MyMz
Anzeige

Herausfordernde Bilder in Regenstauf

Zwischen Hoffnung und Angst: „Auf dunklen Pfaden“ heißt die Ausstellung des Fotografen Christian Greller.
Von Sabine Norgall, MZ

Mystisch anmutende Frauenportraits ziehen in die Ausstellung „Auf dunklen Pfaden“ den Betrachter in ihren Bann. Foto: Christian Greller
Mystisch anmutende Frauenportraits ziehen in die Ausstellung „Auf dunklen Pfaden“ den Betrachter in ihren Bann. Foto: Christian Greller

Regenstauf. Der Ausstellungstermin könnte nicht besser gewählt sein. Die hellen Herbsttage sind vorbei, der Lichterglanz der Weihnachtszeit ist noch nicht angekommen. Die Natur ist grau, nebelig, dunkel. Es ist eine Zeit, in der das Düstere, Schatten, Zwischenwelten schon immer ihren Platz hatten. In diese Richtung zielt die Ausstellung der Fotokünstlers Christian Greller, der sein Schaffen unter eine Gedichtzeile von Georg Trakl stellt: „Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.“

Die großformatigen Frauenporträts, die ab Freitag, 17. November, im Balkensaal des Kultur- und Mehrgenerationenhauses in Regenstauf zu sehen sind, sind keine leichte Kost. Sie stellen das scheinbar Sichere bewusst in Frage, konfrontieren mit den eigenen Hoffnungen und Ängsten, fordern auf, nachzudenken: Was wäre wenn?

Düstere Fantasiewelten

Schon als Kind erlag Christian Greller, wie er im Gespräch mit unserem Medienhaus erzählt, der Faszination dunkler Fantasiewelten. Der heute 39-Jährige entdeckte früh seine Leidenschaft für das Abgründige, Morbide. Anders als bei seinen Alterskameraden waren es aber nicht damals aktuelle Horrorfilme. Greller versank in den Fantasiewelten der Schauerromantik eines Edgar Allen Poe, gruselte sich bei den Horrorwelten, die Howard Phillips Lovecraft zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwarf. Bei den Filmen begeistern ihn bis heute die Klassiker „Nosferatu“ oder „Das Cabinet des Dr. Caligari“. Der Übergang vom Horror zum Mystischen ist für ihn ein fließender. Georg Gahr, Vorsitzender des Vereins für Kunst Kultur und Museum (KuKuMu), der die Ausstellung initiierte, sagt über Greller: „Er versinkt in seinen Eigenwelten. Ich kenne keinen besseren Kenner von Horrorfilmen.“

Wenn er durch eine Stadt gehe, sagt Greller, sehe er in einem alten Gebäude nicht vordergründig dessen Verfall. Vielmehr stelle er sich die Frage, was dort schon alles passiert sein könnte, warum es heute gerade so ausschaue. Greller sieht die Schönheit im Verfall. Die Aussage „kaputt bedeutet greislich“ geht für ihn nicht auf.

Wie kam er zur Fotografie? Diese Frage kann Greller ganz spontan beantworten: „Ich wollte ein Teil des Ganzen sein. Ich konnte keine Filme drehen und ich kann nicht schreiben, da bot sich die Fotografie als Ausdrucksmittel an.“

Fotografie als Ausdrucksform

Christian Greller bei den Vorbereitungen für die Ausstellung Foto: Norgall
Christian Greller bei den Vorbereitungen für die Ausstellung Foto: Norgall

Mit dem Fotografieren begann er als Jugendlicher. Mit Freunden versuchte er, Kurzfilme zu drehen, „die nicht vorzeigbar waren.“ Während er beim Fotografieren zunächst den Weg vieler Hobbyfotografen ging, die sich bemühen, die Schönheit ihrer Umgebung einzufangen, brachte er schon bald zwei Komponenten zusammen: Den Hang zum Mystischen, Dunklen und seine Leidenschaft für die Fotografie.

Greller fotografierte nicht mehr ab, er fing an, seine Motive zu gestalten. Dabei zog es ihn bei seinen Fotoexkursionen immer wieder auf Friedhöfe, wo einige seiner besonders ausdrucksstarken Bilder entstanden. Friedhöfe empfindet er als besondere Orte der innen Ruhe, des Friedens. Verfolgt man seine Arbeiten auf seiner Webseite www. greller.de, so sind es neben den Porträts immer wieder die so genannten „lost places“, die vergessenen Ort, die ihn inspierieren. Bei Ausflügen mit dem Regenstaufer Fotoclub, dem er angehört, tut sich Greller bei der spontanen Motivsuche manchmal schwer, wenn er sich selbst treu bleiben will.

