MyMz
Anzeige

Finanzen

Kinder dürfen Geld kosten

Regenstauf wächst weiter. Um attraktiv zu sein, investiert der Markt viele Millionen Euro. Doch auch die Schulden steigen.
Von Sabine Norgall

Die größte Investition im Regenstaufer Haushalt: Die alten Gemeindewohnungen werden durch neue ersetzt. Foto: Sabine Norgall
Die größte Investition im Regenstaufer Haushalt: Die alten Gemeindewohnungen werden durch neue ersetzt. Foto: Sabine Norgall

Regenstauf.Wenn die Finanzen auf den Tisch kommen, geht es um die Zukunft des Markts. Das betonte Bürgermeister Siegfried Böhringer in seiner Haushaltsrede. Der Regenstaufer Haushalt für 2019 hat die Rekordsumme von knapp 58 Millionen Euro. 12,6 Millionen investiert der Markt in Baumaßnahmen. Das kann er sich vor allem deshalb leisten, weil die Steuereinnahmen sprudeln, sagte Kämmerer Andreas Liegl. Um die vielen Maßnahmen umsetzen zu können, ist allerdings auch eine Rekordverschuldung von 7,9 Millionen Euro notwendig.

Regenstauf investierte bereits in der Vergangenheit viel Geld in seine Infrastruktur. Für aktuell rund 16 500 Regenstaufer mit Hauptwohnsitz ist der Markt ein attraktiver Wohnort. Damit dies weiterhin so bleibt, gibt der Markt in diesem Jahr viel Geld aus.

Die Familien profitieren

Größter Brocken im Verwaltungshaushalt sind die Personalkosten mit 10,7 Millionen Euro. Der größte Teil, über 31 Prozent, entfällt auf die Kindertagesstätten. Davon profitieren vor allem junge Familien. 2019 soll ein weiteres Angebot für Kindergarten- und Krippenkinder in Eitlbrunn hinzukommen. Man wolle, sagt der Bürgermeistern, den Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen und dazu beitragen, dass Eltern Familie und Beruf verbinden könnten.

Die Kosten für die Kinderbetreuung erreichen einen neuen Höchststand und machen den größten Anteil der Personalkosten im Markt aus. Foto: Norgall
Die Kosten für die Kinderbetreuung erreichen einen neuen Höchststand und machen den größten Anteil der Personalkosten im Markt aus. Foto: Norgall

Bei den Ausgaben im Vermögenshaushalt profitieren 2019 t die Bewohner der Sozialwohnungen mit der höchsten Summe. Für Ersatzbauten für Bestandsmieter und um neue Sozialwohnungen zu schaffen, stehen drei Millionen Euro im Haushalt. Insgesamt ist für den Wohnungsbau an der Schwandorfer Straße eine Kreditaufnahme von 5,4 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 2,5 Millionen Euro Kredit nimmt der Markt auf, um den Grund für das neue Baugebiet Grasiger Weg V zu erwerben. 60 Familien sollen sich dort ansiedeln können. Insgesamt sind im Haushalt 3,5 Millionen Euro für Grunderwerb eingeplant.

Grundschule platzt aus allen Nähten

Für den Anbau an die Grundschule soll es 2019 einen vorzeitigen Baubeginn geben. Entwurf: Architekturbüro Stürzl
Für den Anbau an die Grundschule soll es 2019 einen vorzeitigen Baubeginn geben. Entwurf: Architekturbüro Stürzl

Größter Ausgabeposten neben den Sozialwohnungen ist der Anbau an die Grundschule, die aus allen Nähten platz. Im Anbau entstehen Klassenräume und Platz für die Nachmittagsbetreuung. Insgesamt kostet der Anbau rund fünf Millionen Euro. Für einen vorzeitigen Baubeginn 2019 sind 1,5 Millionen Euro eingeplant.

Kinder

Regenstauf: 5 Millionen für Grundschule

Ab 2019 entsteht ein Anbau vor allem für die Ganztagsbetreuung. 2020 können die Schüler dort einziehen.

Der 1. Abschnitt der Umgestaltung der Ortsdurchfahrt wurde bereits 2018 abgeschlossen. Die Erneuerung will die Aufenthaltsqualität im Ortskern stärken. 2019 müssen dafür 1,35 Millionen Euro bezahlt werden. Überschwemmte Keller sollen für Bürger im Steinbachtal und in der Weihermühlstraße bald der Vergangenheit angehören. Heuer ist Baubeginn der Regenrückhaltung an Moosbach und Steinbach. (Kosten 2019: 500 000 Euro, insgesamt 2,5 Millionen). Im Ortsteil Karlstein wird die ehemalige Mülldeponie saniert, damit keine Giftstoffe austreten können. 575 000 Euro sind dafür vorgesehen.

Die wichtigsten Haushaltszahlen

  • Haushaltsvolumen:

    57, 9 Millionen Euro insgesamt

  • Verwaltungshaushalt:

    36, 37 Millionen Euro. Wichtigste Einnahmen hier: Beteiligung Einkommenssteuer: 10 Millionen Euro; Gerwerbesteuer: 5, 9 Millionen Euro; Schlüsselzuweisung: 2,66 Millionen Euro; Grundsteuer A und B: 1,995 Millionen Euro.

