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Gesellschaft

Ins Wohnprojekt statt einsam

Gemeinsam ökologische Grundsätze leben und sich unterstützen. Johannes Zelzner sucht Interessierte für seine Idee.
Von Sabine Norgall

Johannes Zelzner und Claudia Kolbeck vom Regenstaufer Bund Naturschutz werben für ein ökologisches Wohnprojekt im Markt. Foto: Norgall
Johannes Zelzner und Claudia Kolbeck vom Regenstaufer Bund Naturschutz werben für ein ökologisches Wohnprojekt im Markt. Foto: Norgall

Regenstauf.„Wie will ich alt werden?“ Diese Frage beschäftigt den 64-jährigen Johannes Zelzner seit vielen Jahren? Auf keinen Fall will er dann allein sein, erzählt er in einem Gespräch mit unserem Medienhaus. Am liebsten würde er mit Gleichgesinnten in einem Wohnprojekt leben, in dem man sich gegenseitig unterstützt und ökologische Grundsätze umsetzt. Als Vorstandsmitglied in der Ortsgruppe des Bund Naturschutz will Zelzner die Idee, die lange bei ihm gereift ist, nun gemeinsam mit der örtlichen Naturschutzorganisation anpacken. Mit 64 Jahren, sagt er, sei es an der Zeit, das Thema voranzubringen. Am liebsten würde er es in den kommenden drei Jahren umsetzen.

Zum Wohnprojekt gehört es für Zelzner, keinesfalls nur mit Gleichgesinnten nebeneinander zu wohnen. Seine Vorstellung, das sind engagierte Menschen, Junge und Alte, Alleinstehende oder Paare, die sich unterstützen. Die Älteren könnten Babysitten, Jüngere Einkäufe übernehmen. Man könnte man einen Gemüsegarten anlegen und aktiv sein.

Ältere machen ersten Schritt

Wer durch den üppigen Garten im Masurenweg zur Wohnung von Johannes Zelzner hinaufsteigt, merkt auf den ersten Blick, dass es ihm mit der Ökologie ernst ist. Die Natur schützen, wo immer es geht und ihr dort, wo sie geschädigt wurde, wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, das ist ihm ein wichtiges Anliegen. Dazu gehört für ihn auch, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. So schaut er, wenn er in Regensburg ist, gerne im Oxfam-Laden in der Maxstraße vorbei, wo gespendete Kleidung, Bücher oder Geschirr secondhand verkauft werden: „ Es muss nicht immer alles neu sein.“

Johannes Zelzner hat sich zum Thema Wohnprojekt bereits gründlich eingelesen. Foto: Norgall
Johannes Zelzner hat sich zum Thema Wohnprojekt bereits gründlich eingelesen. Foto: Norgall

An die Idee vom ökologischen Leben in einer Gemeinschaft geht Zelzner nicht blauäugig heran. Er hat sich eingelesen, Vorträge besucht oder Wochenenden in ähnlichen Wohngemeinschaften verbracht. Dabei stieß er immer wieder auf ein Muster. Zu Beginn einer Wohngemeinschaft seien es oft Ältere, die nicht mehr im Berufsleben stehen, die sich zusammenschließen und den Anstoß geben. Sobald herauskristallisiere, dass etwas mit Hand und Fuß entstehe, kämen auch Jüngere hinzu.

Harte und weiche Fähigkeiten

Zum erfolgreichen Gelingen einer Wohngemeinschaft, hat Zelzner gelernt, gehört der Mix aus sogenannten harten und weichen Fähigkeiten. Menschen mit unterschiedlichen Stärken ergänzten sich. Gefragt seien Fähigkeiten bei Kauf eines Grundstücks, das Verständnis für Baumaßnahmen oder die Finanzen. Als Gegenpart brauche es soziale Kompetenz, das Organisieren des gemeinsamen Lebens, das aufeinander Aufpassen, das Kümmern.

Weitere Infos

  • Angebot:

    Wer sich für die Wohngruppe interessiert, kann sich über die der E-Mail-Adresse des Bund Naturschutz melden: regenstauf@bund-naturschutz.de, oder direkt bei Johannes Zelzner, E-Mail: Johannes_Zelzner@web.de, telefonisch (09402) 93 78 63.

  • Veranstaltung:

    Bei genügend Interesse soll es im Herbst eine Infoveranstaltung geben.

Zelzners Favorit für ein Wohnprojekt wäre ein alter Bauerhof, eventuell ein altes Dorfwirtshaus in der Großgemeinde Regenstauf, so gelegen, dass man eine vertretbare Busverbindung hätte. Doch auch eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sieht Claudia Kolbeck aus der Regenstaufer Vorstandschaft des Bund Naturschutz nicht als aus Ausschlusskriterium.

„Wenn man zusammen lebt, lebt man ökologischer.“

Claudia Kolbeck

Mobilität könnte ein gemeinsames Auto sichern: „Man muss nicht alles selbst besitzen, man kann es sich teilen. Wenn man zusammen lebt, lebt man ökologischer.“

Auch über die Rechtsform eines Wohnprojektes hat Zelzner sich Gedanken gemacht. Noch ist alles offen, aber ihm gefällt der Gedanke einer Genossenschaft. Damit wäre sichergestellt, dass ein Wohnungsanteil zwar vererbt, ohne Zustimmung der anderen Mitbewohner aber nicht verkauft werden könnte. Eine Wohneinheit müsste an die Genossenschaft zurückverkauft werden und die Gemeinschaft könnte entscheiden, wer neu hinzukommt. Zelzner: „Die Bewohner müssen zueinander passen, damit das Ganze funktioniert.“

Auch Mieter sind willkommen

Um das Projekt auf den Weg zu bringen, wäre es gut, wenn Interessenten ein gewisses Kapital selbst einbringen könnten. Ein Neubau unter 2500 Euro pro Quadratmeter ginge wohl nicht, rechnet Zelzner vor. Der Umbau eines älteren Anwesens käme gegebenenfalls günstiger. Aber auch Interessierte, die eventuell mieten wollten, sollen sich angesprochen fühlen. Die Idee sei noch ganz am Anfang. Viele Wege stünden offen. Acht bis zehn Leute sollten es aber auf jeden Fall sein, um das Projekt zu starten. Ökologisches Interesse oder der Wunsch, sich für eine Gemeinschaft einzubringen, wäre Voraussetzung.

Claudia Kolbeck betont, das die Ortsgruppe des Bund Naturschutz geschlossen hinter Zelzners Vorschlag steht. Sie ist überzeugt: „Es gibt bestimmt mehr Leute in der Region, als man denkt, die einen alternativen Lebensentwurf leben wollen.“

Aktuell geht es Johannes Zelzner darum, zu sondieren, wie groß das Interesse ist. Wer sich interessiert, kann sich unter der E-Mail-Adresse des Bund Naturschutz melden: regenstauf@bund-naturschutz.de, oder direkt bei Johannes Zelzner, E-Mail: Johannes_Zelzner@web.de, oder telefonisch unter (09402) 93 78 63.

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