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Abenteuer

Im Einbaum auf großer Fahrt

Maximilian Feuerer aus Laub will damit auf der Donau bis zum Schwarzen Meer paddeln. Er hat sein Gefährt selbst gezimmert.
Von Christof Seidl

Seinen Einbaum hat Maximilian Feuerer selbst gezimmert. In etwa zwei Wochen will er damit in Richtung Schwarzes Meer lospaddeln. Foto: Christof Seidl
Seinen Einbaum hat Maximilian Feuerer selbst gezimmert. In etwa zwei Wochen will er damit in Richtung Schwarzes Meer lospaddeln. Foto: Christof Seidl

Zeitlarn.Maximilian Feuerer streicht mit Hand über die glatte Oberfläche seines Einbaums. Es ist das erste derartige Werkstück des jungen Schreinermeisters. Entstanden ist dieses Boot aus einem rund eine Tonne schweren Baumstamm, den Feuerer Stück für Stück in Form gebracht hat. Am Ende ist ein schlank wirkendes Gefährt übrig geblieben, gut fünf Meter lang, 70 Zentimeter breit und etwa 100 Kilogramm schwer. Der 27-Jährige hat damit Großes vor. Er will mit dem Einbaum die Donau hinunter bis zum Schwarzen Meer paddeln – alleine.

Die Idee hatte Feuerer im vergangenen Jahr, als er eine Reportage über einen Jäger in Sibirien sah, der einen Einbaum benutzte. Als „Bauanleitung“ diente ein 20-Minuten-Video im Internet, der Rest funktionierte nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip.

Alter Kiefer wird zum Boot

 So sieht der Baumstamm aus, aus dem ein Einbaum entsteht. Zuerst wird die äußere Form bearbeitet, dann die Innenseite ausgehöhlt. Dübellöcher helfen dabei, die Wandstärke möglichst dünn zu gestalten, ohne zu viel Material wegzunehmen. Foto: Christof Seidl
So sieht der Baumstamm aus, aus dem ein Einbaum entsteht. Zuerst wird die äußere Form bearbeitet, dann die Innenseite ausgehöhlt. Dübellöcher helfen dabei, die Wandstärke möglichst dünn zu gestalten, ohne zu viel Material wegzunehmen. Foto: Christof Seidl

Über Kontakte im Ort kam der junge Mann, der aus Laub in der Gemeinde Zeitlarn stammt und dort zur Zeit auch wohnt, an einen geeigneten Baum: eine 135 Jahre alte Kiefer. Ein Stück aus dem unteren Stammbereich bildete den Rohling für den Einbaum. Rund 100 Stunden habe er investiert, bis sein erstes Exemplar fertig war, erklärt der Schreinermeister– trotz Einsatzes moderner Werkzeuge wie einer Motorsäge und einer Flex. Bei der Oberflächenversiegelung setzte Feuerer auf Klarlack anstelle von Pech. Trotzdem war viel Handarbeit angesagt. Allein die Holzspäne, die beim Aushöhlen des Einbaums anfielen, füllten zwei Pkw-Anhänger.

Gespannt startete der 27-Jährige eine erste Probefahrt im Regen, nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt. Sein Fazit fällt extrem positiv aus. „Der Einbaum liegt sehr gut im Wasser, ich habe mich nach links und rechts gelehnt, und er blieb völlig stabil“, erzählt er im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung.

Hier geht’s zum Video über die Arbeiten an dem Einbaum

Für seine Fahrt nahm der junge Schreiner trotzdem einen zweiten, kleineren Einbaum in Angriff. Das erste Exemplar hat wegen seiner Größe ein Gewicht von rund 100 Kilogramm, was das Herausziehen aus dem Wasser sehr erschwert. Allerdings stellte sich bei der Testfahrt des zweiten Einbaums heraus, dass dieses Exemplar für eine größere Tour ungeeignet ist, weil es viel zu kippelig geraten war.

Feuerers Wahl fiel deshalb doch auf seine Nummer eins. Das Gewichtsproblem soll notfalls eine kleine Winde ausgleichen, mit der er den Einbaum auf jeden Fall aus dem Wasser holen kann. Für den Transport über Land hat der junge Abenteurer außerdem einen Rollwagen an Bord.

