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Gastronomie

„Hinterhaus“ in Hemau sperrt wieder auf

Eigentlich hätte die Traditionskneipe schließen sollen. Doch Inhaberin Karin Strixner will es noch einmal wissen.
Von David Santl

Karin Strixner am Tresen: Auf dieses Bild müssen die Hemauer doch nicht verzichten. Foto: David Santl
Karin Strixner am Tresen: Auf dieses Bild müssen die Hemauer doch nicht verzichten. Foto: David Santl

Hemau.Karin Strixner sitzt auf einem Barhocker, rührt ein bisschen in ihrem Kaffee und erzählt. Bei ihr fühlt sich niemand fremd. Sie spricht mit den Leuten, als würde sie sie schon ein Leben lang kennen.

Genau das schätzen die Hemauer so an der Inhaberin des „Hinterhauses“, der einzigen Traditionskneipe, die es in der Tangrintelstadt noch gibt – und die es weiter geben wird.

Eigentlich hatte Karin Strixner ja genug davon, nächtelang hinterm Tresen zu stehen. Im Dezember 2018 verabschiedete sie sich mit einer großen Party von ihren Gästen, von denen viele wohl unzählige Abende im Hinterhaus verbracht haben. „Nach sechseinhalb Jahren wurde es mir zu viel“, erzählt sie.

„Ich brauch mein Hinterhaus“

Lange hat sie es aber nicht ohne „ihr“ Hinterhaus ausgehalten. „Es ist mir furchtbar abgegangen. Ich war einfach nicht mehr ich selbst“, erzählt sie fast ein bisschen wehmütig. Gerade mal acht Monate nach dem vermeintlichen „Abschied“ fasste Strixner dann den Entschluss: Sie will die Kultkneipe, die etwas versteckt in einer Seitengasse des Stadtplatzes liegt, weiterbetreiben. „Ich brauch doch mein Hinterhaus. Die Leute dort halten mich jung“, lacht die 54-Jährige.

Das Hinterhaus ist eine Kneipe für alle. „Hier feiern Jung und Alt gemeinsam“, freut sich Strixner, „die darten auch miteinander oder spielen Karten.“ Neben vielen Stammgästen kommen immer wieder Besucher aus Hemauer Nachbarorten, die die Kneipe für sich entdeckt haben. Foto: David Santl
Das Hinterhaus ist eine Kneipe für alle. „Hier feiern Jung und Alt gemeinsam“, freut sich Strixner, „die darten auch miteinander oder spielen Karten.“ Neben vielen Stammgästen kommen immer wieder Besucher aus Hemauer Nachbarorten, die die Kneipe für sich entdeckt haben. Foto: David Santl

Viele ehemalige Besucher hätten sie in den letzten Monaten angesprochen und gemeint, sie solle doch weitermachen. „Das hat mich natürlich bestärkt“, erzählt sie. Nicht ganz unbeteiligt war auch Karin Strixners Freund: „Der wusste schon lange vor mir, wie sehr mir das Hinterhaus fehlt“, schmunzelt sie. Ein neues Konzept verpasst sie ihrem „Baby“, wie sie es liebevoll nennt, aber trotzdem: „Wir werden nur noch über die Wintermonate öffnen.

Auch beim Bürgerfest will Strixner aufsperren

Im Sommer sind viele andere Feste, da wäre bei uns ohnehin nichts los“, erklärt Strixner. Losgehen soll es immer nach dem Volksfest. „Dann haben wir ungefähr bis Ende April offen. Aber zum Bürgerfest sperr ich natürlich auf“, verspricht sie. Geschlossene Gesellschaften könnten nach wie vor jederzeit im Hinterhaus feiern. „Du wirst es nicht glauben, aber wir hatten hier sogar schon Hochzeiten und Taufen“, lacht sie.

