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Politik

Hemdsärmelig gegen den Amtsmief

Tanja Schweiger, die Landratskandidatin der Freien Wähler, setzt auf pragmatische Lösungen. Im Landratsamt will sie den Servicecharakter stärken.
Von Christof Seidl, MZ

Ihre Themenreise ist für Tanja Schweiger auch Ausdruck ihrer politischen Arbeitsweise. Foto: Freie Wähler

Pettendorf.Als Tanja Schweiger vor sechs Jahren als Landratskandidatin für die Freien Wähler (FW) antrat, war sie auf dem politischen Parkett ein Neuling. Auf Anhieb verbuchte sie einen Achtungserfolg: Sie lag noch vor dem SPD-Bewerber Josef Weitzer, verfehlte die Stichwahl gegen Amtsinhaber Herbert Mirbeth (CSU) nur um rund 300 Stimmen und zog in den Kreistag ein. Mittlerweile ist sie zum zweiten Mal über die FW-Liste in den Landtag gewählt worden – und bewirbt sich wieder als Landrätin.

Im Landtag ist die Bank- und Diplomkauffrau, die sich vor ihrer politischen Karriere für die Deutsche Bank um Geldanlage-Konzepte für vermögende Privatkunden gekümmert hat, stellvertretende Vorsitzende im Kommunalausschuss.

Die Erfahrungen, die Tanja Schweiger in gut fünf Jahren Landespolitik gesammelt hat – unter anderem hat sie auch die parlamentarische Geschäftsstruktur der Freien im Landtag aufgebaut – sieht sie als einen wichtigen Pluspunkt. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit könne sie als Landrätin sehr gut gebrauchen.

Das unerwartet gute Wahlergebnis von 2008 ist für die Pettendorferin ein wesentliches Argument für ihre erneute Kandidatur. „Ich bin nicht plötzlich wieder Kandidatin geworden. Ich habe die Zeit genutzt, um politisch zu arbeiten.“

Durch ihr gutes Abschneiden 2008 gegen den Amtsinhaber sei klargeworden, dass sie beim nächsten Mal gegen neue Gegenkandidaten eine gute Chance habe. Ihr Ziel sei es, Landrätin zu werden. „Wenn ich das nicht wirklich wollte, hätte ich es nicht getan.“

„Es stehen viele Aufgaben an“

Genauso klar ist ihre politische Ansage: „In den nächsten Jahren stehen im Landkreis viele wichtige Aufgaben an, die will ich angehen.“ Ihr gehe es darum, Entscheidungen nicht nur zu treffen, sondern auch zügig umzusetzen. Das sei ein Punkt, an dem es in den vergangenen Jahren im Landkreis oft gemangelt habe. Es habe gute Ansätze gegeben, aber vieles sei nicht mit der nötigen Tatkraft umgesetzt worden.

Die Überzeugung, dass konkrete Themen praktikable Lösungen brauchen, prägt ein politisches Instrument, das Schweiger seit geraumer Zeit einsetzt: die Themenreisen, mit denen sie ihre Anliegen öffentlich deutlich machen will. Die jüngste Station befasste sich mit der Nutzung regenerativer Energie in der Region.

Der Landratskandidatin geht es bei solchen Veranstaltungen weniger darum, sich selbst zu informieren – „das mache ich schon im Vorfeld“ – sondern darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich zwar nicht für Politik, aber für ein bestimmtes Thema interessieren.

An dem Treffen zu Fragen regenerativer Energie in Laaber hätten beispielsweise neben Dr. Michael Sterner, Professor für Energiespeicher an der OTH Regensburg, etliche Menschen teilgenommen, die sich seit Jahren mit Energiegewinnung in der Region befassen.

Energie in der Region ist auch ein zentraler Punkt im Wahlkampfprogramm von Tanja Schweiger. Sie will Konzepte, die die Wertschöpfung aus der Energieerzeugung in der Region halten. Ob das dann Landkreiswerke oder Genossenschaften seien, spiele keine entscheidende Rolle. Wichtiger sei, dass die richtigen Leute die Dinge in die Hand nehmen und voranbringen.

Energie sei bei den Freien Wähler kein neues Thema. „Wir haben das schon lange vor der Wende vorgeschlagen.“ Ähnliches gelte für die Breitbandversorgung, den Öffentlichen Personennahverkehr oder die Schülerbeförderung.

Investoren für Wohnungsbau finden

Der Landkreis, davon ist Schweiger überzeugt, könnte in vielen Bereichen mehr in Bewegung bringen. Als Beispiel nennt die Landtagsabgeordnete den Bau von Mietswohnungen. Es gebe vielerorts Bedarf, seien es Kinder von ansässigen Familien, die in ihrem Heimatort bleiben wollen, oder ältere Mitbürger, die ihre zu groß gewordenen Häuser gerne gegen kleinere Wohnungen tauschen würden. Aufgabe des Landkreises sei es, für solche Projekte Investoren zu finden – oder selbst tätig zu werden.

Es gebe sogar eine Wohnbaugesellschaft des Landkreises, die allerdings kaum in Erscheinung trete. „Die müsste man anders aufstellen.“ Die Landratskandidatin könnte sich außerdem einen zusätzlichen Schub durch einen Baupreis für innovative Ideen vorstellen, beispielsweise bei Leerständen im ländlichen Bereich.

Einen anderen Schwerpunkt will Schweiger bei der Kulturarbeit setzen. Der Landkreis soll als eine Art Plattform für kulturelle Aktivitäten in den einzelnen Gemeinden dienen. Er könnte Schulen einbinden und so ein Stück Landkreis-Identität schaffen. Außerdem könnte er Veranstaltungsreihen organisieren.

Wie gut solche Aktionen funktionieren können, habe die Reihe „Kultur in alten Mauern“ im Jahr 2009 gezeigt – „auch da ist dann leider nichts weitergegangen.“

Das Landratsamt selbst will Schweiger zu einer echten Servicebehörde ausbauen, das beispielsweise für kleinere Unternehmen oder für Landwirte Anlaufstellen bietet. Und ein Jugendparlament auf Landkreisebene würde die FW-Kandidatin auch gerne etablieren.

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