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Empfang

Hemau: Pollinger sagt leise Servus

Der Hemauer Bürgermeister hielt seine letzte Neujahrsansprache. Neben Lob gab es zum Abschied auch mahnende Worte.
Von David Santl

Bürgermeister Hans Pollinger kurz nach seiner letzten Neujahrsansprache: Der große Applaus der gut 600 Gäste bewegte ihn sichtlich.  Fotos: David Santl
Bürgermeister Hans Pollinger kurz nach seiner letzten Neujahrsansprache: Der große Applaus der gut 600 Gäste bewegte ihn sichtlich. Fotos: David Santl

Hemau.Die besten Neujahrswünsche austauschen, alte Bekannte wiedersehen und in lockerer Smalltalk-Atmosphäre interessante Kontakte knüpfen: Es gibt viele Gründe, den Neujahrsempfang der Stadt Hemau zu schätzen. Auch am vergangenen Donnerstag kamen gut 600 Gäste in die Tangrintelhalle, um gemeinsam das Jahr 2020 zu beginnen.

In die festliche Stimmung mischten sich aber noch andere Gefühle: Es war der letzte Neujahrsempfang mit Bürgermeister Hans Pollinger an der Spitze. So prägten auch Abschied – vor allem aber tiefe Dankbarkeit und Wertschätzung – den Abend.

Umwelt und Soziales ist wichtig

Und Pollingers letzte Neujahrsansprache an die Hemauer Bürger begann ein bisschen ungewöhnlich: Er blies einen Luftballon so lange auf, bis er zerplatzte: „Mit unserer Schnelllebigkeit und den vielen Zukunftsängsten ist es wie mit einem Ballon. Irgendwann strapazieren wir ihn über und er platzt.“ Daher müsse Druck abgebaut werden. Gerade aus kommunaler Sicht könne dabei viel behilflich sein: Eine Bürgerschaft mit viel Gemeinsinn, ein Stadtrat mit kollegialem Verantwortungsbewusstsein und eine Verwaltung mit hoher Leistungsbereitschaft seien das Produkt einer positiven Gemeindeentwicklung. „Lange Zeit wurden wir wegen fehlender Infrastrukturen belächelt“, erklärte Pollinger, „doch mit Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit haben wir uns zu einer attraktiven Stadt entwickelt.“ Vor allem der Begriff „Sozialstadt“ ist Pollinger dabei wichtig: „Wir brauchen neben der Wirtschaft auch eine soziale Denke“, erklärte er. Hemau habe immer ein Herz für Menschen in schwierigen Situationen gezeigt. Dabei ging er vor allem auf zwei Beispiele ein: die Aufnahme von Spätaussiedlern und die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge.

Aber auch auf die aktuelle Klimakrise nahm das Stadtoberhaupt Bezug. „Die Klimaaktivistin Greta Thunberg will uns die Augen öffnen, aber handeln müssen wir schon selbst“, mahnte er. Hemau sei aber gut aufgestellt: „In Zukunft haben wir die Chance, 100 Prozent Ökostrom zu erzeugen“, freute er sich. Eins stimmte ihn aber traurig: „Wir haben es nicht geschafft, Windräder zu bauen, weil es so viele Widerstände der Bürger gab“, kritisierte Pollinger.

Das war der Neujahrsempfang 2020

  • Torbogen:

    Es ist zu einer Tradition beim Neujahrsempfang geworden: Jeder Gast schreitet durch einen Torbogen symbolisch ins neue Jahr. Bereits hier nutzten viele die Gelegenheit, um Hans Pollinger für seine Verdienste zu danken.

  • Dank:

    Landrätin Tanja Schweiger lobte in ihrem Grußwort die vielen Herausforderungen, die in Hemau angepackt wurden, und freute sich, dass es in den Landkreisgemeinden ein so aktives Ehrenamt gibt. Auch sie dankte Pollinger für die stets gute Zusammenarbeit an der Spitze.

  • Segen:

    Stadtpfarrer Berno Läßer, der evangelische Pfarrer Max Lehnert und Pfarrer Manfred Seidl aus Hohenschambach spendeten den Segen. In seiner Rede mahnte Läßer, dass die Bekämpfung der Einsamkeit im Vordergrund stehen sollte.

  • Ehrungen:

    Die Tanngrindler Musikanten umrahmten den Empfang musikalisch. In diesem Jahr feiern sie ihr 50-jähriges Jubiläum und wurden dafür geehrt, ebenso wie einige andere Personen, die besondere Leistungen erbracht haben. Mehr dazu lesen Sie in der Montagsausgabe. (lds)

Am Ende seiner Rede wurde er noch ganz persönlich: „Dieses Jahr wird eine kommunalpolitische Zäsur.“ Daher sei es ihm ein großes Anliegen, sich bei den beiden Bürgermeisterkandidaten und den 64 Stadtrats-Bewerbern für ihren Dienst an der Demokratie zu bedanken. „Und bitte seid fair in der Auseinandersetzung“, appellierte er an alle Kandidaten.

Ein bewegender Abgang

Die neue Verantwortlichkeit könne auf vieles bauen: So sei der Haushalt schon vorberaten und einige richtungsweisende Maßnahmen könnten anlaufen. Dennoch würde die neue Generation einiges erwarten: „Bis zum Jahr 2026 werden wir die 10 000-Einwohner-Marke geknackt haben“, prognostizierte Pollinger. Kommunalpolitik sei fließend. „Das macht es interessant“, so der Bürgermeister. Das neue Jahr werde also auch für ihn spannend: „Ich habe es gerne gemacht und zumindest versucht, es gut zu machen“, blickte er zurück und bedankte sich bei allen, die ihn dabei unterstützt haben – vor allem aber bei seiner Frau: „Liebe Maria, du warst eine wunderbare First Lady für Hemau“, gestand er.

Seinen Nachfolgern wünschte er, dass sie möglichst wenig Ballons zum Zerplatzen bringen. „Ich hoffe, ihr könnt viele Ballons aufsteigen lassen“, meinte er und ließ symbolhaft einige Luftballons fliegen. Danach blieb Pollinger noch eine Weile auf der Bühne stehen und genoss sichtlich gerührt die Ovationen der Gäste. Allen schien bewusst zu sein: Hier geht ein ganz Großer.

Im Anschluss fanden noch die traditionellen Ehrungen statt. Dabei wurden unter anderem Kurt Lada und Günter Geier für den Bau eines Doppelsitzer-Karts für Menschen mit Handicap ausgezeichnet.

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