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Freitag, 17. August 2018 31° 2

Betreuung

Immer mehr Kinder zieht es in den Wald

Im westlichen Landkreis gibt es in Hemau und Nittendorf zwei Kindergärten unter freiem Himmel. Jetzt zeigt Brunn Interesse.
Von Ingrid Kroboth

Die Hemauer „Wurzelzwerge“ sind im Wald auf dem ehemaligen Standortübungsplatz voll in ihrem Element. Foto: Krenz/Archiv
Die Hemauer „Wurzelzwerge“ sind im Wald auf dem ehemaligen Standortübungsplatz voll in ihrem Element. Foto: Krenz/Archiv

Hemau.Waldkindergärten sind für junge Eltern landauf landab ein interessantes Thema: das Spielen in freier Natur mit Materialien, die der Wald grad hergibt. Der Aufenthalt an der frischen Luft bei jedem Wetter, übers ganze Jahr – was für Abhärtung sorgen soll. Auf dem Tangrintel in Hemau gibt es den Waldkindergarten seit 2009, und das mit wachsendem Zuspruch.

Jeden Tag wandern die „Wurzelzwerge“ morgens um 7.30 Uhr vom Treffpunkt am Rande des Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Standortübungsplatz der General-von-Steuben-Kaserne zu ihrer Holzhütte im angrenzenden Wald. Regina Schels leitet die Gruppe, die inzwischen auf 25 Buben und Mädchen angewachsen ist.

Kein Platz für andere Gemeinden

Ursprünglich war der Waldkindergarten auf 20 Kinder ausgelegt. „Das war zu wenig“, sagt Schels und erklärt damit die Aufstockung. Und trotzdem ist bei den „Wurzelzwergen“ kein Platz für Kinder anderer Gemeinden. Selbst aus dem Gemeindegebiet Hemau kann es passieren, dass ein oder zwei Kinder abgewiesen werden müssen, bedauert sie. Träger dieser Einrichtung unterfreiem Himmel ist das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Regensburg.

Auch in Beratzhausen hatte das BRK für die Trägerschaft eines Waldkindergartens Interesse angemeldet – und auch schon einen Vertrag ausgearbeitet. Auf Beschluss des Marktgemeinderates im Sommer vergangenen Jahres sollte der neue Waldkindergarten bis 1. März 2018 eingeweiht werden – wenn dafür mindestens 15 Kinder angemeldet sind und die Eltern bezahlen: monatlich mindestens 95 Euro für eine vier- bis fünfstündige Betreuung.

Ein gemeindliches Grundstück war zu dem Zeitpunkt im Oberndorf bereits gefunden, laut Bürgermeister Konrad Meier im Gespräch mit unserem Medienhaus aber vom Landratsamt als ungeeignet bewertet worden. Zwischenzeitlich stünde zwar ein anderes Privat-Gelände im Bereich „Goldene Haube“ für einen längeren Pachtvertrag zur Verfügung. Aber das alles führe ohne eine rentable Kinderzahl – „für Herbst waren nur neun angemeldet“ – in eine Sackgasse, bedauert Meier den Stillstand. Dabei sei das Angebot immer auf der Homepage der Gemeinde Beratzhausen zu finden gewesen – „selbstverständlich auch für auswärtige Kinder“.

Die Eltern sind verunsichert

Ein Lager mitten im Wald zu bauen, gehört für die Jungs im Nittendorfer Waldkindergarten einfach dazu. Foto: Krenz/Archiv
Ein Lager mitten im Wald zu bauen, gehört für die Jungs im Nittendorfer Waldkindergarten einfach dazu. Foto: Krenz/Archiv

Für Carina Köttner, eine junge Mutter und Initiatorin des Waldkindergartens, ist es kein Wunder, dass sich niemand meldet: „Ich buche doch auch keinen Urlaub, wenn ich nicht weiß, wohin die Reise geht.“ Die Eltern sind verunsichert, weiß Köttner. Viele wollen das Risiko nicht eingehen, ihr Kind für den Waldkindergarten anzumelden, aus dem dann möglicherweise nichts wird – und dann ganz ohne Betreuungsplatz dazustehen. Schließlich fehle bis heute ein stimmiges Konzept.

Aber wer weiß: Vielleicht kommt ja bis zum Herbst 2019 ein Waldkindergarten in die Gemeinde Brunn. Bürgermeister Karl Söllner zeigte sich im Gespräch mit der Mittelbayerischen sehr aufgeschlossen für eine solche Einrichtung. Er steht allerdings auch unter „Handlungsdruck“, weil Brunn bei Kindergartenplätzen eine „Unterdeckung“ ausgleichen müsse.

Ein „Grundstück mit Charme“ sei auch schon gefunden: 9000 Quadratmeter groß, gleich neben dem alten Schulhaus in Frauenberg gelegen, mit einer Wiese zum richtigen Austoben, einem Waldstück in unmittelbarer Nachbarschaft – und das Ganze auch noch langfristig zu pachten. Dorthin soll auf jeden Fall ein zweigruppiger Kindergarten mit Krippe in einem festen Gebäude. Auch die Option eines „Naturkindergartens“ bestehe dort, sagt Söllner und rechnet bis September 2019 mit der Einweihung – zumindest des Regelkindergartens. Die Bauvoranfrage liege schon im Landratsamt, vielleicht schon kommende Woche könnten dann Förder- und Bauantrag eingereicht werden.

Das Interesse ausloten

Elternbeitrag und Anmeldung

  • Spielgeld:

    Bei einer Nutzungsdauer von vier bis fünf Stunden (von 7.30 bis 12.30 Uhr) zahlen die Eltern für das erste und zweite Kind monatlich 75 Euro plus Spielgeld. Im Regelkindergarten kostet die gleiche Zeit 60 Euro plus Spielgeld.

  • Anmeldung:

    Die Anmeldung für den Kindergarten in Beratzhausen ist am 20. März möglich.

  • Nachbargemeinde:

    Macht es Sinn, das Kind in den Waldkindergarten einer Nachbargemeinde anzumelden? Die junge Mutter Carina Köttner würde ihre Kinder – wie auch andere Eltern – nach Hemau oder Laaber bringen. Das bedeute allerdings, dass die Kleinen drei Jahre mit Kindern aus den Nachbarorten spielen – und dann bei der Einschulung in Beratzhausen die anderen nicht kennen.

Im Waldkindergarten „St. Katharina“ bei Nittendorf erlebt der Nachwuchs hautnah die Natur. Die drei- bis sechsjährigen Jungen und Mädchen trotzen täglich Wind und Wetter. Aufgeteilt ist der Nachwuchs in drei Gruppen. Die Nachfrage ist seit Jahren gleichbleibend hoch, heißt es aus dem Rathaus.

Bereits für Frühsommer oder Sommer hat Laabers Bürgermeister Hans Schmid eine Abfrage in der gesamten Verwaltungsgemeinde geplant, um so das Interesse am Waldkindergarten zu erkunden. In Laaber könnte eine derartige Einrichtung relativ günstig an den bestehenden Kindergarten angedockt werden, sagt er, schätzt den Bedarf aber nicht allzu hoch ein.

Für Deuerlings Bürgermeister Diethard Eichhammer ist der Bau eines Waldkindergartens „kein Thema“. Falls der Bedarf entstünde, wäre mit ihm über so eine Einrichtung schon zu reden. Aber aktuell habe Brunn den Finger gehoben, dann solle er dort auch entstehen.

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