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Kultur

Keine Mehrheit für neue Bücherei

Marktrat stellt Grundsatzbeschluss über Neubau zurück. Der Bürgermeister will eine Arbeitsgruppe aller Fraktionen einsetzen.
Von Sabine Norgall, MZ

529 Unterschriften für eine moderne Gemeindebücherei übergaben Sabine Schmitt und Karin Dettenhofer von der Gemeindebücherei St. Jakobus vor der Marktratssitzung an Bürgermeister Siegfried Böhringer. Foto: Norgall
529 Unterschriften für eine moderne Gemeindebücherei übergaben Sabine Schmitt und Karin Dettenhofer von der Gemeindebücherei St. Jakobus vor der Marktratssitzung an Bürgermeister Siegfried Böhringer. Foto: Norgall

Regenstauf.Soll es in Regenstauf eine neue Bücherei geben? Über diese Frage diskutierte der Regenstaufer Marktrat in seiner Sitzung am Dienstag kontrovers wie schon lange nicht mehr. Bürgermeister Siegfried Böhringer wollte den Grundsatzbeschluss für einen Neubau. Die anderen Parteien wollten jedoch zuvor das Konzept genauer diskutieren oder brachten, wie die CSU, Alternativstandorte oder ein dezentrales Aufstocken bestehender Schul- oder Pfarrbüchereien ins Gespräch.

SPD-Fraktionssprecher Fred Wiegand betonte, dass Geld, das für Bildung investiert werde, gut angelegt sei. Er versicherte, dass man mit einem Kostendeckel im Rahmen eines Architektenwettbewerbs dafür sorge, „dass keine Schlösser gebaut werden.“ Fest stehe auf jeden Fall, so Wiegand, dass die aktuelle Gemeindebücherei, die der Markt bereits 2015 von der Pfarrei St. Jakobus übernahm, mit ihren 75 Quadratmetern viel zu klein sei. Sie könne kein Ort der Begegnung sein, sondern fungiere als Buchausgabe.

„Wenn wir uns der Aufgabe Bücherei stellen, müssen wir in anderen Bereichen die Defizite herunterschrauben.“

Josef Angerer,ödp

Josef Angerer (ÖDP) hob hervor, dass sich der Markt nach dem Kooperationsvertrag mit der Pfarrei jetzt nicht aus der Pflicht nehmen könne. Den Standort in der Bahnhofstraße im Bereich der jetzigen Anwesen Nr. 9 und Nr. 11 nannte er „ideal“. Als Vorteil sah Angerer die Tatsache, dass der Neubau zusammen mit dem Abwasserzweckverband geplant sei. Der AZV muss wegen der Platznot im Rathaus neue Räume beziehen. Über die Kosten allerdings, sagte Angerer, müsse man diskutieren. Bei Größe oder personellen Ausstattung plädierte er für das „Notwendige“ statt dem Idealzustand. Schon heute, sagte Angerer, habe Regenstauf Defizite bei eigenen Einrichtungen wie den Gaststätten oder beim Friedhof: „Wenn wir uns der Aufgabe Bücherei stellen, müssen wir in anderen Bereichen die Defizite herunterschrauben.“

Es gibt andere Aufgaben

CSU-Fraktionssprecher Bruno Schleinkofer stellte heraus, dass es durch Pfarr- oder Schulbüchereien im Markt schon jetzt flächendeckend möglich sei, Bücher auszuleihen. Zwar sei die CSU grundsätzlich für eine Verbesserung, das Konzept der Finanzplanung müsse jedoch noch erarbeitet werden. Schleinkofer: „Wir haben nicht nur die Bücherei, wir haben auch noch andere Aufgaben.“ Wer damit argumentiere, dass sich Gemeinden wie Schierling, Lappersdorf oder Teublitz eine Bücherei leisteten, müsse auch sagen, dass dort die Steuerlast der Bürger höher sei, als in Regenstauf.

Kommentar

Leuchtturm im Ortskern

Keiner ist gegen eine Bücherei. Wenn es allerdings darum geht, einen Grundsatzbeschluss für einen Neubau zu fassen, drohen die Investitionskosten wie die...

