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Flutpolder

Grundwasser: Der Anstieg ist bewiesen

Der Experte des Landkreises zeigt anhand von Datenmodellen die Veränderung durch die Staustufen Geisling und Straubing.
Von Christof Seidl, MZ

  • Erst verwirrend, dann aufschlussreich: Professor Malcherek mit seinem grafischen Grundwassermodell Foto: Seidl
  • Markus Hörner, Sprecher der IG gegen Flutpolder, forderte die betroffenen Bürger auf, an den kommenden Veranstaltungen des Dialog-Verfahrens teilzunehmen: „Wir müssen stärker und lauter nachbohren. Geht da hin und sagt denen, wo uns der Schuh drückt.“
  • Tanja Schweiger warb energisch dafür, sich an dem Hochwasserdialog zu beteiligen. „Das ist die große Chance, uns einzubringen – und auf jeden Fall besser, als den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte die Landrätin bei ihrer Begrüßung.
  • Josef Schütz, 2. Bürgermeister von Wörth, betonte, dass die Stadt auf ihrer ganzen Länge an der Donau betroffen sei – „von Kiefenholz bis Zinzendorf“. Er forderte die Unterlieger auf, ebenfalls „ihre Hausaufgaben zu machen – am Inn und an der Isar“.
  • Sylvia Stierstorfer will sich im Umweltministerium für eine bessere Zusammenarbeit mit Prof. Malcherek stark machen. Die zögerliche Weitergabe der Daten sei nicht in Ordnung, erklärte die Landtagsabgeordnete. „Das werde ich der Ministerin auch sagen.“

Kiefenholz. Der Beweis ist rot, blau und ein wenig weiß. Es ist eine zunächst verwirrend wirkende Grafik, die aus der Ferne der Form einer Gurke ähnelt. Beim Informationsabend des Landkreises zu den geplanten Flutpoldern in Kiefenholz sorgte sie für Staunen, Wut – und für Hoffnung.

So verwirrend die Darstellung der Grundwasserverhältnisse entlang der ausgebauten Donau im südöstlichen Landkreis aussieht, so klar wurde sie, nachdem Professor Andreas Malcherek sie erläutert hatte. Die roten Flächen zeigen, wo und wie stark das Grundwasser seit der Inbetriebnahme der Donau-Staustufen Geisling und Straubing gestiegen ist, die blauen Flächen, wo es gesunken ist. Weiße Flächen bedeuten Gleichstand. Jeder Punkt, an dem sich Linien kreuzen, steht für einen Pegel.

„Das sind alles Fakten“

Der Grundwasserexperte des Landkreises hatte im vergangenen halben Jahr Daten aus Grundwasserpegeln und Donaupegeln verarbeitet und daraus „Bilder gemalt“. Ein Klick auf einen Pegelpunkt zeigt, wie sich das Grundwasser dort verändert hat. Anhand von drei willkürlichen Beispielen zeigten sich Grundwasseranstiege um bis zu zwei Metern. Nach Malchereks Angaben bilden die Grafiken die reale Situation dar. „Da wurde nichts gerechnet oder simuliert. Das sind alles Fakten.“

Es reicht: Mit diesem Plakat protestiert die IG gegen den Bau der geplanten Flutpolder Eltheim und Wörth.
Es reicht: Mit diesem Plakat protestiert die IG gegen den Bau der geplanten Flutpolder Eltheim und Wörth. Foto: Seidl

Auch bei der Bewertung waren die Aussagen des Professors eindeutig: Die einzige Ursache für den Grundwasseranstieg ist der Donauausbau. Die Niederschlagsmenge war über den gesamten Betrachtungszeitraum im Mittel gleich hoch und würde sich zudem nicht nur direkt an der Donau auswirken. Auch der Untergrund habe sich durch den Ausbau nicht verändert.

Kritik übte Malcherek am Wasser- und Schifffahrtsamt sowie am Wasserwirtschaftsamt. Die von den Behörden zur Verfügung gestellten Datensätze hätten in fast unbrauchbarer Form vorgelegen und seien völlig durcheinander gewesen. Der Grundwasserexperte vermutete, dass die Behörden selbst diese Datensätze nie oder zumindest seit langem nicht mehr benutzt haben.

Welchen Einfluss seine Arbeit auf die Polderplanung haben wird, wollte der Professor nicht beurteilen. Weder ihm, noch dem Landkreis oder der Interessengemeinschaft gegen Flutpolder (IG) ist bekannt, welche Kriterien das Grundwassermodell für den Polderbau an der Donau berücksichtigen soll. Malcherek: „Wir müssen sehr genau hinsehen, was die Träger des Verfahrens da vorhaben.“ Wichtig sei, dass die Behörden die Grundwasserdaten jetzt neu aufbereiten und sie jedermann in verständlicher Form im Internet zugänglich machen.

Thiel: „Wir werden belogen“

Heftig fiel die Kritik des Bürgermeisters von Barbing, Hans Thiel, aus. Er war lange Jahre Mitarbeiter der RMD AG und dort für die Datenerhebung mitverantwortlich. Thiel sagte, dass es zumindest beim Wasser- und Schifffahrtsamt wesentlich umfangreichere Daten geben müsse sowie Programme zu deren Bearbeitung. Er wirft der Behörde vor, Daten vorsätzlich zurückzuhalten. „So geht das nicht, wir werden belogen.“

Der Hof des Gasthauses Peutl in Kiefenholz war bereits 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn voll.
Der Hof des Gasthauses Peutl in Kiefenholz war bereits 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn voll. Foto: Seidl

Thiels Kritik führte in der Versammlung zu teilweise sehr emotionalen Aussagen. Mehrere Bürger sagten, das von Umweltministerin Ulrika Scharf eingeleitete Dialogverfahren sei sinnfrei, der Freistaat habe gar kein Interesse an einem Dialog. „Es fehlt die Ehrlichkeit.“ Ein Teilnehmer schlug vor, die völlig unzureichende Datenweitergabe strafrechtlich verfolgen zu lassen.

Behördenvertreter kam nicht

Für Unmut sorgte auch die Tatsache, dass trotz Einladung kein Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) vor Ort war. Amtsleiter Rolf Diesler hatte nach Angaben von Landrätin Tanja Schweiger am Tag vor der Veranstaltung abgesagt, weil Malcherek ihm seine Daten nicht vorab aushändigen wollte. Er habe sie aber noch vor der Veranstaltung erhalten, sagte Schweiger. Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts (WWA) betonten, dass sie keine eigenen Daten hätten. Sie hätten nur die vom WSA erhaltenen Datensätze weitergeleitet.

Die Landrätin bat die Versammlungsteilnehmer, trotz der unerfreulichen Nachrichten besonnen zu bleiben. Sie werde sich um eine schnelle Aufklärung bemühen. Sie warnte davor, das Dialogverfahren zu ignorieren. Bei den kommenden Veranstaltungen müssten die Bürger ihren Unmut und ihre Enttäuschung vielstimmig zum Ausdruck bringen. Dies forderte auch der Sprecher der IG, Markus Horner. Was ihn ärgerte, ist die Haltung der Behörden. „Deren Daten sind Mist und trotzdem sagen sie uns im Brustton der Überzeugung, dass alles in Ordnung ist.“

Malchereks Ausführungen machten aber auch einigen Hoffnung. Manfred Lichtl von der BI Grundwasser in Pfatter sieht die Ergebnisse als Chance, den hohen Grundwasserstand vor Gericht zu bringen. „Wir haben jetzt neue Grundlagen, die werden zahlen müssen.“

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