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Gloria ist nicht nur Schirmherrin

Thurn und Taxis machte Donaustauf einst zur Sommerresidenz. Eine Ausstellung zeigt auch, wie der Adel damals lebte. Die Fürstin eröffnet die Schau.

  • Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sind nicht nur „ihre“ Schlossfestspiele wichtig, die zurzeit in Regensburg zelebriert werden. Sie zeigt reges Interesse am Jubiläum des Fürstlichen Hauses in Donaustauf. Fotos: MZ-Archiv
  • Entdeckte Fotografie mit dem unzerstörten Schloss (rechts), die unter anderem in der Ausstellung gezeigt wird Foto: Kellermann
  • Die Besucher können von der Kutsche aus Donaustauf genießen – ähnlich wie ein Fürst von Thurn und Taxis oder zumindest wie ein Postillon. Foto: dpa
  • Der Chinesiche Turm: ein wunderbares Ambiente für eine Lesung Foto: Jung
  • Geheimnisvolll: Eingang in den Eiskeller des ehemaligen Schlosses Foto: Jung

Donaustauf/Regensburg. Das große Festwochenende steht bevor. 200 Jahre Thurn und Taxis in Donaustauf (die MZ berichtete mehrfach). Die Vorfreude ist spürbar. Zwei Tage lang wird das Jubiläum zelebriert. Im Mittelpunkt steht die Eröffnung der Ausstellung im historischen Bürgerhaus in der Maxstraße. Auch das Rahmenprogramm am Samstag und Sonntag lässt sich sehen. Allein das Ambiente in der Marktgemeinde am Fuße der Walhalla spricht für sich.

Mit Spannung fiebern die Organisatoren, an der Spitze Ortsheimatpfleger Dr. Hermann Hage, und Rathauschef Jürgen Sommer auch einem hohen Besuch entgegen. Gloria von Thurn und Taxis entsprach nicht nur der Bitte, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Nein, die Fürstin lässt es sich nicht nehmen, die Ausstellung zu eröffnen, die auch mit einigen Exponaten aus dem Fürstlichen Schloss aufwartet. In der Einladung der Marktgemeinde wird ausdrücklich darauf hingewiesen. Die Pressestelle von Thurn und Taxis bestätigte der MZ am Mittag ebenfalls das Ansinnen. Offizieller Festakt im Bürgerhaus für die Ehrengäste ist um 15Uhr. Eine Stunde später öffnen sich die Türen für das breite Publikum. Der Eintritt ist frei.

Im Jahr 1812, also vor 200 Jahren, machte Fürst Karl Alexander von Thurn und Taxis das alte Schloss Donaustauf und so den Markt vor den Toren Regensburgs zu seinem Sommersitz. Damit nahm die enge Beziehung zwischen Donaustauf und dem fürstlichen Haus ihren Anfang. Letztlich führte das dazu, dass auf dem Bräuberg die Walhalla errichtet wurde. Die Beziehung zwischen dem Fürstlichen Haus und Donaustauf ist auch heute noch spürbar, weil hier im weitläufigen Forst rund um die Aschenbrennermarter das Jagdgebiet des Fürsten ist.

Zusammenspiel mit Chefarchivar

Bürgermeister Sommer zeigt sich hocherfreut über die Ausstellung: „Über ein Jahr Vorbereitung liegt hinter uns. Es kommen wirklich einmalige Schaustücke in die Ausstellung, weil das Fürstliche Haus, vor allem dessen Chefarchivar Dr. Peter Styra, unser Vorhaben sehr kooperativ unterstützt hat.“ Federführend bei der Gestaltung der Ausstellung ist neben Dr. Styra vor allem Ortsheimatpfleger Dr. Hermann Hage. Auch Ortsarchivpfleger Christian Setz, die Historikerin Manuela Daschner sowie Edith und Rolf Stüber, die sich ehrenamtlich auch beim Heimat- und Fremdenverkehrsverein Donaustauf engagieren, halfen tatkräftig mit.

Die Ausstellung ist bis Anfang September samstags und sonntags von 14Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Eigens geschulte Führer erläutern die Ausstellungsstücke. Der Markt Donaustauf bietet außerdem eine Reihe von Sonderführungen an – Infos und Buchungen bei der Gemeindeverwaltung.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Reihe großformatiger Ansichten von Donaustauf, darunter ein Foto mit dem unzerstörten Schloss, das bisher völlig unbekannt war. Der Ortsheimatpfleger dazu: „Das ist wirklich eine Sensation, dass es gelungen ist, dieses Foto zu erwerben. Über 20 Jahre habe ich danach gesucht.“ Das Sommerschloss der Familie Thurn und Taxis sei nur bis 1880 gestanden und deshalb seien Fotografien des unzerstörten Schlosses sehr selten. Dr. Hage ergänzte, dass es Ortsarchivpfleger Christian Setz zufällig gelungen seit, nahezu zeitgleich ein weiteres Foto zu erwerben. Auch das ist in der Ausstellung zu sehen.

