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Engagement

Kanzel kehrt nach Köfering zurück

Ein eigens gegründeter Verein hat die Sanierung und den Einbau ermöglicht. Die Mitglieder mussten viele Hürden überwinden.
Von Josef Eder

Pfarrer Matthias Kienberger segnet die wieder in der Köferinger Kirche St. Michael eingebaute Kanzel.Foto: Josef Eder
Pfarrer Matthias Kienberger segnet die wieder in der Köferinger Kirche St. Michael eingebaute Kanzel.Foto: Josef Eder

Köfering.Es ist vollbracht: Die 300 Jahre alte Kanzel, ein barockes Schmuckstück, ist nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder an ihrem angestammten Platz in der Köferinger Kirche St. Michael eingebaut. Am Patronatstag segnete sie Pfarrer Mattias Kienberger zusammen mit seinem Vorgänger, Monsignore Erich Maier. Sechs Jahre, vier Monate und 16 Tage, sowie ein niedriger sechsstelliger Eurobetrag waren notwendig“, verdeutlichte der Vorsitzende des eigens gegründeten Kanzelfördervereins, Winfried Schoppelrey.

Insgesamt fielen 2500 Arbeitsstunden an. Davon entfielen auf die ergänzenden Schnitzarbeiten 1800 Stunden sowie 360 auf den Einbau, die der Förderverein leistete. Mit Letzterem wurde am 11. Juni begonnen. Nicht mitgerechnet sind die vielen Stunden, die fremdvergeben werden mussten. Am Samstag, 18 Uhr, brachte der Niedergebrachinger Kirchenmalermeister Rudolf Rappenegger die letzte vergoldete Kugel am unteren Ende des Handlaufs des schmalen Kanzelaufstiegs an.

Teile neun Mal umgelagert

Roman Illing hat unzählige Stunden mit der Rekonstruktion des barocken Kleinods verbracht. Foto: lid
Roman Illing hat unzählige Stunden mit der Rekonstruktion des barocken Kleinods verbracht. Foto: lid

Schoppelrey ließ die Geschichte kurz Revue passieren: „Neunmal wurde die Kanzel nach ihrem Aus- bis zum Wiedereinbau umgelagert. Als wir den Plan fassten, waren wir blauäugig und meinten: „In wenigen Wochen ist alles erledigt.

Es kam ein hoher Aufwand mit großen behördlichen Genehmigungen auf uns zu. Das bischöfliche Baureferat verzögerte. Die notwendige Vereinsgründung erfolgte am 20. Oktober 2014. Mit unseren 55 Mitgliedern sind wir wahrscheinlich der einzige Verein, der sich nach getaner Arbeit und hoffentlich bald abgezahlter Schulen, auf die Auflösung freut. Manchmal schlaflose, nervenaufreibende Tage liegen jetzt hinter uns.“

Wilfried Schoppelrey: „Mit unseren 55 Mitgliedern sind wir wahrscheinlich der einzige Verein, der sich nach getaner Arbeit und hoffentlich bald abgezahlter Schulen, auf die Auflösung freut.“ Foto: Eder
Wilfried Schoppelrey: „Mit unseren 55 Mitgliedern sind wir wahrscheinlich der einzige Verein, der sich nach getaner Arbeit und hoffentlich bald abgezahlter Schulen, auf die Auflösung freut.“ Foto: Eder

Im Januar 2019 machte die bischöfliche Finanzkammer endgültig den Weg frei. Vom Diözesanmuseum erhielt der Verein eine farbige St. Michaelsfigur, die aus der gleichen Zeitepoche wie die Kanzel stammt. Sie ziert jetzt den Baldachin über der Kanzel. Diesen ziert auch das Wappen des verstorbenen Grafen Philipp von und zu Lerchenfeld sowie dessen Gemahlin Marie Theres.

Pfarrer Kienberger freute sich: „Wir sind gemeinsam Kirche. So soll von hier ein Kanzelimpuls ausgehen. War die Urfigur St. Michael auf der Kanzel schwarz, so ist die aktuelle farblich gefasst. Michael ging damals gegen auf sich aufbegehrende Engel vor, stürzte sich auf die Erde.“ Pfarrer Maier spannte den Bogen von den Engeln, über die Kanzel bis zur Frage, wozu ist die Kirche da. Engel seien nicht überflüssig, auch wenn sie heute in verkitschter Form dargestellt würden. Die wahren Engel der heutigen Tage seien Hilfsorganisationen wie Feuerwehr und Rettungsdienste.

