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Unglück

Großbrand: Landeskripo ermittelt

Das Feuer auf dem Gutshof nahe Schloss Köfering ist gelöscht. Warum eine Scheune und ein Wohngebäude Opfer der Flammen wurde, ist weiter unklar.
Von Felix Jung, MZ

  • Niedergebrannt: Wohnhaus (links) und Maschinenhalle
  • Betroffen: Freya Will und Sohn Simon
  • Zerstört: die Scheune

Köfering. Als Simon Will unterm Dach des Hauses mit seinem Freund am Computer spielte und es unten plötzlich laut und unentwegt klopfte, ahnte er noch nichts von dem Feuer, das sich rasend schnell in einem Teil des gräflichen Gutshofs in Köfering verbreitete.

Der 19-Jährige öffnete die Tür zur Treppe – und da schlug ihm schon der Rauch entgegen, der ihn fast den Atem nahm. Sich jetzt der Gefahr bewusst, krochen die beiden die steilen Holzstufen hinab. Das alles erzählt er tags darauf der MZ und spricht von einer „Wand voller Rauch“. Immer wieder schüttelt er beim Rundgang durch das völlig verwüstete Haus den Kopf, als ob er es nicht glauben wolle, was gestern am Nachmittag gegen 16 Uhr passiert war.

Ein Wohnhaus und eine 30 mal 40 Quadratmeter große Scheune waren in Flammen gestanden. Das Anwesen gehört zum Besitz des CSU-Landtagsabgeordneten Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (die MZ berichtete). In der ehemaligen Stallung, die völlig zerstört wurde, war Stroh und Heu gelagert. Das Gebäude nebenan brannte zur Hälfte ab. Darin war auch eine Dämmstoff-Firma untergebracht. 13 Feuerwehren waren ausgerückt.

Nach zwei Stunden war der Großbrand unter Kontrolle, gegen 20 Uhr verließ der Großteil der Einsatzkräfte wieder das weitläufige Terrain in der Nähe des Wasserschlosses. Eine 45-jährige Frau aus Köfering hatte die integrierte Leitstelle unter der 112 verständigt.

Zeugen vor Ort vernommen

Die Brandursache ist nach wie vor ungeklärt. Ob Sicherheitsvorschriften nicht beachtetet wurden oder es sich gar um Brandstiftung handelt – an Spekulationen will sich die Polizei nicht beteiligen.

Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. Mittlerweile ist sogar das Landeskriminalamt hinzugezogen worden, weil nach Angaben der Polizei-Pressestelle der Zerstörungsgrad so hoch ist, dass Spezialisten zur Aufklärung notwendig sind. Auch mehrere unmittelbare Zeugen wurden bereits befragt. Nach Angaben von Kreisbrandrat Waldemar Knott deutet einiges darauf hin, dass das Feuer zwischen beiden Gebäuden seinen Ursprung nahm.

Noch einmal in Lebensgefahr

Sechs Menschen mussten vorsorglich wegen Rauchgasvergiftungen in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden, darunter auch herbeigeeilte Anwohner und Einsatzkräfte. Eine Person wurde noch vor Ort behandelt. Mehr ist an diesem Unglückstag nicht passiert, auch wenn sich der 19-jährige Sohn der Mieterin noch einmal in Lebensgefahr begab. Er hatte die geliebte Katze oben im Schlafzimmer eingesperrt zurückgelassen. So eilte er – zunächst unbemerkt – vorbei an den Feuerwehrlern erneut nach oben.

Da der Weg nach unten aber dann endgültig durch die Brandentwicklung unmöglich geworden war, konnte er sich und seine „Madame“ nur noch mit einem Sprung aus dem Fenster retten. Auch am Tag danach ist das Weiß aus seinem Gesicht nicht gewichen. „Sie wäre sonst jämmerlich verbrannt“, erklärt er sein für viele unüberlegtes Vabanquespiel.

Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf mindestens 500.000 Euro. Für Freya Will und Andrew Zorzi scheint, das erst einmal eine Nebenrolle zu spielen. Ihnen ist das alte Haus am Gutshof ans Herz gewachsen. Kein Wunder: Sieben Jahre lang renovierten sie liebevoll das Gebäude, das idyllisch unweit der Pferdekoppel steht. Vom Schlafzimmer aus konnten sie die Tiere auf der Weide beobachten.

„Da steckt mein Herzblut drin“, sagt die Mieterin den Tränen nahe. Ihr Lebenspartner schluckt: „So einen Ort wie diesen finden wir zwei nicht mehr.“ Das Haus werde nun abgerissen. Beide waren bei Ausbruch des Brandes nicht zugegen. Beruflich in Baden-Württemberg unterwegs, erfuhren sie erst telefonisch, kurz darauf über Facebook von der Katastrophe. „Simon hat einen gewaltigen Schock bekommen. Als wir angerufen haben, konnte er fast nicht reden“, erzählt das Paar. Als sie in ihrem Zuhause in Köfering ankommen, ist nahezu alles zerstört.

„Wir haben nur noch die Klamotten, die wir auf dem Leib tragen,“ sagt Zorzi. Eine Hausratversicherung gebe es nicht. Am Dienstagnachmittag schleppten Freunde die noch wenigen brauchbaren Möbel aus Küche und Wohnzimmer aus der Ruine. Kinderzimmer, Büro und Schlafzimmer sind komplett zerstört.

Graf von und zu Lerchenfeld handelte indes schnell. Die Familie hat er gleich in der unmittelbaren Nähe in zwei seiner Mietswohnungen übergangsweise untergebracht.

Das Dämmstoff-Unternehmen, das betroffen ist, war am Dienstag nicht unter der gewohnten Nummer zu erreichen. Die Leitung war tot. Auch für diese Firma sicherte Lerchenfeld Hilfe zu: „Da müssen wir schauen, dass sie so schnell wie möglich wieder produzieren können.“ Wie viele Maschine noch funktionsfähig sind, das muss noch festgestellt werden.

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