MyMz
Anzeige

Justiz

Jagdunfall: Schütze steht vor Gericht

Vor einem Jahr wurde ein Forstdirektor durch eine Kugel lebensgefährlich verletzt. Jetzt muss sich der Täter verantworten.
Von Marion von Boeselager und Thomas Kreissl, MZ

Von einem Hochsitz aus wollte ein Jäger vor gut einem Jahr bei Eichhofen auf ein Wildschwein schießen und traf einen anderen Jäger. Jetzt steht der Schütze vor Gericht.
Von einem Hochsitz aus wollte ein Jäger vor gut einem Jahr bei Eichhofen auf ein Wildschwein schießen und traf einen anderen Jäger. Jetzt steht der Schütze vor Gericht. Foto: dpa

Regensburg.Es war ein tragischer Jagdunfall: Ein heute 43-jähriger Jäger saß am Abend des 10. Oktober 2014 auf einem Hochsitz im Jagdgebiet Eichhofen bei Nittendorf auf der Lauer nach Schwarzwild. Gegen 20.30 Uhr nahm der Mann am Waldrand eine Bewegung wahr. Er glaubte, ein Wildschwein sei aus dem Holz gebrochen und laufe auf das bereits abgeerntete Maisfeld vor ihm zu. Der Mann legte mit seiner Waffe auf den vermeintlichen Schwarzkittel an und drückte ab.

Das Geschoss traf. Doch statt eines Keilers hatte der Schütze den 57-jährigen Jagdpächter getroffen, der dabei schwerst verletzt wurde. Am Donnerstag muss sich der Unglücksschütze wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Der Prozess ist auf einen Verhandlungstag angesetzt.

Fassungslosigkeit unter den Jägern

Nicht nur in Jägerkreisen hatte der Unfall vor gut einem Jahr für Fassungslosigkeit gesorgt. Der Vorfall war tagelang Gesprächsthema im Landkreis, nicht zuletzt deshalb, weil es hier seit Jahrzehnten keinen so schweren und tragischen Jagdunfall mehr gegeben hatte. Doch am Abend des 10. Oktober 2014 war vom Schützen der oberste Grundsatz, den es bei der Jagd zu beachten gibt, offenbar nicht beachtet worden: „Ein Jäger muss zu 100 Prozent wissen, auf was er schießt“, verdeutlicht Hubertus Mühlig, der Vorsitzende des Bezirksjagdverbandes Regensburg diesen Grundsatz.

An diesem Abend vor gut einem Jahr wollte der Jagdpächter des Reviers, der im Landkreis Kelheim wohnt, zu dem Hochsitz, auf dem der Schütze saß. Auf dem Weg dorthin traf ihn die Kugel. Das Opfer hatte nicht gewusst, dass der vier Meter hohe Sitz schon mit dem Jagdgast besetzt war. Das Geschoss durchschlug den Brustkorb und trat am Gesäß des 57-Jährigen wieder aus. Dabei wurden Hüftknochen zertrümmert. Es kam es zu einem sogenannten Spannungspneumothorax. Dabei dringt Luft in die Brusthöhle ein und sorgt so für eine lebensbedrohliche Situation. Zudem wurde infolge von Knocheneinsprengungen in den Bauch der Dünndarm mit 15 Löchern regelrecht zerfetzt.

Die Feuerwehr musste die Unfallstelle mit Scheinwerfern für den Rettungshubschrauber ausleuchten, der den Schwerverletzten ins Regensburger Uniklinikum brachte. Der Forstdirektor lag wochenlang im künstlichen Koma und schwebte in großer Lebensgefahr. Er musste infolge der Verletzungen insgesamt 15-mal operiert werden. Es sei mit Dauerfolgen und der Berufsunfähigkeit des Jagdpächters zu rechnen, lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Sie wirft dem Jagdgast aus dem Landkreis Regensburg vor, sein Ziel vor Abgabe des Schusses nicht über das Zielfernrohr eindeutig identifiziert zu haben. Der Jäger, der mit einem Drilling mit Kaliber 7x57 R und Zielfernrohr im Jagdrevier Eichhofen unterwegs war, habe es an der erforderlichen Sorgfalt fehlen lassen, erklärt die Staatsanwaltschaft.

Waffen und Jagdschein abgegeben

Hubertus Mühlig kennt das Opfer und den Schützen. „Für beide hat sich das Leben entscheidend geändert“, sagt er und weiß, dass der 43-jährige Schütze auch jenseits von den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen die Folgen seines verhängnisvollen Schusses noch längst nicht verarbeitet hat. Schon unmittelbar nach dem Vorfall habe er seine Waffen und seinen Jagdschein freiwillig zurückgegeben und sei von seinem Amt als Hegeringleiter im nördlichen Landkreis Regensburg zurückgetreten.

„Das war der richtige Schritt“, erklärt der Vorsitzende des Bezirksjagdverbandes, der erzählt, dass der Schütze noch heute fest davon überzeugt sei, beim Blick durch das Zielfernrohr ein Wildschwein gesehen zu haben. „Da hat sich im Gehirn anscheinend etwas abgespielt, was nur sehr schwer zu beurteilen ist“, sagt Mühlig, der sich immer noch keinen Reim auf das Geschehen am Abend des 10. Oktober 2014 machen kann. „Aber so etwas darf natürlich nicht passieren“, macht der Vorsitzende des Bezirksjagdverbands deutlich. Schließlich gebe es grundlegende Sicherheitsregeln bei der Jagd, die unter allen Umständen beachtet werden müssten. Jäger dürften keinerlei Risiko eingehen. „Sicherheit steht an erster Stelle und so werden bei uns die Leute auch ausgebildet“, versichert Mühlig.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht