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Hobby

Große Leidenschaft fürs Flippern

Die bunten Automaten haben Roland Chrobok nie losgelassen. Er spielt in der Flipperliga Regensburg und repariert die Geräte.
Von Gabi Hueber-Lutz

Roland Chrobok mit seiner ersten Flipper-Liebe, der elektromechanischen Magnotron Foto: Hueber-Lutz
Roland Chrobok mit seiner ersten Flipper-Liebe, der elektromechanischen Magnotron Foto: Hueber-Lutz

Pentling.Jeder Automat ist eine Persönlichkeit. Nur entfernt lässt ein Flipperautomat im Ruhezustand erahnen, was er alles für den Spieler bereithält. Wenn er blinkend, piepsend, klingelnd und leuchtend zum Leben erwacht, schlägt das Herz des Flipperfans höher. Roland Chrobok ist einer von ihnen. Gemeinsam mit Hartmut Besigk und Stefan Herold alias Sto spielt er im Team in der Regensburger Flipperliga. Sie sind die amtierenden deutschen Meister in der Teamwertung. Alle Drei sind sie um die 50 und als Jugendliche zum Flippern gekommen. Chrobok erinnert sich noch sehr genau an die Flipper im Westbad, an die er damals sein Herz verloren hatte.

Taschengeld umgesetzt

Die Geräte gibt es in allen möglichen Themenwelten. Foto: Hueber-Lutz
Die Geräte gibt es in allen möglichen Themenwelten. Foto: Hueber-Lutz

Oder das Exemplar beim Götzfried in Wutzlhofen, das er und sein Bruder mit ihrem Taschengeld gefüttert haben. Das ist Vergangenheit. Wirtshäuser, in denen Flipperautomaten stehen, gibt es kaum mehr. Flipperliebhaber dagegen schon. Für sie ist Chroboks Werkstatt in Pentling ein Dorado. Automat reiht sich an Automat. Zu verdanken ist das eigentlich Polly, dem Hund, den Chrobok anno dazumal Gassi geführt hat. Bei einer Garage stand als Eyecatcher ein Glücksspielautomat, im Hintergrund ertönte Pling, pling, pling. Chrobock ging nachschauen, fand lauter Flipperspieler, brachte Polly nach Hause und spielte sein erstes Turnier. Dass es der Geburtstag seiner Frau war, tat weder der einen noch der anderen Liebe einen Abbruch.

Mehr Bilder von den Flipper-Automaten sehen Sie hier:

Ein Regensburger und die große Flipper-Liebe

Heute betreibt er neben seinem Beruf als Elektroniker und Elektromeister noch eine Flipperwerkstatt im heimischen Pentling. Auch die Mitglieder der Regensburger Liga treffen sich oft hier, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Jeweils zwei Leute spielen gegeneinander. An welchem Automaten ein Zweiergespann den Abend verbringt, entscheidet der Zufall. Chrobok hat einen Glasbehälter voller Überraschungseier-Kapseln in seiner Werkstatt stehen, aus denen der Automat gezogen wird, mit dem man an diesem Tag das Vergnügen hat. Manchmal kommt ein neuer dazu, wenn Chrobok gerade wieder ein Gerät repariert hat und die Gelegenheit nutzt, den einwandfreien Zustand im intensiven Spiel testen zu lassen.

Es ist nicht Glück, wenn jemand die Kugel sehr lange im Spiel halten kann. Ein erfolgreicher Spieler zu sein, könne man regelrecht trainieren, betont der Pentlinger. Entsprechend sind die bunten Kästen für passionierte Flipperspieler auch keine Glücksspielautomaten. „Das sind fast schon Sportgeräte.“ In Österreich zum Beispiel sei Flippern als Sport anerkannt.

Sehen Sie hier ein Video von Roland Chroboks Flipper-Sammlung:

Video: Gabi Hueber-Lutz

Die Spieler trainieren sowohl Geschicklichkeit als auch Konzentration und Reaktionsvermögen. „Wer Flipper spielt, fährt besser Auto“, ist Chroboks deshalb überzeugt. Um die 20 Minuten katapultiert ein guter Spieler die Kugel durch das Universum seines Automaten. Sto, der beste Flipperspieler der Regensburger Liga, hat es schon geschafft, eine Kugel sechs Stunden im Spiel zu halten, erzählt Chrobok. Sto gehört auch zu den führenden Flipperspielern in Deutschland. Derzeit ist er die Nummer Drei im Ranking.

Glockenspiel statt Soundkarte

Jedes Gerät baut eine eigene Welt auf, hat seinen eigenen Sound und manche Automaten sprechen sogar mit ihren Spielern. In ihrem Inneren verbergen sich die entsprechenden Soundkarten. Aber ein Modell hat Chrobok, in dem tut noch ein Glockenspiel seine mechanische Arbeit. In kleinen, oft versteckten Funktionen oder Designs verewigen sich die Schöpfer der Flipperautomaten in ihren Kreationen. Jeder Automat hat sein Thema.

Hobby

Die Flipper und ihre 23 Freunde

Einer der ältesten, den Chrobok besitzt, dreht sich um die Familie Feuerstein. Selbstverständlich darf in seiner Geräuschkulisse das berühmte Yabadabadoo nicht fehlen. Genauso wie dieses „Gute-Laune-Spiel“ liebt Chrobok aber auch Getaway, das rasante Autospiel. Und, nein, das Spiel am Smartphone kann mit dem Flippern nicht konkurrieren. „Beim Flippern spiele ich etwas Echtes mit einer echten Stahlkugel“, hebt Chrobok hervor.

Mittlerweile gibt es auch wieder mehrere Hersteller von Flipperautomaten. Einfach deswegen, weil sie wieder gekauft werden. Ganz billig ist das Hobby nicht. Zwischen sieben- und zwölftausend Euro kostet so ein Automat. Wer sein Flippergen testen will oder mit Wehmut an frühere Zeiten zurückdenkt, kann beim Meister in Pentling vorbeikommen. Und auch Flipper-Geburtstage dürfen bei ihm gefeiert werden. Bisher habe es noch allen gefallen, sagt Chrobok. Erstaunt ist er darüber keineswegs.

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Die Welt in Ratter, Pling und Leucht

  • Motive:

    Jeder Flipper erzählt eine Geschichte, die nicht nur aus Bildern, Tönen und Geräuschen besteht. Auch die Spielelemente sind oft mit einbezogen. Bei „Twister“ geht es um Wirbelstürme. Die rotierende Scheibe sammelt mehrere Kugeln ein und schleudert sie dann ins Spielfeld.

  • Innenleben:

    Wie es hier aussieht, hängt vom Alter der Automaten ab. Bei den älteren Exemplaren ist alles Elektromechanik, bei den jüngeren Elektronik. Je jünger die Geräte, desto komplexer sind sie. Die Grundversionen werden bis zu einem gewissen Grad immer weiter upgedatet.

  • Cosa Nostra:

    Wenn ein Flipper die Mafia zum Thema hat, darf das dazugehörige Milieu nicht fehlen. Mit viel Liebe zum Detail sind in diesem Automaten die Damen der Halbwelt gestaltet, die ihrer Arbeit nachgehen und während eines Spiels von Flipperkugeln umtanzt werden.

  • Kräftemessen:

    42 Flipperligen gibt es in Deutschland. In der Regensburger Flipperliga gehen rund 25 Leute regelmäßig ihrem Hobby nach. Zumeist treffen sie sich zum Spielen bei Roland Chrobok. Er ist gemeinsam mit Hartmut Besigk und Stefan Herold amtierender Teammeister. (lhl)

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