Anfangs wollte Maximilian Feuerer den Einbaum in reiner Handarbeit fertigstellen. Letztlich sägte er aber große Stücke mit einer Motorsäge heraus (im Bild). Später kam eine Flex zum Einsatz, um die Oberfläche zu glätten. Foto: Christof Seidl
Anfangs wollte Maximilian Feuerer den Einbaum in reiner Handarbeit fertigstellen. Letztlich sägte er aber große Stücke mit einer Motorsäge heraus (im Bild). Später kam eine Flex zum Einsatz, um die Oberfläche zu glätten. Foto: Christof Seidl

Ansonsten hat der große Einbaum viele Vorteile. Er liegt nicht nur stabil im Wasser, er bietet auch Platz für viel Gepäck. Feuerer versucht zwar, möglichst wenig mitzunehmen, doch die Liste für die notwendige Grundausstattung ist lang. Das geht bei Zelt, Isomatte und Schlafsack los und hört beim Mücken- und Sonnenschutz noch längst nicht auf. So will Feuerer beispielsweise bis zu 40 Liter Trinkwasser mitnehmen und zusätzlich einen Wasserfilter. Dazu kommt die Foto- und Videoausrüstung – und eine ohnmacht-sichere Schwimmweste.

Die Angst vor den Wellen

Über weite Strecken ist aber Handarbeit nötig, um den Einbaum in Form zu bringen. Feuerer benutzte unter anderem wie spezielle Beile, einen Fass-Schaber und einen angepassten Hobel, um den Einbaum in Form zu bringen. Foto: Christof Seidl
Über weite Strecken ist aber Handarbeit nötig, um den Einbaum in Form zu bringen. Feuerer benutzte unter anderem wie spezielle Beile, einen Fass-Schaber und einen angepassten Hobel, um den Einbaum in Form zu bringen. Foto: Christof Seidl

Weniger konkret sind Feuerers Vorstellungen, was die Fahrt selbst angeht. Das größte Problem sieht er in den großen Schiffen und den von ihnen ausgehenden Bugwellen. „Ich muss mich immer genau senkrecht dazu stellen, damit der Einbaum nicht umkippt.“ Schwierig könnte das in Österreich werden, denn durch die relativ hohen Fließgeschwindigkeiten der Donau fallen auch die von den Schiffen erzeugten Wellen höher aus. Feuerer will deshalb den Bug des Einbaums mit einer Schutzplane ausrüsten, damit kein Wasser in Innere schwappt.

Über weite Strecken ist aber Handarbeit nötig, um den Einbaum in Form zu bringen. Feuerer benutzte unter anderem wie spezielle Beile, einen Fass-Schaber und einen angepassten Hobel, um den Einbaum in Form zu bringen. Foto: Christof Seidl
Über weite Strecken ist aber Handarbeit nötig, um den Einbaum in Form zu bringen. Feuerer benutzte unter anderem wie spezielle Beile, einen Fass-Schaber und einen angepassten Hobel, um den Einbaum in Form zu bringen. Foto: Christof Seidl

Für die Route bis zum Schwarzen Meer gibt es einen Kanuführer, der Rastplätze auflistet, die für den jungen Schreiner aber nicht unbedingt die erste Wahl sind. „Ich habe schon vor, mir einfach mal eine schöne Stelle am Ufer zum Übernachten auszusuchen.“ Starten will Maximilian Feuerer nächste Woche, die Tour soll drei Monate dauern, Ob er sein Ziel erreicht, da ist sich der junge Abenteurer selbst nicht ganz sicher. „Ich fahr einfach mal los, dann sehe ich schon, wie weit ich komme.“

Sicher ist, dass der 27-Jährige seine Fahrt dokumentieren wird. In seine Foto- und Videoausrüstung hat er rund 2000 Euro investiert. Bei der Produktion wird der Lauber Hilfe von dem jungen Filmemacher Ruben Hensel erhalten, der unter den Pseudonym Votography bereits vier Videos vom Bau des zweiten Einbaums gedreht hat.

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Vom Baumstamm zum Boot

  • Material:

    So sieht der Baumstamm aus, aus dem ein Einbaum entsteht. Zuerst wird die äußere Form bearbeitet, dann die Innenseite ausgehöhlt. Dübellöcher helfen dabei, die Wandstärke möglichst dünn zu gestalten, ohne zu viel Material wegzunehmen.

  • Aufwand:

    Anfangs wollte Maximilian Feuerer den Einbaum in reiner Handarbeit fertigstellen. Letztlich sägte er aber große Stücke mit einer Motorsäge heraus (im Bild). Später kam eine Flex zum Einsatz, um die Oberfläche zu glätten.

  • Werkzeug:

    Über weite Strecken ist aber Handarbeit nötig, um den Einbaum in Form zu bringen. Feuerer benutzte unter anderem wie spezielle Beile, einen Fass-Schaber und einen angepassten Hobel, um den Einbaum in Form zu bringen.

  • Versuch:

    Eigentlich wollte der junge Schreiner einen kleineren Einbaum für seine Fahrt nutzen. Diese zweite Variante erwies sich aber im Wasser als sehr kippelig. Versuche, diesen Mangel nachträglich abzustellen, führten zu Rissen.

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