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Wirtschaft

Günstige Wohnungen bleiben Mangelware

2017 wurden im Landkreis 955 neue Wohnungen gebaut. Das ist viel, doch der Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen steigt weiter.
Von Christof Seidl

Trotz steigender Zahlen beim Wohnungsbau befürchten Experten, dass bezahlbarer Wohnraum im Landkreis Mangeldware bleibt. Symbolbild: S. Norgall
Trotz steigender Zahlen beim Wohnungsbau befürchten Experten, dass bezahlbarer Wohnraum im Landkreis Mangeldware bleibt. Symbolbild: S. Norgall

Regensburg.Vom Einfamilienhaus bis zum Wohnblock: Im Landkreis Regensburg sind im vergangenen Jahr 955 Neubauwohnungen entstanden – 588 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Darauf weist das Verbändebündnis Wohnen hin, in dem sich die Baugewerkschaft IG Bau und die Bauwirtschaft zusammengeschlossen haben. Die Zahlen basieren auf Daten des Statistischen Bundesamts.

Insgesamt haben die Bauherren im Landkreis demnach im vergangenen Jahr gut 280 Millionen Euro in den Neubau von Wohngebäuden investiert. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Kreis Regensburg seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will“, sagt Karl Bauer von der IG Bau. Im Rahmen dieser Aktion sollen in Deutschland bis 2021 pro Jahr 375000 neue Wohnungen entstehen.

Vorgaben übertroffen?

Schierling hat mit einem Wohnpark die Ortsmitte gestärkt. Archivfoto: jn
Schierling hat mit einem Wohnpark die Ortsmitte gestärkt. Archivfoto: jn

Im Landkreis trifft das Zahlenspiel des Gewerkschafters aber gar nicht zu. Heruntergebrochen auf 190000 Einwohner müssten im Regensburger Land jährlich 870 Wohnungen gebaut werden, um die Vorgaben der Wohnraum-Offensive zu erfüllen – also fast hundert weniger, als gebaut wurden.

Das Landratsamt bestätigt die statistischen Zahlen des Verbändebündnisses weitgehend, verweist aber darauf, dass ein so grobes Zahlenspiel nicht die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen könne. Landrätin Tanja Schweiger hatte bereits Anfang 2016 von 1000 günstigen Wohnungen gesprochen, die im Landkreis in den beiden kommenden Jahren errichtet werden müssten, um den Bedarf zu decken. In dieser Zahl waren damals rund 300 Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge enthalten.

In den Jahren 2016 und 2917 sind nun im Regensburger Land insgesamt gut 1800 neue Wohnungen entstanden. Bei etwa 900 dieser Wohnungen handelt es sich um Einfamilienhäuser, bei rund 230 um Wohnungen in Zweifamilienhäusern. Etwa 650 entstanden in Gebäuden mit drei oder mehr Wohneinheiten.

„Handwerker, die Wohnungen bauen, sollten auch in der Lage sein, sich eine eigene Wohnung anzuschaffen“

Karl Bauer, IG Bau

Wie viele dieser neuen Wohnungen unter die Kategorie „günstige Mietwohnung“ fallen, ist schwer einzuschätzen. Ein- und Zweifamilienhäuser zählen in der Regel nicht dazu, bleiben die 650 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

Als günstig können auf jeden Fall Wohnungen zählen, bei denen eine Variante des Drei-Säulen-Fördermodells des Freistaats Bayern zum Zug kommt. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz sind seit 2017 über das Kommunale Wohnraumförderprogramm 41 Wohnungen bewilligt worden. Weitere 18 erhalten eine einkommensorientierte Förderung. Die beiden Programme kommen aber noch besser in Schwung: Derzeit sind Anträge für insgesamt elf Projekte mit 212 Wohnungen in Arbeit.

Die Frage ist, ob die aktuelle Entwicklung reicht, um für eine echte Entlastung auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis zu sorgen. Einige deutliche Hinweise finden sich dazu im Immobilienreport 2017 der Sparkasse Regensburg. Der Report befasst sich unter anderem mit zehn Landkreisgemeinden und listet Durchschnittsmieten und die Zahl der Mietangebote für die Jahre 2017 und 2015 auf. Demnach sind die Mieten umso günstiger, je weiter der jeweilige Ort von Regensburg entfernt ist (Hemau und Wenzenbach 6,10 Euro; Wörth 6,20 Euro). Am teuersten sind die Stadtrandgemeinden Obertraubling und Tegernheim (8,40 Euro). In allen Bereich sind die Mieten in diesen zwei Jahren leicht gestiegen.

Die Nachfrage steigt weiter


Auffällig ist der Vergleich der aufgelisteten Mietangebote. Sie haben von 2015 auf 2017 drastisch abgenommen, zum Teil um 75 Prozent (Lappersdorf: 2015: 179 Angebote, 2017: 44). Die Sparkassenfachleute schließen daraus, dass die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen das Angebot deutlich übersteigt – in der Stadt und im Landkreis. Ohne gezieltes Gegenwirken werde sich diese Situation weiter verschärfen.

Ein Bauunternehmer aus dem Landkreis erklärt, viele Mietwohnungen würden unter der Hand weggehen. Die Wohnungssuchenden würden es oft direkt bei Hausverwaltungen oder Bauträgern versuchen. Und wer nicht unbedingt umziehen müsse, bleibe wo er ist, weil der Markt leer gefegt sei.

Regenstauf liegt bei Neubauten vorne

  • Tendenzen:

    Ein Blick auf die Wohnbauentwicklung in den einzelnen Landkreisgemeinden zeigt zwei Trends auf: Zum einen ist die Bautätigkeit im Stadtumland stärker als in stadtfernen Gebieten. Zum anderen gibt es auch in Zentrumsnähe unterschiedliche Entwicklungen.

  • Sieger:

    Die meisten neuen Häuser und Wohnungen entstanden 2017 in Regenstauf (119), Pentling (98), Sinzing (64) und Wenzenbach (60).

  • Verlierer:

    Die wenigsten Neubauten verzeichnen 2017 Pfakofen (1), Aufhausen, Deuerling, Holzheim, Mötzing, Riekofen (je 2) sowie Hagelstadt und Sünching (je 3)

  • Ausnahmen:

    Die kleine Vorwaldgemeinde Brennberg hat in den vergangenen vier Jahren um 52 Wohnungen zugelegt. Regenstauf ist mit 379 Wohnungen in vier Jahren auch Langzeitsieger. Schierling kommt hier auf Platz zwei (221 Wohnungen).

Das Landratsamt sieht in der seit vier Jahren steigenden Zahl der Neubauwohnungen ein gutes Signal dafür, dass das Angebot zunimmt und so der angespannte Wohnungsmarkt in der Region entlastet wird. Insbesondere im Stadtumlandbereich gebe es trotzdem einen unverändert großen Bedarf an neuen Wohnungen. Alleine der Bevölkerungszuwachs in der Region wird weiterhin zu einer hohen Nachfrage führen. Dies gelte besonders für den sozialen Wohnungsbau. Auch hier seien in den vergangenen Jahren einige Projekte auf den Weg gebracht worden. Die vom Landkreis unterstützte Bewusstseinsbildung habe hier das Engagement verstärkt.

IG-Bau-Mann Bauer glaubt nicht, dass Mietwohnungen das Problem auf Dauer lösen werden. Das Verbändebündnis Wohnen setzt auf das Wohneigentum. Hier müsse der Stadt fördern. „Es müssen sich wieder mehr Menschen die eigenen vier Wände leisten können – vom Maurer bis zur Industriekauffrau. Handwerker, die Wohnungen bauen, sollten auch in der Lage sein, sich eine eigene Wohnung anzuschaffen“

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