„Wir als CSU tragen diesen Schuldenberg nicht mit.“

CSU-Fraktionssprecher Bruno Schleinkofer

Schleinkofer warf die Fragen auf, ob nicht die dezentralen Büchereien mehr unterstützt werden sollten, ob eine Bücherei in der Nähe der Schule angesiedelt sein sollte oder man dafür Räumlichkeiten in der Hauptstraße anmieten könne. Argumenten, dass eine neue Bücherei auch ein wichtiger Ort für Veranstaltungen wäre, hielt Schleinkofer entgegen: „Wir haben das Mehrgenerationenhaus.“ Aktuell sei der Markt schuldenfrei. Bis 2019 sei im Finanzplan jedoch eine Neuverschuldung von knapp 13 Millionen Euro geplant: „Wir als CSU tragen diesen Schuldenberg nicht mit.“ Dieser Schuldenberg, entgegnete Bürgermeister Böhringer, entstehe durch Maßnahmen, die weitestgehend von der CSU mitbeschlossen worden seien. Böhringer stellte auch klar, dass trotz Neubau einer zentralen Bücherei für die ganze Marktgemeinde der Bestand der kleinen Schulbüchereien nicht gefährdet sei: „Es ist ein Armutszeugnis, wenn die größte Kommune im Landkreis ihren Bürgern keine Bücherei zur Verfügung stellt.“ Angesprochen auf die Kosten sagte Böhringer in Richtung CSU: „Ihr tut ja gerade so, als ob der Markt am Hungertuch nagt. Sagt doch bei den Ausgaben auch mal, welche Flächen wir angekauft haben.“

Vergleichzahlen zur Bücherei

  • Größe

    Nur 75 Quadratmeter hat die Gemeindebücherei derzeit als Fläche. Wünschenswert für eine zeitgemäße Bücherei wären 350 bis 400 Quadratmeter.

  • Medien

    8250 Medien hat die Gemeindebücherei derzeit im Bestand. Angestrebt ist ein Medienbestand bis zu 22 000 auf einer Fläche bis zu 400 Quadratmeter.

  • Baukosten

    Bis 2019 sind in den Investitionsplan 1,5 Millionen Euro eingestellt.

  • Unterhalt

    Für Personal und Bestandspflege wären jährlich Kosten zwischen 130 000 und 150 000 Euro zu erwarten. Aktuelle gibt Regenstauf jährlich pro Einwohner 2,49 Euro für die Gemeindebücherei aus.

  • Vergleich

    130 000 Euro gibt Schierling (über 7000 Einwohner) aktuelle pro Jahr für seine Bücherei aus. In Burglengenfeld sind es 115 000 Euro.

Erich Viehbacher sprach sich für die Freien Wähler zwar grundsätzlich für eine Bücherei aus, stellte aber zwei Millionen Euro mögliche Baukosten aktuell 600 treuen Lesern der Gemeindebücherei gegenüber. Die Freien Wähler, sagte Viehbacher, würden zwar einem Grundsatzbeschluss für eine Bücherei zustimmen. Die folgenden Beschlussvorlagen für einen Architektenwettbewerb oder den Auftrag an den Bürgermeister, mit dem Abwasserzweckverband zu verhandeln, beantrage er jedoch, zurückzustellen.

„Jeder sagt immer, er sei nicht gegen eine neue Bücherei, aber wenn ein Beschluss ansteht, traut sich keiner.“

Bürgermeister Böhringer

Stefan Potschaski (FDP) argumentierte ähnlich wie die CSU-Fraktion: „Wir können nicht dauernd auf Pump leben.“ Bürgermeister Böhringer warf er vor, Zustimmung zu einem unausgereiften Grundsatzbeschluss zu wollen. Seinen Antrag auf einen Grundsatzbeschluss für einen Nachtbus habe er allerdings nicht unterstützt. Nach hitziger Diskussion wurde auf Antrag von Michael Drindl (Freie Wähler ) die Abstimmung über den Grundsatzbeschluss zurückgestellt. Die Debatte im Marktrat nannte der Bürgermeister „traurig“: „Jeder sagt immer, er sei nicht gegen eine neue Bücherei, aber wenn ein Beschluss ansteht, traut sich keiner.“

Ziel: Neubau 2019

Unser Medienhaus fragte beim Bürgermeister nach, wie es jetzt in Sachen Bücherei weitergeht. Böhringer kündigte an, dazu eine Arbeitsgruppe mit je einem Vertreter aus allen Fraktionen einzurichten. Bis 2o. November, so sein Vorschlag, sollen alle Fraktionen einen Vertreter benennen. Böhringer: „Mein Ziel bleibt es, 2019 zu bauen.“

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