsten Kommunalwahl hatte ihn der neue Bürgermeister, Thomas Eichenseher, gefragt, ob er sich erneut für dieses Amt zur Verfügung stellen würde – und er sagte „Ja“. Auch bei der örtlichen Feuerwehr war er nicht nur Mitglied, sondern aktiv und teils in führender Position eingesetzt. Zuletzt übte er das Amt des 3. Kommandanten aus. Erst am Freitag feierte er als Ausbilder mit einer Nachwuchsgruppe eine gelungene Leistungsprüfung.

Allerdings hatte der 53-Jährige auch massive Probleme: Vor rund vier Wochen hat ihn seine Frau verlassen, mit der er am elterlichen Anwesen lebte. Die Trennung sei aber freundschaftlich und in gegenseitigem Respekt vollzogen worden. „Er hat ihr sogar beim Umzug geholfen“, heißt es. Der Verlust habe ihn zuletzt „etwas stiller werden lassen“, wird berichtet. Aber was wirklich hinter dem Familiendrama steckt, das ahnen oder wissen wohl nur engste Angehörige. Gegenüber gewöhnlichen Bekannten und Kameraden aus der Feuerwehr verriet der Unglückliche über sein Privatleben wenig bis nichts.

Bürgermeister Eichenseher war noch während des Polizeieinsatzes nach Judenberg gefahren. Doch auch er konnte nicht viel tun. Die Angehörigen des Opfers waren alle in polizeilicher Obhut. Nun will Eichenseher ein paar Tage verstreichen lassen, damit die Betroffenen die Chance haben, etwas zu sich zu finden. Dann aber will er den Kontakt zur Familie suchen und¨ – im Rahmen seiner Möglichkeiten – Hilfe anbieten. „Das ist doch selbstverständlich.“

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