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Tradition

Kirmweiber eröffnen Fasching

Den Kirmzug in Hemau gibt seit 97 Jahren. Er hat viele Anhänger, die Ausstattung der Teilnehmer wird aber schwieriger.
Von Alfons Beil

Lustig und fidel waren die Kirmweiber bei ihrem Zug durch die Gaststätten der Tangrintelstadt Hemau  Foto: Alfons Beil
Lustig und fidel waren die Kirmweiber bei ihrem Zug durch die Gaststätten der Tangrintelstadt Hemau Foto: Alfons Beil

Hemau.Mit dem Kirmzug wurde in der Tangrintelstadt der Fasching offiziell eröffnet. Die Kirmweiber zogen von Gaststätte zu Gaststätte und verkündeten freudig, dass nun gefeiert werden kann. Dieser Brauch wird bereits seit 97 Jahren in Hemau begangen. Die Idee entstand damals spontan bei einem Stammtisch von Honoratioren. Sie wollten etwas Neues wagen und zogen am Sonntag nach Dreikönig durch die seinerzeit noch sehr zahlreichen Wirtshäuser der Stadt.

Ein Rolle dürfte bei der Entstehung der Idee der damalige Bierpreis gespielt haben, vermuten die heutigen Teilnehmer. Bier war in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg teuer und kostbar. Und die Teilnehmer an dem Kirmzug wurden damals wie heute von den Wirten mit Freibier begrüßt. Man habe auf diese Weise wohl auch einen Weg gefunden, die hohen Bierpreise zu umgehen.

Alte Kleider werden selten

Die Kirmweiber sind von Beginn an mit Frauenkleidern, wie sie in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs auf dem Tangrintel üblich waren, bekleidet. Allerdings werde es jedes Jahr schwieriger, passende Kleidungsstücke zu finden, um neue Teilnehmer auszustatten, erklärt Organisator Sepp Dietz . Ebenso schwierig ist es, eine aus Holzspänen geflochtene Kirm zu finden. Damit wurden in früheren Jahren Waren aller Art auf dem Rücken transportiert. Selbst die Reparatur einer alten Kirm schafft heute im Raum Hemau niemand mehr.

Die schönsten Bilder vom Kirmzug in Hemau

Die Menschen, die diese Technik noch beherrschten, sind mittlerweile alle gestorben. Zur Ausrüstung gehören außerdem noch ein Spazierstock und eine Schweinsblase. Trotz dieser Probleme war der größte Teil der 20 Teilnehmer noch original ausgerüstet.

Erfreulich sei, so Dietz, dass in diesem Jahr drei junge Burschen erstmals dabei gewesen seien. Das zeige, dass die Zukunft des Kirmzugs gesichert sei. Zu den Organisatoren zählten in diesem Jahr neben Sepp Dietz auch Reinhard Dinauer und Rudolf Hierl. Dazu kamen die Musiker Tobias Sturm, Konrad Rahm und Olli Freihart. Die große Trommel schlug Alexander Waldhier.

Lange Jahre gab es in Hemau vor dem Kirmzug keine Faschingsveranstaltung, keine Bälle und sonstige Unterhaltung. Zwischenzeitlich wird dies nicht mehr eingehalten – wegen Terminproblemen. In früheren Jahren sei in der Faschingszeit jeden Sonntag in den Wirtshäusern getanzt worden und viele Maschkerer hätten die Gaststätten der Reihe nach aufgesucht, erinnert sich Dietz. Heute gebe es nur mehr wenige Maschkerer, die die Bälle besuchen. "Es ist halt anders wie früher", waren sich die Kirmweiber einig. Darum wollen sie zumindest diesen Brauch möglichst lange hochhalten.

Das Wirtshaus war voll besetzt

Die 20 Kirmweiber trafen sich im Gasthaus Ferstl/Bruckmeier, um sich anzukleiden und zu schminken. Dann ging es in die Wirtsstube des Gasthauses, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Die Musiker sorgten für Stimmung und die Kirmweiber verkündeten mit den Kirmzuglied, dass der Fasching in Hemau eröffnet ist. Reinhard Dinauer trug einige Verse vor. Dann ging es weiter zur Pizzeria Sturm, zum Gasthaus Deglbauer, zum Gasthaus Schlossbräu, zum Extra Blatt und wieder zum Bruckmeier. Dort spendierte der Wirt noch eine Brotzeit zur Stärkung für den Heimweg. Alle Teilnehmer versicherten, auch im kommenden Jahr wieder mitzumachen.

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