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Kampfsport

Ippon für die Inklusion in Nittendorf

Die Judoka des SV Nittendorf sind Gastgeber einer besonderen Meisterschaft. Eine Lokalmatadorin wird mit an den Start gehen.
Von Heiner Stöcker

Raya Mader (links) beim Training vor einem Wettkampf Foto: Marina Müller
Raya Mader (links) beim Training vor einem Wettkampf Foto: Marina Müller

Nittendorf.Raya trägt ihren weißen Anzug mit dem grünen Gürtel und steht auf der Matte des SV Neuhaus. Der Bundesliga-Judo-Verein ist ihre neue sportliche Heimat geworden. Aber gelernt hat die junge Frau mit Trisomie 21 den Kampfsport beim Judokreis SV Nittendorf. Und wie jeder Judoka freut sie sich, wenn der Gegner zu Boden geht und der Kampfrichter „Ippon“ – volle Punktzahl – ruft.

Seit sie Nittendorf verlassen hat, lebt die junge Frau in der Lebensgemeinschaft Münzinghof vor den Toren von Velden zusammen mit Gesunden und anderen Behinderten. Dort hat sie ihre Ausbildung gemacht, dort arbeitet sie. Aber Mittwoch ist Judo-Tag. Dann bringt sie ein Taxi zum knapp zwölf Kilometer entfernten SV-Neuhaus/Rothenbruck e.V..

Wenn Raya mit Marina unterwegs ist, herrscht Wettkampf-Diät, damit die Leistung stimmt. Hier: Das Frühstück der Champs.Foto: Müller
Wenn Raya mit Marina unterwegs ist, herrscht Wettkampf-Diät, damit die Leistung stimmt. Hier: Das Frühstück der Champs.Foto: Müller

Am 2. Februar kommt die 22-Jährige auf die heimischen Matten des SV Nittendorf zurück. Dann ist ihr Heimatverein Gastgeber der zweiten Offenen Bayerischen Einzelmeisterschaften im ID-Judo (G-Judo). Ausrichter der Veranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung sind der Bayerische Judoverband und Special Olympics Bayern.

„Ich freue mich riesig, dass es Raya in Münzinghof gefällt, und dass sie sich dort wohlfühlt“, sagt Marina Müller. Aber Raya Maders „Heimtrainerin“ ist nicht ganz glücklich mit der SV Neuhaus-Situation. „Sie hat da nur noch einmal die Woche Training, das ist nicht so individuell, wie es damals bei uns war.

Statt bei 35 Grad in die Halle nahm Coach Marina Raya zum kicken mit an den Strand – gut für die Standfestigkeit. Foto: Müller
Statt bei 35 Grad in die Halle nahm Coach Marina Raya zum kicken mit an den Strand – gut für die Standfestigkeit. Foto: Müller

Vielleicht auch nicht so ‚streng’, wie bei uns – Raya braucht intensive Förderung, um sportlich vorne mitmischen zu können.“ Selbst arbeitet Müller inzwischen bei Adidas in Herzogenaurach. Das macht die Wege weit. „Aber wir schreiben uns ständig via WhatsApp – und das ist so süß! Raya schreibt nämlich so, wie sie spricht.“ Umso mehr freut sich Müller auf das Turnier am 2. Februar. Raya Mader wird dann ab 11 Uhr mit rund 50 weiteren Sportlern in der Grundschule Nittendorf auf der Matte stehen.

Sportlich gefordert

Und sie hofft natürlich auf einen weiteren Erfolg ihres Schützlings. Von denen hat sie schon einige. Im vergangenen Mai hat Mader zum Beispiel in Kiel beim Landesentscheid der Special Olympics Silber geholt. Special Olympics Deutschland (SOD) ist die deutsche Organisation der weltweit größten, vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Im Jahr 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen, ist Special Olympics heute mit 5,2 Millionen Athletinnen und Athleten in 174 Ländern vertreten.

Die Individualität der Behinderung macht es den Kampfrichtern dabei nicht leicht, Fairness und Ausgewogenheit auf der Matte herzustellen. Mittels eines Skill-Tests, der die motorischen Fähigkeiten der Athleten in Übungen testet, werden die Judoka je nach Schwere ihrer Beeinträchtigung in drei Wettkampfklassen eingestuft. „Raya wird wahrscheinlich in Klasse III antreten. Das sind die Kämpfer mit der stärksten Beeinträchtigung“, sagt Marina Müller.

Die Judo-Community im Behindertenbereich ist herzlich – aber auf der Matte geht es zur Sache. Foto: Müller
Die Judo-Community im Behindertenbereich ist herzlich – aber auf der Matte geht es zur Sache. Foto: Müller

Müllers Großvater, Dieter Gröhn, ist der Gründervater der Judoabteilung des SV Nittendorf. Ihre Mutter Susanne Müller hat den zweiten Dan (Schwarzgurt), ist seit 1997 Trainerin und seit 1998 Abteilungsleiterin der SVN-Judoka. „Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir Gastgeber für den Wettkampf sein dürfen“, sagt Susanne Müller. Und im Hintergrund laufen die Vorbereitungen seit Wochen.

Pionierarbeit in Nittendorf

„Und Susanne hat damals, als Raya mit acht Jahren angefangen hat, echte Pionierarbeit in Sachen Integration geleistet“, sagt Papa Frederick Mader. Er ist selber Nittendorfer, hat selber Judo gemacht und kannte Susanne Müller und ihren Vater natürlich. Er ist stolz auf Raya und ihre Erfolge. „Sie ist körperlich gesund, dem Sport stand nichts im Wege und der Sport hat ihr unheimlich viel gegeben“, sagt der Mediziner. Schlagwort: „Fördern und Fordern“.

„Allgemeine körperliche Ertüchtigung, Training, Körpergefühl, Disziplin und Selbstbewusstsein. Und auch der Inklusionsgedanke, der hier in Nittendorf in einer Art und Weise vorgelebt worden ist – das findet man selten.“ Wie jeder Papa freut er sich, wenn sich sein Kind freut. „Und wenn Raya mit Marina auf Judo-Wettkämpfen unterwegs sein kann, dann ist das jedes Mal für sie etwas ganz Besonderes.“

Sport

Raya Mader holt sich Gold und Silber

Die Judoka aus Nittendorf war bei den nationalen „Special Olympics“ erfolgreich. Die Kämpferin und ihre Trainerinnen sind von der Leistung begeistert.

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