Ausstellung "Auf dunklen Pfaden"

Im Gegensatz zu den Friedhöfen hat Greller eine unbewusste Angst gegenüber Kirchenräumen. Die Darstellung des gekreuzigten Christus, blutende Heiligenfiguren oder die Brutalität der Passionsgeschichte, „das macht mir Angst.“ Diese Angst ist es vielleicht auch, die er in einigen Porträts wie dem weiblichen Christus, mal als Akt mit Dornenkrone, mal stigmatisiert mit den Wundmalen, verarbeitet hat. Dabei haben es gerade aus dieser Motivserie in der gemeinsamen Auswahl mit Georg Gahr vor allem die weniger verstörenden Motive in die Ausstellung geschafft. Eine besondere Geschichte will er gerade mit diesen Fotos nicht erzählen, sagt Greller, und fügt hinzu: „Die Geschichte dazu existiert ja schon.“

Schreckliches bahnt sich an

Die Porträts, die in der Ausstellung zu sehen sind, zeigen vermeintliche Momentaufnahmen von Frauen. Mal ist es das Motiv an sich, mal die künstlerische Verfremdung, die den Betrachter herausfordert. Immer, so schildert es Greller selbst, erahnt man in dem Motiv, es ist gerade etwas passiert, oder Schreckliches bahnt sich an. Greller gibt seinen Modellen Geschichten vor, in die sie sich hineinversetzen sollen. Da passt es, dass eines seiner Modelle Schauspielerin ist und genau das herüberbrachte, was er wollte.

Die Vernissage

  • Programm

    Zur Eröffnung der Ausstellung „Auf dunklen Pfaden“hat sich der Fotograf Christian Greller mit Gabriele Kiesl die perfekte Ergänzung geholt.

  • Die Autorin

    Gabriele Kiesl lebt als freie Autorin in der Oberpfalz. Sie schreibt Bücher, Drehbücher und Theaterstücke für Kinder und Erwachsene. Neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit ist sie Chefredakteurin eines Familienmagazins und Inhaberin des Literaturcafés „Tintenfassl“ in Cham. Die Autorin veröffentlichte im Regenstaufer Gietl- Verlag unlängst die Geschichtensammlung „Mystische Oberpfalz“. Georg Gahr, Vorsitzender des KuKuMu, nennt sie lächelnd die Droste-Hülshoff der Oberpfalz: „Schaurig ist‘s durch die Oberpfalz zu gehen...“

  • Zu zehn Fotografien Grellers hat Kiesl dunkle Gedichte verfasst. Der Schauspieler Philippe Matic-Arnauld des Lions, mit dem Kiesl zusammenarbeitet, hat die Gedichte vertont und wird sie bei der Vernissage am Klavier vortragen.

  • Kalligrafie

    Der Kalligraf Johann Meierhofer brachte die Gedichte ausdrucksstark zu Papier.

  • Öffnungszeiten

    Die Vernissage ist öffentlich und beginnt am Freitag, 17. November, 19 Uhr, im Kultur- und Mehrgenerationenhaus. Öffnungszeiten sind am 18. und 19. November von 14 bis 17 Uhr, am 23. und 24. November von 15 bis 18 Uhr und am 25. und 26. November von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Greller fotografiert mit einer Digitalkamera. Seine Fotos sollen aber auf keinen Fall so ausschauen. Er arbeitet mit den sogenannten digitalen Negativen, bearbeitet und verfremdet diese stark. Dabei bedient er sich auch der üblichen Filter und Bildbearbeitungsprogramme. Damit seine Fotografien den Anschein alter Aufnahmen erwecken, komponiert es diese aufwendig. Mal ist es die Struktur alter Mauern, mal die von Bäumen, die er über die Digitalfotos legt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn andere sagen, das Foto ist kaputt, hat es für ihn oft erst die perfekte Qualität und Aussage erreicht.

Die Ausstellung im Regenstaufer Kulturhaus ist für Christian Greller seine erste. Für das Cover des unlängst im Regenstaufer Gietl-Verlag erschienenen „Teufel von Stockenfeld“ hat er das düstere Umschlagfoto gestaltet. Die „Zeit“ veröffentlichte eines seiner Bilder, auf dem er eine besondere Stimmung des Regensburger Dreifaltigkeitsfriedhofs einfing. Manchmal liefert er auch genau die passenden Fotos, wenn Schauerromantik neu aufgelegt wird.

Mehr Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht