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Freitag, 21. September 2018 28° 3

Alarmierung

Großeinsatz wegen Männern mit Waffen

Polizei umstellt Bahnhofsgelände: In Etterzhausen fallen Schüsse, in Regensburg steigt ein Mann mit Waffe in Bus ein.
Von Bettina Mehltretter und Heinz Klein

Die Polizei hat alle verfügbaren Kräfte nach Etterzhausen und an den Dachauplatz in Regensburg abgezogen. Foto: Paul Neuhoff
Die Polizei hat alle verfügbaren Kräfte nach Etterzhausen und an den Dachauplatz in Regensburg abgezogen. Foto: Paul Neuhoff

Regensburg.Verrückte Duplizität zweier Ereignisse, die die Polizei am Dienstagmittag in helle Aufregung und höchste Alarmstufe versetzten: Am Etterzhausener Bahnhof (Gemeinde Nittendorf) fielen gegen 12.50 Uhr Schüsse. Augenzeugen informierten die Polizei, dass dort ein Mann mit einer Schusswaffe unterwegs sei.

Nur wenige Minuten vorher ging bei der Regensburger Polizei ein ganz ähnlicher Notruf ein. Augenzeugen meldeten gegen 12.35 Uhr, im Umfeld des Dachauplatzes sei ein Mann, der eine Schusswaffe bei sich trug, in einen RVV-Bus eingestiegen.

Täter hatten keine scharfe Waffe

Die Polizei bündelte in fieberhafter Eile alle Kräfte und reagierte mit einem Großeinsatz zum Teil schwerbewaffneter Beamter an beiden Orten. In Etterzhausen wurden die Züge, die auf der Bahnlinie Regensburg – Nürnberg unterwegs waren, angehalten und der Bahnhof umstellt. Und in Regensburg stoppten Einsatzkräfte den Bus. An beiden Tatorten wurden die Täter festgenommen. Und nochmals gab es eine Duplizität – die des Aufatmens. Der Mann am Etterzhausener Bahnhof hatte mit einer Schreckschusspistole geschossen.

Mehr Bilder vom Großeinsatz in Etterzhausen sehen Sie hier:

Polizei-Großeinsatz in Etterzhausen

Und der junge Mann in der Regensburger Innenstadt war mit einer Spielzeugpistole unterwegs. „Niemand wurde verletzt, niemand wurde angeschossen“, konnte Polizeisprecher Dietmar Winterberg mit Erleichterung vermelden. Beide Fälle haben nach einer ersten Einschätzung nichts miteinander zu tun.

Ersten Ermittlungen zufolge war den Schüssen am Etterzhausener Bahnhof eine Streiterei vorausgegangen. Ein 23-Jähriger aus dem Landkreis Regensburg hat, wie die Ermittlungen später ergaben, mindestens einen Schuss aus einer Schreckschusspistole abgegeben. Er war am Bahnhofsgelände mit einem Kontrahenten, der der Polizei ebenfalls bekannt ist, in Streit geraten. Der Streit scheint eine Vorgeschichte zu haben, sagte Polizeisprecher Winterberg. Die genauen Hintergründe wurden im Laufe des Nachmittags noch ermittelt.

Dietmar Winterberg arbeitet mit seinen Kollegen gerade an der Aufarbeitung der beiden Fälle. Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz
Dietmar Winterberg arbeitet mit seinen Kollegen gerade an der Aufarbeitung der beiden Fälle. Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz

Aufgrund der zunächst unklaren Lage war die Polizei mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort, verstärkt von Bundespolizei und Bereitschaftspolizei, die sich im Rahmen der Aktion „Stark für Regensburg“ in der Region aufhielt. Der Bereich rund um den Bahnhof wurde abgesperrt und gesichert. Die Bundespolizei veranlasste bei der Deutschen Bahn, dass keine Züge mehr in den Etterzhausener Bahnhof einfuhren. Dann konnte der Verdächtige festgenommen werden. Der gesamte Einsatz ging in etwa 45 Minuten über die Bühne.

