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Integration

Hemau setzt auf Sprach-Praxis

Kinder tun sich beim Spracherwerb leichter als Erwachsene. Ab 2019 erweitern die Schulen am Mönchsberg ihr Angebot.
Von Heiner Stöcker

„Sprach- und Lernpraxis“ soll ab dem Halbjahr das Deutschangebot in Hemau erweitern. Foto: Arno Burgi/dpa
„Sprach- und Lernpraxis“ soll ab dem Halbjahr das Deutschangebot in Hemau erweitern. Foto: Arno Burgi/dpa

Hemau.Bayern führt aktuell ein neues Angebot „Sprach- und Lernpraxis“ vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund ein. Die Ausschreibung läuft noch bis 14. Dezember. Und schon jetzt steht fest: In Hemau an den Schulen am Mönchsberg entsteht zum Halbjahr landesweit eines der ersten davon.

Die Migrations-Kinder der Offenen-Ganztagsschule haben die Möglichkeit im Praxisunterricht ihre Sprachkompetenz zu erweitern. Das Angebot finanziert die Regierung des Freistaats und die AWO organisiert im Schulterschluss mit der Schule das Personal. „Uns ist das wichtig, dass diese Sprach- und Lernpraxis durchgeführt wird“, sagt Schulleiter Rektor Dr. Erwin Geitner.

Angebot erweitern

Dabei handelt es sich laut Geitner um ein Zusatzangebot vonseiten der Regierung, „um außerhalb des normalen Unterrichts den Deutschunterricht zu stärken und den Kindern mehr Sprachpraxis zu vermitteln – also die Sprache zu vertiefen“. Laut bayerischem Kultusministerium ist die „Sprach- und Lernpraxis“ eine Weiterentwicklung der Deutschfördermaßnahmen der Deutschklassen, die früher Übergangsklassen hießen.

Schulleiter Dr. Erwin Geitner (v.li.), AWO-Bezirksgeschäftsführer Alois Fraunholz und Christina „Gugi“ Schneider, Leiterin der offenen Ganztagsschule, bringen das Angebot auf den Weg. Foto: Stöcker
Schulleiter Dr. Erwin Geitner (v.li.), AWO-Bezirksgeschäftsführer Alois Fraunholz und Christina „Gugi“ Schneider, Leiterin der offenen Ganztagsschule, bringen das Angebot auf den Weg. Foto: Stöcker

Kinder tun sich beim Spracherwerb deutlich leichter als Erwachsene. Mittlerweile stammen die Schüler am Mönchsberg aus 13 Nationen. „Und es war faszinierend, wie schnell die teilweise Deutsch gelernt haben“, sagt Christina „Gugi“ Schneider. Alle Kinder, die eine Deutschklasse besuchen, hat sie als Leiterin der offenen Ganztagsschule unter ihren Fittichen. Teilweise hatten die Flüchtlingskinder unterschiedliche Muttersprachen. „Und Deutsch war dann der gemeinsame Nenner, mit dem sie sich untereinander verständigen konnten. Je bunter die Mischung, umso schneller haben die Kinder gelernt.“

Die Planungen für die Sprach- und Lernpraxis sind am Mönchsberg noch nicht ganz abgeschlossen. Startschuss soll zum Halbjahr sein. „Wir gehen davon aus, dass es für die Kinder der Deutschklassen pro Woche sechs Stunden werden.“ Direkt profitieren die 16 Kinder der Deutschklasse von dem neuen Angebot. Einige Flüchtlingskinder sind mittlerweile in die Regelklassen gewechselt. „Denen wollen wir dieses Angebot natürlich nicht vorenthalten. Weil: Zu viel fördern kann man in diesem Bereich nicht. Die werden wir da mit andocken“, sagt Gugi Schneider.

Deutschklassen: Deutschklassen eröffnen eine intensive Deutschförderung in allen Fächern mit der Möglichkeit der zeitweisen Differenzierung für nicht alphabetisierte Schüler. Darüber hinaus bieten sie „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ sowie eine weiterführende „Sprach- und Lernpraxis“ in Angeboten für den ganzen Tag. Foto: Daniel Karmann/dpa
Deutschklassen: Deutschklassen eröffnen eine intensive Deutschförderung in allen Fächern mit der Möglichkeit der zeitweisen Differenzierung für nicht alphabetisierte Schüler. Darüber hinaus bieten sie „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ sowie eine weiterführende „Sprach- und Lernpraxis“ in Angeboten für den ganzen Tag. Foto: Daniel Karmann/dpa

Das große Thema, das für Geitner und sein Team mitschwingt, ist Integration. „Die Kinder brauchen das. Und das sind durch die Bank nette Kinder – wir stellen da keinen Unterschied zu unseren anderen Schülern fest.“

Ein weiteres Standbein des zusätzlichen Unterrichts ist die Vermittlung von Kulturtechniken. „Die Kinder und Jugendlichen sollen die deutsche Kultur verstehen und respektieren lernen“, sagt Dr. Geitner. „Der Umgang miteinander, Regeln, Rücksichtnahme – all das was uns wichtig ist und uns ausmacht, soll da vermittelt werden.“ Aber auch lesen, sprechen, schreiben, wie man ein Anliegen vorträgt – „vielleicht mit einem ‚bitte‘ hinten dran. Auch wenn sich da manch Einheimischer schwertut.“

Die Kinder sollen intensiver Deutsch lernen und Werte-Unterricht erhalten. Dafür erntete die Staatsregierung auch Kritik.

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„Es ist Schwerstarbeit“, sagt Schneider. Die Kinder stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und sollen sich jetzt an Deutschland anpassen. „Aber gerade bei der Deutschklasse arbeitet die Klassleitung extrem eng mit uns zusammen. Das ist für diese Kinder auch eine ganz wichtige und zentrale Person. Das würde ohne die Unterstützung der anderen Lehrer hier auch nicht so gut funktionieren.“

DeutschPLUS: Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, die eine Regelklasse besuchen, werden weiter begleitende Fördermaßnahmen in Deutsch als Zweitsprache angeboten. Ziel ist der weitere Kompetenzerwerb und die Aneignung einer Fach- und Bildungssprache. Künftig sollen sie in Hemau auch an „Sprach- und Lernpraxis“ teilnehmen. Foto: Marcus Führer / dpa
DeutschPLUS: Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, die eine Regelklasse besuchen, werden weiter begleitende Fördermaßnahmen in Deutsch als Zweitsprache angeboten. Ziel ist der weitere Kompetenzerwerb und die Aneignung einer Fach- und Bildungssprache. Künftig sollen sie in Hemau auch an „Sprach- und Lernpraxis“ teilnehmen. Foto: Marcus Führer / dpa

Breites Spektrum

Die Integrationsklassen sind laut einem Entwurf des Kultusministeriums anders als bisher auf ein Jahr angelegt, der Unterricht geht bis zum Nachmittag und umfasst eine umfangreichere Stundentafel. Neben bis zu 18 Stunden Deutsch und Gruppen zur Alphabetisierung sollen Kinder in der Grundschule auch Religion, Mathe, Musik, Kunst, Werken, Heimat- und Sachunterricht sowie Sport haben. In der Mittelschule kommen Wahlfächer und Wirtschaft dazu. Am Nachmittag können externe Partner Sprach- und Lernpraxis anbieten. Vier Stunden sind für „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ eingeplant. Partner der Schulen am Mönchsberg ist die Arbeiterwohlfahrt. „Wir haben das Motto Vielfalt statt Einfalt“, sagt Alois Fraunholz, Bezirksgeschäftsführer der AWO Niederbayern/Oberpfalz. Primäre Aufgabe wird die Personalanstellung sein. „Voraussetzungen schaffen, Verträge schließen,... Aber wir sind auch die Kooperationspartner der Ganztagsschule – acht Gruppen in der Grund- und zwei in der Mittelschule.“

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