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Feuerwehr

Hemauer „Blaulichtkids“ werden groß

Vor acht Jahren entstand in Hemau eine Kinderfeuerwehr. Nun werden die Ersten volljährig – und wechseln zu den Aktiven.
Von David Santl

Simon Liedl bekommt von Kommandant Thomas Ziegaus den Helm überreicht.  Foto: Ziegaus
Simon Liedl bekommt von Kommandant Thomas Ziegaus den Helm überreicht. Foto: Ziegaus

Hemau.Ein eiskalter Abend, kurz vor 20 Uhr: Durch das grelle Flutlicht des Hemauer Feuerwehrhauses wabert Nebel. Trotz der äußerst ungemütlichen Atmosphäre versucht sich eine Hand voll Jugendlicher an typischen Feuerwehraufgaben. Die Kälte stört sie nicht im Geringsten.

„Wir bringen den Kleineren gerade das Sacklwerfen bei“, erzählen die Jugendfeuerwehrler Johannes und Fabian. Dabei wird ein Sack an ein Seil gebunden und wird dann möglichst weit geworfen. „So können wir zum Beispiel Schläuche auf die Drehleiter raufziehen“, erklären die beiden. Einmal noch lassen sie die Kleinen das „Sackl“ werfen, dann ist die Übung vorbei.

Für Florian, Max, Julian und Dailos ist es das erste Mal, dass sie bei einer richtigen Jugend-Übung dabei sind. „Wir sind echt stolz, dass wir jetzt dabei sein dürfen“, sind sich die vier einig. Dann gehen sie in die große Fahrzeughalle, wo sie auf die anderen treffen, die ihre Uniformen in die Garderobe hängen. Mittlerweile gibt es dort sogar Platzprobleme: „Wir mussten heute ein bisschen umräumen, weil es langsam eng wird“, lacht Jugendwartin Heidi Ziegaus.

Hemauer Jugendfeuerwehr boomt

Doch der mangelnde Platz liegt nicht an fehlenden Garderoben: Die Jugend der Hemauer Feuerwehr erlebt gerade einen regelrechten Boom. Insgesamt 27 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren sind zur Zeit in der Jugendfeuerwehr aktiv und 18 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren in der Kinderfeuerwehr, die 2011 gegründet wurde und den Namen „Blaulichtkids“ trägt.

Die jungen Feuerwehrler engagieren sich auch für die Umwelt, zum Beispiel bei der Müllsammelaktion „Ramadama.“ Foto: Ziegaus
Die jungen Feuerwehrler engagieren sich auch für die Umwelt, zum Beispiel bei der Müllsammelaktion „Ramadama.“ Foto: Ziegaus

Für sie ist heuer ein besonderes Jahr: Mit Simon Liedl wurde vor Kurzem das erste Gründungsmitglied der Kinderfeuerwehr volljährig und darf nun zu richtigen Einsätzen ausrücken. Simon ist 2011 zur Hemauer Feuerwehr gekommen – als Gründungsmitglied der damaligen Kinderfeuerwehr. Später wechselte er in die Jugendfeuerwehr. Und nun ist er bei den Aktiven. „Die Kameradschaft bei der Feuerwehr hat mir schon immer gefallen. Für mich war es gar keine Frage, dass ich jetzt bei den Aktiven weitermache“, erzählt der 18-Jährige.

Ratschen im „Floriansstüberl“ gehört nach Übung dazu

Kameradschaft wird bei der Hemauer Feuerwehr in der Tat besonders großgeschrieben. Kaum ist die Übung aus, setzen sich die Jugendfeuerwehrler noch im „Floriansstüberl“ zusammen und ratschen. „Das machen sie immer“, erzählen Jugendwartin Heidi Ziegaus und ihr Stellvertreter Anton Richter, die Simon von Anfang an gefördert haben. Und nicht nur ihn: In nächster Zeit werden mit Lukas Geitner, Johannes Lell, Dennis Ziegaus, Felix Kratzer, Martin Stephan und Jonas Ziegaus sechs weitere Jugendfeuerwehrler volljährig. „Die Jungen sind bei uns allgemein sehr aufstrebend“, freut sich auch Kommandant Thomas Ziegaus.

Neben regelmäßigen Übungen organisiert die Feuerwehr für den Nachwuchs unter andere Kegelabende und Skifahrten. Foto: Ziegaus
Neben regelmäßigen Übungen organisiert die Feuerwehr für den Nachwuchs unter andere Kegelabende und Skifahrten. Foto: Ziegaus

Achtjährige dürfen bei den Blaulichtkids mitmachen. „So können wir sie noch viel besser binden“, erklärt er. Dabei kommt es der Feuerwehr vor allem auf das Spielerische an: „Wir üben nicht an Geräten, sondern machen Rallyes durchs Feuerwehrhaus oder erklären den Notruf“, erzählt der Kommandant. Auch Bastelstunden und Fackelwanderungen gibt es. Mit diesem Projekt haben die Gründer Thomas Ziegaus und Florian Staudigl vor acht Jahren Pionierarbeit geleistet: Die Hemauer Kinderfeuerwehr war eine der ersten im Landkreis. Die Idee dazu kam aus Norddeutschland. „Dort konnten wir uns einiges abschauen.“ Einige hätten diese Idee aber auch skeptisch gesehen.

Warteliste für Kinderfeuerwehr erstellt

Doch am Ende hat die Feuerwehr den Nerv der Kinder und Eltern getroffen: „Am Beginn mussten wir sogar eine Warteliste einrichten“, erzählt Jugendwartin Heidi Ziegaus.In der Kinderfeuerwehr sieht auch ihr Ehemann und Kommandant Thomas Ziegaus eine Basis für den Erfolg: „Das war so eine schöne Gruppe. Da sie sich schon von Klein auf kannten, ist der Zusammenhalt viel besser“, meint er.

Bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr sind Quereinsteiger willkommen. Anmelden kann man sich bei Heidi Ziegaus. Foto: Ziegaus
Bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr sind Quereinsteiger willkommen. Anmelden kann man sich bei Heidi Ziegaus. Foto: Ziegaus

Auch Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer lobt die Idee der Kinderfeuerwehren: „Durch sie haben wir ein hohes Potenzial für den Feuerwehrnachwuchs“, erklärt er. Insgesamt gebe es im Landkreis 31 Kinderfeuerwehren. „Seit der Einführung bekommen auch die Jugendfeuerwehren mehr Zulauf“, erzählt Scheuerer. Dabei legt der Kreisbrandrat vor allem auf eines besonderen Wert: „In den Kinderfeuerwehren soll vermittelt werden, wie wertvoll das Ehrenamt ist. Wenn die Kinder das in den Köpfen haben, bleiben sie auch später bei der Feuerwehr aktiv.“

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