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Bauen

Hitzige Debatte um Bauflächen

Ein Planungsbüro stellte in Lappersdorf den Entwurf des neuen Flächennutzungsplans vor. Viele Besucher übten Kritik.
Von Josef Dummer

Das im neuen Flächennutzungsplan des Markts Lappersdorf umstrittene Bauland Kareth-Nord Foto: Dummer
Das im neuen Flächennutzungsplan des Markts Lappersdorf umstrittene Bauland Kareth-Nord Foto: Dummer

Lappersdorf.Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung für den neuen Flächennutzungs- und Landschaftsplan des Markts. Es mussten sogar noch Stühle in den Saalbereich C des Aureliums getragen werden, um die rund 150 Besucher unterzubringen.

Zunächst stellten die Vertreter des verantwortlichen Teambüros Markert, Peter Markert und Adrian Merdes, ihre Vorschläge zur Umsetzung des neuen Flächennutzungsplans vor. Vorausgegangen war der Infoveranstaltung ein Workshop, bei dem die Markträte bereits über die Pläne des Teambüros informiert wurden. Über die endgültige Ausrichtung des Flächennutzungsplans für die nächsten 15 Jahre wird dann der Marktrat in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden.

Bedarf: 42 Hektar Bauland

Das Planbüro hatte einen Wohnbaulandbedarf für Lappersdorf von rund 42 Hektar bis zum Jahr 2034 errechnet, der mit den vorgelegten Vorschlägen erfüllt werde. Nach der Vorstellung aller Flächen im Markt Lappersdorf, die nach Meinung des Teambüros für eine Ausweisung als Bau- oder Gewerbegebiete in den nächsten 15 Jahren in Frage kommen könnten, hatten die Bürger das Wort.

Baulandentwicklung beim Gymnasium Lappersdorf (hinter der Baumreihe) Foto: Dummer
Baulandentwicklung beim Gymnasium Lappersdorf (hinter der Baumreihe) Foto: Dummer

Die Diskussionsbeiträge und Fragen an die Planer beschränkten sich fast ausschließlich auf die im derzeit noch gültigen Flächennutzungsplan als mögliches Baugebiet „Kareth-Nord“ ausgewiesene Fläche von insgesamt über 16 Hektar. Diese soll nach den Vorschlägen des Planungsbüros um 11,6 Hektar auf dann nur noch 4,7 Hektar reduziert werden – eine Entscheidung, die für meisten Veranstaltungsteilnehmer, die sich zu Wort meldeten, „nicht nachvollziehbar“ war. Einige meinten, dass gerade dieses Gebiet von der zentralen Lage zu den Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Kirche und Sportanlagen ideal dafür geeignet wäre.

Albert Peyer, der nach seiner Aussage eine Interessensgruppe von elf Grundstücksbesitzern vertritt, war der Meinung, die Argumente des Teambüros sogar entkräften zu können. Er schlug eine Kompromisslösung vor. Danach sollten mit einem Bogenschlag, und nicht, wie in weiteren Wortmeldungen kritisiert, mit der vom Teambüro vorgeschlagenen geraden Linie, weitere vier Hektar als Bauland ausgewiesen werden, also insgesamt dann 8,7 und nicht wie vorgesehen nur 4,7 Hektar.

Was ist ein Flächennutzungsplan?

  • Definition:

    Ein Flächennutzungsplan ist nach dem Baugesetzbuch ein vorbereitender Bauleitplan einer Kommune, dessen Regelung sich an diesem Gesetzbuch orientiert. Er ordnet den vorhandenen und voraussichtlichen Flächenbedarf für die einzelnen Nutzungsmöglichkeiten, wie Wohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr.

  • Hinweis:

    Die Vertreter des Planungsbüros machten die Besucher der Infoveranstaltung eingangs darauf aufmerksam, dass ein Flächennutzungsplan noch nicht mit einem Bebauungsplan verwechselt werden darf.

  • Aufgabe: Die Bauleitplanung soll die bauliche und die sonstige Nutzung der Grundstücke in der Gemeinde vorbereiten und leiten.

  • Entwicklung:

    Damit soll eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung gewährleistet werden, die die sozialen, wirtschaftlichen und landschaftsplanerischen Anforderungen auch für künftige Generationen miteinander in Einklang bringt.

  • Umwelt:

    Der Plan soll ebenso die Umwelt und die natürlichen Lebensgrundlagen schützen.

Rechtsanwalt Gerald Bischof, der mehrere Grundstückseigentümer mit rund 20000 Quadratmetern Fläche vertritt, habe nach seiner Aussage schon mehrfach schriftlich Bürgermeister Christian Hauner mit der neuen Sachlage konfrontiert, jedoch nie eine Antwort erhalten. Dabei könnte auf diesem Areal im Zusammenwirken von Kommune und Grundeigentümern soziales Bauen optimal umgesetzt werden, meinte Bischof, der ebenso keinen Grund für die Herausnahme des größten Teils dieser Fläche erkannte. Hauner äußerte sich dazu nicht.

Marktrat hat das letzte Wort

Aussagen von Planer Merdes, die gegen eine umfangreichere Bebauung sprachen, riefen bei den Besuchern eher hämisches Lachen hervor. So soll vorrangig ein Zusammenwachsen über den Höhenrücken vermieden werden. Die als Bauland geplante Fläche sei auch aufgrund zahlreicher Biotopflächen und einer Freileitung mit Schutzstreifen zurückgenommen worden. Eine neue Grünfläche im Norden soll zudem gemeinsam mit der Grünfläche am Kreisverkehr die Fortsetzung der Grünachse in Lappersdorf darstellen, die die freie Landschaft mit dem Ort verbindet und eine Zäsur zwischen den Ortsteilen Lappersdorf und Kareth darstellt, so die Idee im Planentwurf des Büros.

Doch diese Argumentation stieß bei den meisten Wortmeldern auf Unverständnis, die den von Peyer vorgestellten Kompromissvorschlag für besser hielten. Teilweise wurde den Planern vorgeworfen, die Lage vor Ort gar nicht zu kennen. Dr. Martin Zeilhofer fand „kein einziges stichhaltiges Argument für die Herausnahme des Gebietes“ und wies auf den Siedlungsdruck für Lappersdorf hin. Er war sogar der Meinung, dass der Marktrat nicht die Bürger, sondern die Bürger den Marktrat auf die problematische Sachlage aufmerksam gemacht hätten.

Teambüro-Chef Markert beendete schließlich die hitzigen Debatten, die nicht im Konsens enden konnten, mit dem Verweis darauf, dass Marktrat das letzte Wort habe. Bürgermeister Hauner bedankte sich für die „intensiven Diskussionsbeiträge“.

An der Informationsveranstaltung hatten sich auch Vertreter aller Fraktionen im Lappersdorfer Marktrat beteiligt. Sie können nun die vorgebrachten Einwände bis zur Entscheidung im Marktrat beraten.

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