Vor allem die Partys am Weiberfasching sind im Hinterhaus legendär. Aber noch eine Besonderheit gibt es: Die Kneipe hat auch an Heiligabend offen. „Ganze Familien verlegen dann ihre Weihnachtsfeier hierher. Das geht oft bis 7 Uhr morgens“, erzählt Karin Strixner. Foto: Norbert Danisch
Vor allem die Partys am Weiberfasching sind im Hinterhaus legendär. Aber noch eine Besonderheit gibt es: Die Kneipe hat auch an Heiligabend offen. „Ganze Familien verlegen dann ihre Weihnachtsfeier hierher. Das geht oft bis 7 Uhr morgens“, erzählt Karin Strixner. Foto: Norbert Danisch

Und das aus gutem Grund: Hemau ohne das Hinterhaus wäre für viele wohl unvorstellbar. Im Jahr 1987 übernahm es Hans Baldauf und verpasste zwei Jahre darauf dem damaligen „Pilsgarten“ den Namen „Hinterhaus.“ Damals war am Wochenende in Hemau weit mehr los als jetzt: Das „Memory“ und das „Rosarium“ sorgten für ein pulsierendes Nachtleben. „Das war damals eine echte Ameisenstraße“, erinnert sich Strixner. Als dann aber die Bundeswehr aus Hemau abzog, verschwand auch das Nachtleben größtenteils – bis auf das Hinterhaus. „Früher ging es in Hemau richtig ab, das wollen wir jetzt wieder“, lacht sie.

Die Partys sind legendär

Der 7. Dezember 2007 war der Tiefpunkt in der Geschichte. Bei einem Großbrand kam der damalige Wirt ums Leben. Ein Jahr später wurde das Hinterhaus wiedereröffnet. „Zunächst hatten aber Einige, vor allem Feuerwehrler, Probleme, hierherzukommen“, erzählt Strixner. Foto: Beate Popp
Der 7. Dezember 2007 war der Tiefpunkt in der Geschichte. Bei einem Großbrand kam der damalige Wirt ums Leben. Ein Jahr später wurde das Hinterhaus wiedereröffnet. „Zunächst hatten aber Einige, vor allem Feuerwehrler, Probleme, hierherzukommen“, erzählt Strixner. Foto: Beate Popp

Bis heute hat das Hinterhaus glanzvolle Zeiten erlebt, aber auch Tiefpunkte. Im Jahr 2007 wurde es bei einem Großbrand zerstört. Dabei kam auch der damalige Inhaber ums Leben. Trotz dieses tragischen Unglücks konnte es ein Jahr später wieder eröffnen. „Das Hinterhaus ist eben unsterblich“, schmunzelt Strixner. Es sei einfach Kult. Woran das liegt, weiß Strixner selbst nicht genau: „Ich glaube, es ist die Mischung aus Jung und Alt. Bei uns feiern Leute zwischen 16 und 70 Jahren miteinander – ohne sich gegenseitig zu stören.“ Auch die Partys im Hinterhaus seien legendär: „Es gibt oft Mottopartys, wie Oktoberfest, 80er oder Rocknacht,“ erzählt sie.

Am 21. September stieg die große Wiedereröffnungs-Party. Dabei platzte die Kneipe aus allen Nähten. Die Freude, dass es doch weitergeht, war allgegenwärtig. Für die richtige Musik sorgte die Band „Hotel California“ mit ihrem Hemauer Frontmann Werner Herz (links). Foto: Norbert Danisch
Am 21. September stieg die große Wiedereröffnungs-Party. Dabei platzte die Kneipe aus allen Nähten. Die Freude, dass es doch weitergeht, war allgegenwärtig. Für die richtige Musik sorgte die Band „Hotel California“ mit ihrem Hemauer Frontmann Werner Herz (links). Foto: Norbert Danisch

Aber fühlen sich dann manche Anwohner nicht gestört? „Nein, die sind unglaublich tolerant. Die haben sich richtig gefreut, mich wieder als Nachbarin zu haben“, schwärmt Strixner, „ein Nachbar ist schon 78 Jahre alt und schaut immer noch gerne vorbei.“ Das Hinterhaus ist eben ein fester Treffpunkt für alle Hemauer. Das findet auch der ehemalige Besitzer Hans Baldauf: „Die Leute dort haben sich einfach gekannt. Das war Freundschaft pur“, erzählt Baldauf. „Damals war das Lokal noch eher rustikal“, erinnert er sich. Auch ihn würde es mal wieder „drücken“, dort vorbeizuschauen: „Ich freue mich sehr, dass es weitergeht“, sagt Baldauf. Die Kneipe sei auch heute noch ein wichtiger Treffpunkt. „Diese Musik und diese Gemütlichkeit gibt es sonst nirgends. Ohne Hinterhaus würde Hemau etwas fehlen.“

Kultur

Neue Musik-Stars aus Hemau

Seit zwei Jahren gibt es in Hemau die Band „Music 4 Living.“ An Motivation mangelt es den fünf Mitgliedern keineswegs.

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