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Gymnasium: Regierung ist am Zug

Die Landkreise Regensburg und Schwandorf streiten wegen des Anbaus an die Lappersdorfer Schule. Eine Lösung muss her.
Von Thomas Kreissl, MZ

Der Zankapfel zwischen zwei Landkreisen: Das Gymnasium in Lappersdorf stößt schon wenige Jahre nach seiner Eröffnung an die Kapazitätsgrenzen und müsste erweitert werden. Die Planungen dafür lehnt jedoch der Schwandorfer Kreistag ab.
Der Zankapfel zwischen zwei Landkreisen: Das Gymnasium in Lappersdorf stößt schon wenige Jahre nach seiner Eröffnung an die Kapazitätsgrenzen und müsste erweitert werden. Die Planungen dafür lehnt jedoch der Schwandorfer Kreistag ab. Fotos: Kreissl, Landratsamt, CSU

Regensburg.Ein Machtwort muss her. Da waren sich Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) und Kreisrat Erich Dollinger (CSU) gestern Abend in der Sitzung des Schulausschusses einig. Sprechen soll dieses Machtwort die Regierung zur nun schon mehr als ein Jahr geführten Debatte um die Erweiterung des Lappersdorfer Gymnasiums. Nachdem der Landkreis Regensburg den Erweiterungsbau offiziell beantragt hat, liegt der Ball nun bein der Regierung. Sie muss abwägen, welchen Argumenten sie mehr Gewicht einräumt.

Denn der Streit zwischen den Landkreisen Regensburg und Schwandorf um den Anbau an die erst 2012 in Betrieb genommene Schule scheint nun wohl endgültig nicht mehr im gegenseitigen Einvernehmen zu lösen zu sein. Einen Kompromiss hatte die Regierung bislang aber stets von den beiden Landkreisen gefordert. Bei der Sitzung des Schulausschusses zeigte sich jetzt vor allem Erich Dollinger, in dessen Amtszeit als Lappersdorfer Bürgermeister das Gymnasium gebaut worden war, unverkennbar erzürnt über die Haltung des Schwandorfer Kreistags zu den Erweiterungsplänen. „Ich versuche, meine Contenance zu bewahren“, erklärte er .

Schwandorfer Räte lehnten ab

Die Schwandorfer Kreisräte hatten in ihrer Sitzung Mitte Dezember dem Entwurf des Regensburger Landratsamtes ihre Zustimmung verweigert. Stattdessen war Landrat Thomas Ebeling von dem Gremium beauftragt worden, neue Verhandlungen zu führen und einen Kompromiss auszuhandeln. Die Kreisräte aus dem Nachbarlandkreis hatten sich vor allem am Raumprogramm gestoßen, das die Regensburger in der Detailplanung ihres auf dreieinhalb Züge abgespeckten Entwurfs aufgeführt hatten. Vor allem die Räume für die Mittelstufe Plus und für die Volkshochschule waren den Schwandorfern zuviel. Sie sehen durch diesen Anbau weiterhin den Bestand ihrer Gymnasien in Burglengenfeld und Nittenau gefährdet.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Landrätin Tanja Schweiger

Die Landrätin zeigte sich immer noch überrascht von den Argumenten aus Schwandorf. Sie wies darauf hin, dass das Regensburger Landratsamt vorbildliche Abstimmungsarbeit geleistet und vielen Schwandorfer Wünschen entgegengekommen sei. „Wir bauen kein einziges Klassenzimmer mehr“, betonte sie zu den Abweichungen gegenüber dem im Sommer angebotenen Kompromiss. Ihren Angaben zufolge wurden nur die Klassenzimmer großzügiger konzipiert und dem Grundriss angepasst. Und dass die Volkshochschule dringend benötigte Räume bekomme, biete sich an, weil das auf dreieinhalb Züge reduzierte Raumprogramm für den Anbau diese Möglichkeit eröffne. „Der VHS-Standort Lappersdorf wird gebraucht“, sagte Schweiger.

„Schwandorf spielt nur auf Zeit“

Enttäuscht zeigte sich der Regensburger Verwaltungsleiter Robert Kellner von dem Gespräch zwischen den Landkreisen, das nach der Schwandorfer Entscheidung Mitte Januar stattgefunden hatte. Kellner brachte von diesem Gespräch den Eindruck mit, „dass Schwandorf nur auf Zeit spielt“. Das könne sich aber der Landkreis Regensburg in der Frage des Erweiterungsbaus jetzt aber nicht mehr leisten. Deshalb werde nun ohne neuerliche Annäherung und unabhängig von den Schwandorfer Einwänden der Anbau bei der Regierung beantragt.

Pressesprecher Hans Prechtl vom Schwandorfer Landratsamt bewertet das Fachgespräch zwischen den beiden Kreisbehörden so, dass dabei ein Konsens zum weiteren Vorgehen vereinbart worden sei. Demnach werde die Regierung nun das offizielle Anhörungsverfahren eröffnen.

Antrag ging am Montag ein

Das bestätigte Regierungssprecher Markus Roth auf Anfrage der MZ. Seinen Angaben zufolge ist der Antrag auf schulaufsichtliche Genehmigung des Erweiterungsbaus am Montag eingegangen. Ihm sei eine ausführliche Begründung des Landkreises Regensburg beigefügt. Die Regierung werde jetzt alle Beteiligten um Stellungnahme bitten, insbesondere den Landkreis Schwandorf und die Stadt Regensburg. „Erst nach einer Abwägung aller Belange kann eine Entscheidung getroffen werden“, erklärte Roth.

„Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

Erich Dollinger

In Schwandorf wird auf den Antrag und vor allem die Begründung aus Regensburg gewartet. „Wir erhoffen uns nähere Erläuterungen zu den Themen VHS und „Mittelstufe Plus“, erklärte Prechtl, der davon ausgeht, dass die Regierung nicht nur die schulaufsichtlichen Fragen bewertet, sondern auch landesplanerische Überlegungen mit einfließen lässt. Dabei müsste die Frage geklärt werden, ob die Gymnasien in Burglengenfeld und Nittenau tatsächlich infolge der geplanten Erweiterung der Lappersdorfer Schule um ihren Bestand fürchten müssen.

Dass die Debatte auch Ängste um die Zukunft des Gymnasiums in Lappersdorf schürt, machte Schulleiter Ulrich Sellner deutlich, dem eine Wortmeldung im Schulausschuss gestattet wurde. „Was ist, wenn die Regierung nicht zustimmt?“, fragte er, bekam darauf aus dem Gremium aber erst einmal keine Antwort.

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