Pikante Schlafzimmerdetails

Ein weiteres Schmankerl der Ausstellung ist ein Blick in das Privatleben der fürstlichen Familie. Dazu hat Historikerin Daschner im Thurn-und-Taxis-Archiv in Regensburg umfangreiche Aktenbestände gesichtet, darunter das „Schlossinventar“, das auflistet, was im 1880 abgebrannten Schloss an Mobiliar und Alltagsgegenständen in Gebrauch war. Ferner geht’s in der Ausstellung um die Wohltätigkeit des fürstlichen Hauses, also etwa den Bau des sogenannten Armenhauses, um die eigens für das Schloss angelegte Wasserleitung, den Garten, also den heutigen Fürstengarten, und um das Badevergnügen der fürstlichen Familie in der Donau.

Darüber hinaus hat Daschner das Leben der in Donaustauf geborenen fürstlichen Prinzen und ganz besonders den Besuch der österreichischen Kaiserin Elisabeth, der legendären Sissi, im Mai 1883 erforscht. Zu sehen sind beispielsweise auch detaillierte Pläne mit genauer Bezeichnung der rund 100 Zimmer in dem gewaltigen Schlossgebäude. So hatten der regierende Fürst und die Fürstin von Thurn und Taxis jeweils eigene Wohn-, Schlaf-, Ankleide, Empfangs-, Speisezimmer und Bäder.

Amüsant ist, dass aus den Unterlagen hervorgeht, was Fürst Maximilian Karl Thurn und Taxis nach seiner Heirat mit Wilhelmine von Dörnberg einführte. Laut Peter Styra dürfte er eines der ersten Mitglieder seines Standes gewesen sein, das die Nacht mit seiner Ehefrau in einem gemeinsamen Schlafzimmer im Doppelbett verbrachte. Das sei – so Styra – „damals völlig unüblich“ gewesen und habe sicher daran gelegen, dass diese Ehe eine echte „Liebesehe“ gewesen sei. Außerdem wird es eine Fotoserie zur Eröffnung des Kriegerdenkmals in Donaustauf mit dem regierenden Fürsten geben – außerdem: ein großformatiges Ölgemälde von Donaustauf mit dem Schloss von Julius von Blaas (1845 bis 1922), drei originale Steinteile der Schlossbalustrade, ein Kaffeeservice mit Ansichten von Schloss und Walhalla aus dem Zweigmuseum Regensburg des Bayerischen Nationalmuseums, der Kaufbrief über das alte Schloss Donaustauf und die Prunkurkunde zur Ernennung von Fürst Albert zum Herzog von Wörth und Donaustauf von 1899 mit der originalen Unterschrift von Bayerns Prinzregent Luitpold. Ein weiterer Höhepunkt: Dank der Unterstützung von Heinz-Josef Lamby aus Donaustauf ist es den Organisatoren gelungen, 20 Minuten Farbfilmmaterial von 1962 zu bekommen. Zu sehen ist dabei ein Fest in der Maxstraße mit Fürst Franz Josef von Thurn und Taxis und zahlreichen inzwischen verstorbenen Honoratioren von Donaustauf. Dieser Film wird in der Ausstellung laufend vorgeführt.

Kutschfahrt und Kelleridyll

Ferner hat der Markt organisiert, dass am Wochenende der ehemalige Eiskeller des Schlosses geöffnet und von Familie Herrmann (Sportgaststätte) bewirtschaftet wird. Damit können sich die Besucher der Ausstellung im Eiskeller oder bei gutem Wetter auch in einem kleinen Biergarten beim Maibaum stärken. Am Fürstengarten starten außerdem Kutschfahrten mit dem bekannten „Regensburger Stadtkutscher“ Bernd Henneberg. Die Besucher können also von der Kutsche aus Donaustauf genießen und – ähnlich wie ein Fürst von Thurn und Taxis – durch Donaustauf kutschieren. Am Samstagabend (19 Uhr) liest die Autorin Marita Panzer aus Regensburg am Chinesischen Turm aus ihrem Buch „Fürstinnen von Thurn und Taxis“. Bei schlechtem Wetter wird diese Lesung in die Bücherei verlegt. Am Sonntagnachmittag (15 Uhr) begibt sich der Ortsheimatpfleger auf historische Ortstour. Treffpunkt ist das alte Feuerwehrhaus.

Bürgermeister Jürgen Sommer unterstrich, dass erfreulicherweise die große Mehrheit des Marktgemeinderats Geld für ein solches Kulturprogramm in Donaustauf genehmigt hat. Mit der Ausstellung würden nun alle heimatinteressierten Bürgerinnen und Bürger und die Gäste Donaustaufs angesprochen .

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