16-Jährigen im Bus gestellt

Etwa zur gleichen Zeit, nur 15 Minuten später, erreichte die Polizei eine alarmierende Meldung. Passanten beobachteten einen jungen Mann, der eine Schusswaffe in der Hand hielt, sie dann aber in seiner Kleidung versteckte. Die Augenzeugen behielten den jungen Mann im Auge, der schließlich am Dachauplatz in einen Linienbus einstieg, und hielten die Polizei auf dem Laufenden. „Da waren die Einsatzkräfte bereits auf der Anfahrt und koordinierten ihren Einsatz“, berichtete Dietmar Winterberg. In solchen Fällen sei schnelles Reagieren angebracht.

Alle verfügbaren Kräfte waren im Einsatz

Der Bus fuhr nicht mehr los. Stattdessen stiegen uniformierte Beamte mit normaler Bewaffnung in den Bus, stellten den 16-jährigen Verdächtigen und nahmen ihn fest. In einer Tasche fanden sie eine Waffe, die sich als Spielzeugwaffe herausstellte. Nach etwa 20 Minuten war der Polizeieinsatz wieder beendet.

„Eigentlich reicht uns schon ein solcher Einsatz.“

Dietmar Winterberg, Polizeisprecher

Bei der Vernehmung konnte bislang keine klare Motivlage ermittelt werden. Wie Winterberg auf Anfrage erklärte, sei der 16-Jährige dann in die Obhut eines Erziehungsberechtigten übergeben worden. Der junge Mann wird sich im Rahmen einer Ordnungswidrigkeitenanzeige, nämlich wegen des Führens einer sogenannten Anscheinswaffe, zu verantworten haben.

Die Polizei war an diesem Dienstag personell und organisatorisch stark gefordert. Weit über 50 Kräfte waren im Einsatz – ohne Unterstützung durch ein Sonereinsatzkommando. Von den Polizisten, die auf der Straße Dienst tun, sei „alles was ging, zusammengezogen worden“. Die Polizeiinspektionen aus Regensburg und Nittendorf kooperierten.

Haben es die Polizisten in Stadt und Landkreis mit derartigen Alarmierungen zu tun, ist der personelle Einsatz auch hinter den Kulissen enorm: Ein Führungsstab mit zehn bis 13 Kollegen wird zusammengerufen, hinzu kommen rund zehn Kräfte der Einsatzzentrale. Neben den Polizeibeamten aus dem gesamten Raum Regensburg haben sich auch Beamte der Bundespolizei und Unterstützungskräfte der Bereitschaftspolizei, die sich im Rahmen der Aktion „Stark für Regensburg“ in der Region aufhielten, bei den Einsätzen professionell beteiligt und eingebracht. „Eigentlich reicht uns schon ein solcher Einsatz“, sagt Winterberg. Er ist froh, dass sich die Lage sowohl in Etterzhausen als auch in Regensburg derart rasch beruhigt hat.

Weitere Polizeimeldungen aus Stadt und Landkreis Regensburg finden Sie hier.

Wie gefährlich sind Waffen?

  • Schreckschusswaffen:

    Sie sind meist echten Pistolen und Revolvern täuschend ähnlich nachgebildet, besitzen aber einen Gaslauf mit Sperren, die das Verschießen eines Projektils verhindern. Zudem verhindert eine Laufsperre, dass scharfe Patronen verschossen werden könnten. Oft besitzen diese Waffen Sollbruchstellen, die einen Umbau zur scharfen Waffe verhindern.

  • Gefährlichkeit:

    Schreckschussmunition erzeugt einen sehr lauten Knall. Beim Abfeuern von Reizgasmunition schießt Gas in Verbindung mit einem Knall aus dem Lauf. Das Abfeuern von Patronen aus nächster Nähe kann erhebliche, mitunter sogar lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Schreckschusswaffen können auch pyrotechnische Munition verschießen.

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