Gräfin Marie Theres: „Die 1963 im Zuge der Liturgiereform abgebaute Kanzel aus dem Jahre 1719 wurde vorausschauend von Graf Ludwig zusammen mit Altarteilen im Schloss eingelagert.“ Foto: Eder
Gräfin Marie Theres: „Die 1963 im Zuge der Liturgiereform abgebaute Kanzel aus dem Jahre 1719 wurde vorausschauend von Graf Ludwig zusammen mit Altarteilen im Schloss eingelagert.“ Foto: Eder

Die Kanzel sei heute liturgisch nicht mehr notwendig. Die Predigt erfolge auf Augenhöhe. Aber die Köferinger wollten sie wieder, wie sie es seit der Jugendzeit gewohnt waren. Franz Adam Graf Lerchenfeld ließ vor 300 Jahren das Gotteshaus in dreijähriger Bauzeit für seine Familie und die Bevölkerung errichten. Landrätin Tanja Schweiger verdeutlichte: Ziel erreicht, Aufgabe erfüllt, ein Kulturgut für die Zukunft bewahrt. Beharrlichkeit und Leidenschaft hätten dies zuwege gebracht.

Gräfin Marie Theres betonte: „Die 1963 im Zuge der Liturgiereform abgebaute Kanzel aus dem Jahre 1719 wurde vorausschauend von Graf Ludwig zusammen mit Altarteilen im Schloss eingelagert.“ Ihr verstorbener Gatte Philipp engagierte sich ab 2013 für die Instandsetzung sowie Rückführung.

Mit Zahnbürsten gereinigt

Architekt Hans Siegmüller meinte: „Ein Irrweg ging heute zu Ende.“ Für den Ort sei es heute ein Freudentag. 1569 habe die Familie von Schlick das Wasserschloss an Kaspar von Lerchenfeld verkauft. Dessen Nachfahren Ludwig, Philipp und Christopher machten sich für die Kanzelrückführung stark. „Der zähe Wille vieler Bürger machte so manches möglich.“ Bürgermeister Armin Dirschl erinnert sich. „Mit Zahnbürsten haben wir das Prachtstück, als in Egglfing ankam, vorsichtig gereinigt. Viele Widerstände gab es zu beseitigen. Alles hat viel Geld gekostet. Die Mühe hat sich gelohnt.“ Nach der Messe zogen die Teilnehmer mit der Blaskapelle Moosgrabentaler zum Schloss. Bei Speis und Trank wurde gefeiert. Bei der Kirche wurde eine Sommerlinde gepflanzt.

Armin Dirschl: „Mit Zahnbürsten haben wir das Prachtstück, als es aus dem Diözesandepot Kloster Frauenzell in Egglfing ankam vorsichtig gereinigt. Viele Widerstände gab es zu beseitigen.“ Foto: Eder
Armin Dirschl: „Mit Zahnbürsten haben wir das Prachtstück, als es aus dem Diözesandepot Kloster Frauenzell in Egglfing ankam vorsichtig gereinigt. Viele Widerstände gab es zu beseitigen.“ Foto: Eder

Die Kanzel ist aus sechs verschiedenen Hölzern gefertigt. Sie wurde mit dreierlei Goldarten – matt und glänzend – vergoldet. Auf dem Holz der Verkündigungskanzel sind seit dem Jahre 1720, dem vermutlichen Entstehungsjahr, bis zu neun Farbschichten bis zum Blattgold aufgetragen worden. Hergestellt wurde die Kanzel als Ensemble zusammen mit den barocken Altären.

Der Köferinger Schnitzer Roman Illing hat filigrane Akanthusranken nachgeschnitzt oder kleine Teile ausgebessert. Was erhalten werden konnte, wurde erhalten. Unter der Kanzel ist eine Zirbe nachgeschnitzt. Die Restaurierung der über 70 Einzelteile war für alle, die mithalfen, eine Puzzlearbeit. Es gab als Vorlage nur ein sehr altes Schwarz-Weiß-Bild in der Größe eines Ein-Cent-Stücks.

Die Kosten für die Wiederherstellung der Kanzel betragen insgesamt rund 150000 Euro. Spendenkonto: „Verwendungszweck Kanzelförderverein St. Michael Köfering“, Raiffeisenbank Oberpfalz Süd: IBAN: DE44 7506 2026 0007 4160 24; BIC:GNODEF1DST.

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