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Theater

Höllenspuk vor dem Torturm

Wer glaubt, den Faust-Stoff zu kennen, wird in Laaber Überraschendes erleben. Dort macht sogar der Kasperl mit.
Von Peter Pavlas

Mysteriöses geschieht vor dem Torturm, der in den Markt führt. Foto: Pavlas
Mysteriöses geschieht vor dem Torturm, der in den Markt führt. Foto: Pavlas

Laaber. „Perlippe, perlappe!“ Der fürwitzige Kasperl versucht in Faustens Studierstube so lange, die Geister her- und wieder wegzuzaubern, bis er eins auf die Mütze bekommt. Das Ensem-ble des „Laabertheaters“ verpflanzt den bekannten Stoff des Doktor Faust in die Mitte des idyllischen Marktes. Die sieben Aufführungen ab dem 9. März weisen auch dem Gretchen eine neue Rolle im Stück zu.

„Da ist der Teufel im Spiel!“ – Wenn es um Staunenswertes, das Menschenmögliche scheinbar Übersteigende geht, zog man in der Vergangenheit immer gern zur Erklärung die Figur des Teufels heran. Die Legende vom Universalgelehrten Doktor Faust faszinierte schon lange vor Goethe die Menschen, was sich in zahlreichen literarischen Produkten niederschlug.

Wer war Johannes Faust?

Goethe lernte schon in jungen Jahren das alte Puppenspiel kennen, das mit dem Volksbuch des Johannes Spies (1587), dem Schauspiel Christopher Marlowes (1604) und anderen Überlieferungen vom Pakt des legendären Gelehrten Doktor Johannes Faust (1480 – 1540) mit dem Teufel zusammenhängt.

Die Geister, die der Kasperl rief, wird er nicht mehr los. Foto: Pavlas
Die Geister, die der Kasperl rief, wird er nicht mehr los. Foto: Pavlas

Nicht allzuviel ist bekannt über den Mann, der am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit lebte. Als allwissenden Magier sahen ihn die einen Zeitgenossen, als Hochstapler die anderen.

Dem „Faust vo Laaber“ liegt die Fassung des von Karl Simrock (1846) erstellten Textes zugrunde. Ohne Gretchenhandlung, diese war eine Einfügung Goethes in den Fauststoff, stellt das Puppenspiel die Höllenfahrt Fausts in einer volksgemäßen Art in den Mittelpunkt. Auf fassliche Weise wird der Kampf der Moderne, die Auseinandersetzung zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Autorität und Vernunft, Glauben und Denken, zwischen Entsagung und Genuss thematisiert. Dieser Kampf endet in der alten Sage und im Puppenspiel zur Warnung der Menschen mit dem Höllensturz des Doktors Faust.

Konträr zur ernsthaften und tragischen Figur des Fausts fungiert im Puppenspiel die lustige Figur des Kasperls oder des Hanswursts. Dessen Auftritte sind nicht nur dem Unterhaltungsbedürfnis der Zuschauer geschuldet. Mit seiner natürlichen Frechheit und Bauernschläue ist er ein Gegenpol zu den überheblichen geistigen Höhenflügen Fausts.

„Puppen“ können sprechen

Die Gattungsbezeichnung Puppenspiel ist keine formale Festlegung auf ein Spiel mit Hand- oder Marionettenfiguren. Je nach Ort und Situation spielten die damaligen Wanderbühnen auch mit personalen Darstellern. Diese historische Vorgabe war Ermutigung für die Inszenierung auf der Bühne in Laaber.

„In unserer Inszenierung galt es, den antiquiert wirkenden Text zu bebildern, zu lebendigen Schaubildern zu entwickeln. Deutliche Textstreichungen beschleunigen die Handlung und überspringen für heutige Zuschauer nicht mehr packende, sich wiederholende Handlungsdetails“, macht Spielleiter Paul Reinwald Appetit auf das Stück.

Für die Figur des Kasperl wählte das Ensemble eine dem bairischen Dialekt angelehnte Sprachfärbung. Statt Mainz als Wohn- und Spielort wird die Handlung nach Laaber versetzt. Diese Idee ergab sich aus den Überlegungen zum Bühnenbild „Am Turm“.

Seit Goethe aber gilt: kein Faust ohne Gretchen! „Unsere Spielfassung stellt sich dieser Aufgabe. Auf die aus dem Deutschunterricht erinnerten Zitate mit dem bekannten tragischen Schluss von Faust I wollten wir nicht verzichten“, so Reinwald. Die Zwischenszenen zur kurzgefassten Gretchentragödie stehen in einem stilistischen Kontrast zur Fausthandlung. Damit soll auch die Rezeption heutiger Faust-Lektüre im schulischen Unterricht thematisiert werden, erklärt der Spielleiter.

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