  • Vermögenshaushalt:

    21,53 Millionen Euro. In Baumaßnahmen werden über 12,6 Millionen Euro investiert.

  • Neuverschuldung:

    Die Kreditaufnahme beträgt 7,9 Millionen Euro.

  • Rücklagen:

    Die Rücklagen sinken von 5,1 Millionen Euro auf 2,9 Millionen Euro zum Jahresende.

Auch die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren und damit die Sicherheit der Bürger lässt man sich einiges kosten. Die Gemeinde investiert in den Neubau der Feuerwehrhäuser in Eitlbrunn und Schneitweg, beim Feuerwehrgerätehaus in Regenstauf werden die Außenanlagen erneuert. Am Geisberg und im Ortsteil Stadel erneuert der Markt die maroden Straßen.

Kredite belasten Markt nicht

Die CSU-Fraktion trug den Haushaltsentwurf einstimmig mit. Dennoch, betonte 3. Bürgermeister Josef Schindler, bleibe es ein Spagat, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten. Die Kreditaufnahme von 7,9 Millionen erscheine hoch, wirtschaftlich gesehen belaste sie den Markt aber nicht. Die 5,4 Millionen für die Sozialwohnungen würden sich trotz günstiger Mieten selbst refinanzieren. Beim Kredit für den Baulanderwerb Grasiger Weg handle es sich um einen Zwischenkredit, der beim Verkauf der Grundstücke umgehend getilgt werde.

Positiv bewertete Schindler den Architektenwettbewerb für das Areal zwischen Kirche und Rathaus. Damit, sagte er, folge der Markt nicht nur einer Anregung der Regierung, sondern auch einem Wunsch der CSU-Fraktion.

„Die Infrastruktur ist vor allem im Ortzentrum gut.“

Fred Wiegand

SPD-Fraktionssprecher Fred Wiegand bedauerte, dass sich manche Infrastruktur, etwa die Versorgung mit Ärzten, auf das Ortszentrum beschränke. Dies könne der Marktrat jedoch nicht ändern. Man könne eine Ansiedlung in den Ortsteilen allenfalls unterstützen. Wie Schindler zeigte Wiegand wenig Verständnis dafür, dass die Genehmigung des Gewerbegebietes Brennthal seit Jahren aussteht. Regenstauf wolle dort Unternehmen ansiedeln. Mehr Arbeitsplätze bedeuteten auch, dass mehr Regenstaufer am Ort ihren Arbeitsplatz hätten. Weniger Pendler bedeuteten eine Entlastung der Umwelt.

Kritik an Kreisumlage

Wiegand kritisierte die Höhe der Kreisumlage. Die Nivellierung der Hebesätze auf 310 Prozent bedeute für den Markt, wo Grund- und Gewerbesteuer deutlich niedriger lägen, jährlich einen Verlust von einer halben Million Euro: „Wir kommen nicht darum, in naher Zukunft unsere Hebesätze anzuheben. Für den Normalbürger, sagte Wiegand, macht das nur ganz wenig aus. Die meisten Betriebe können das mit der Einkommenssteuer neutral verrechnen.“

Kritische Worte fand Wiegand für die langsame Umsetzung des Höfeprogramms, das alle Haushalte an das schnelle Internet anschließen soll. Wiegand: „Ich halte das für ein Grundrecht.“ Die Schuld für die Verzögerung liege bei den Anbietern.

Personal mit Zulagen locken

Die Freien Wähler stimmten dem Haushalt zu. Kritisch beleuchtete ihr Sprecher Erich Viehbacher die künftigen Steuereinnahmen angesichts der ungewissen wirtschaftlichen Situation. Handlungsbedarf sah Viehbacher in der Aufgabe, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Wie man dem Fachkräftemangel entgegentreten kann, zeigt für ihn die Stadt Regensburg, die temporär mit übertariflichen Zulagen für bestimmte Berufsgruppen werbe.

Investition für Artenvielfalt

Josef Angerer (ödp) forderte erneut den Einsatz von deutlich mehr Mitteln zum Thema Klimaschutz. Mehrheitlich abgelehnt wurde sein Antrag abgelehnt, eine Summe von 10 000 Euro für den Erhalt der Artenvielfalt in den Haushalt aufzunehmen. Für die CSU und die SPD sicherten Josef Schindler und Fred Wiegand Angerer jedoch zu, Anträge der ödp zu diesem Thema in diesem Haushaltsjahr wohlwollend zu unterstützen.

Als einziger Marktrat lehnte Stefan Potschaski (FDP) den Haushalt ab. In wirtschaftlich prosperierenden Zeiten halte er die hohe Verschuldung und das Abschmelzen der Rücklagen für absolut verfehlt. Es würden, so Potschaski, Schulden für zahlreiche Baumaßnahmen aufgenommen, die nicht dringlich seien und auch in Zukunft realisiert werden könnten.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht