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Hemau wurde zum Schützenmekka

Seit 1492 gibt es in Hemau Feuerschützen. Was früher der Verteidigung diente, ist heute Bestandteil des Vereinslebens.
Von David Santl, MZ

Der 2. Schützenmeister Manuel Speck, Bürgermeister Hans Pollinger, Gauschützenmeister Thomas Ferstl und Vorsitzende Rosemarie Sturm (von links) verewigen sich auf der großen Jubiläumsscheibe, einem Geschenk des Patenvereins aus Regensburg. Fotos: Santl
Der 2. Schützenmeister Manuel Speck, Bürgermeister Hans Pollinger, Gauschützenmeister Thomas Ferstl und Vorsitzende Rosemarie Sturm (von links) verewigen sich auf der großen Jubiläumsscheibe, einem Geschenk des Patenvereins aus Regensburg. Fotos: Santl

Hemau.Dass der älteste Verein Hemaus sein 525-jähriges Jubiläum feierte, merkte man vor allem an der Vielzahl von Gästen anderer Vereine, die der Einladung der „Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft“ gefolgt waren, um einen unvergesslichen Abend zu erleben. Bereits beim Festgottesdienst in der gut gefüllten Stadtpfarrkirche St. Johannes wurde deutlich, welche Bedeutung die Schützengesellschaft für die Stadt hat. Zelebriert wurde der Gottesdienst vom Kolping-Diözesanpräses Karl-Dieter Schmidt und dem evangelischen Pfarrer Max Lehnert.

In seiner Predigt verglich Schmidt den Schützensport mit der Realität. „Auch im Leben trifft man nicht immer ins Schwarze“, meinte er. Es sei wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben, – genau wie die Schützen. Für den passenden Rahmen sorgte die Stadtkapelle, die einmal mehr ihre Klasse unter Beweis stellte. Nach dem Gottesdienst und dem Totengedenken durch die erste Schützenmeisterin und Vorsitzende Rosemarie Sturm bewegte sich der Festzug zum Gasthof Donhauser, der den Schützen seit 1912 als Stammlokal dient. Dort gab es neben guten Gesprächen über das gemeinsame Hobby etliche Grußworte und Reden von Verantwortlichen.

Blick in die Gesichte

Der Jubelverein auf dem Weg zur Kirche
Der Jubelverein auf dem Weg zur Kirche

So holte Sturm weit aus, um die Historie der Schützengesellschaft greifbar zu machen: „Im Jahr 1492 entdeckt Kolumbus Amerika und in Hemau werden die Feuerschützen aus der Taufe gehoben.“ Damals verfügte Herzog Albrecht IV. von Bayern, dass die Hemauer gerüstet sein sollten, um die Stadt im Ernstfall zu verteidigen. Sturm begrüßte die Vereine, unter anderem den Paten aus Regensburg sowie die „Patenkinder“ „Scambah Hohenschambach“ und „Waldfrieden Painten.“ Außerdem bedankte sie sich bei ihrem jetzigen Team für die Zusammenarbeit und bei den Ehrenmitgliedern Günter Eckl, Karl Lochner und Helmut Hanfstingl, die sich jahrzehntelang um die Schützen verdient gemacht haben. Nach flotten Märschen der Stadtkapelle standen die Ehrungen der Sieger des Jubiläumsschießens an, die durch den ersten Sportleiter Christoph Pollinger vorgenommen wurden.

In zwei getrennten Wettbewerben, einem für Schützen und einem für sonstige Vereine, gab es von Pokalen bis hin zu einem 30-Liter-Fass Bier einige Preise zu gewinnen. In weiteren Grußworten lobte Ernst Seidl, zweiter Schützenmeister des Patenvereins aus Regensburg, die Freundschaft der Vereine und überreichte Sturm eine Ehrenscheibe, auf der sich alle Anwesen-den verewigen durften. Auch die „Patenkinder“ kamen zu Wort. Klara Schreck von „Waldfrieden Painten“ und Johann Paulus von „Scambah Hohenschambach“ wünschten dem Jubelverein weiterhin „gut Schuss.“ Thomas Ferstl, erster Gauschützenmeister des Schützengaus „Jura“, wohnte dem Jubiläum ebenfalls bei, er freute sich, dass sich viele Vereine beim Jubiläumsschießen beteiligten.

Bürgermeister Hans Pollinger war voll des Lobes für den Dienst, den die Schützen leisten. „Bekanntlich wurde Hemau 1966 Garnisonsstadt, in Wirklichkeit waren wir das schon 1492“, scherzte er. Das Ziel der Schützen sei es ja gewesen, die Stadt bei Angriffen zu verteidigen. „Schützen leitet sich von Schutz ab“, erklärte Pollinger. Es sei bemerkenswert, wie diese positive Gesinnung weitergegeben wurde.

Kameradschaft ist wichtig

Die aktuelle Vorstandschaft um die erste Schützenmeisterin Rosemarie Sturm.
Die aktuelle Vorstandschaft um die erste Schützenmeisterin Rosemarie Sturm.

Dass der Schützensport sowohl ältere als auch junge Menschen anspricht, wurde bei einem Blick in den Saal deutlich. Das älteste anwesende Mitglied war der 77-jährige Helmut Hanfstingl. „Eugen Schmidt ist mit 97 Jahren noch älter, aber er kann leider nicht hier sein“, bedauerte er. Hanfstingl kann sich noch gut an die Anfänger erinnern und vergleicht: „Die Technik ist deutlich besser.“ Der jüngeren Generation rät er, gut auf Disziplin und Durchhaltevermögen zu achten. Auch Kameradschaft sei ein wichtiger Bestandteil. Das findet auch der 14-jährige Lukas Geitner, das jüngste Mitglied im Saal. „Die Kameradschaft gefällt mir“, sagte Lukas, der seit einem Jahr Mitglied ist.

Zu späterer Stunde ließ die Vorsitzende Rosemarie Sturm den Abend Revue passieren. „Es hat super gepasst“, freut sie sich im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Kein anderer Verein hat eine so lange Geschichte wie die Hemauer Schützengesellschaft.“ Das Schönste ist für Sturm die Gemeinschaft und der Zusammenhalt. „Jeder Interessierte kann vorbeikommen und schnuppern“, informiert Sturm, die es mit der Luftpistole bis zur bayerischen Meisterin brachte. „Bei mir ist das Schießen schon in Fleisch und Blut übergegangen“, freut sie sich. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die Jugendarbeit vertieft wird.

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