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Kontrollen

Knöllchen-Alarm in Hemau

Fuß vom Gas heißt es ab sofort am Tangrintel – die Verkehrsüberwachung ist gestartet. Noch gibt es eine kurze Schonfrist.
Von Dietmar Krenz, MZ

Verkehrsüberwacher Matthias Wenkmann verteilt diese und nächste Woche in der Stadt Hemau noch Gelbe Karten. ab dem 29. Januar gibt es bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung „Knöllchen“. Foto: Krenz
Verkehrsüberwacher Matthias Wenkmann verteilt diese und nächste Woche in der Stadt Hemau noch Gelbe Karten. ab dem 29. Januar gibt es bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung „Knöllchen“. Foto: Krenz

Hemau.Dienstagmorgen am Hemauer Stadtplatz: Matthias Wenkmann klemmt eine Gelbe Karte hinter den Scheibenwischer eines BMW. „Warum wird der aufgeschrieben?, ihr wollt doch bloß abkassieren“, will ein vorübereilender Passant wissen. „Er hat keine Parkscheibe im Auto und wir wollen Sicherheit produzieren“, erwidert der uniformierte Verkehrsüberwacher.

An derartige Szenen müssen sich die Hemauer gewöhnen, denn seit dieser Woche überwacht der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz im Stadtzentrum die Parkmoral und die Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge. Rund drei Jahre ist es her, dass die Stadtverantwortlichen das Thema in Angriff genommen haben. Der Stadtrat wollte damals abwarten, wie sich die Situation nach der Neugestaltung entwickelt.

Vollmitglied beim Zweckverband

Im Januar vergangenen Jahres verschafften sich der Räte einen Überblick über die Aufgaben des Zweckverbands und Geschäftsstellenleiter Maximilian Köckritz informierte das Gremium. Nach wie vor sei zu schnelles Fahren die Hauptursache für die hohe Zahl an Verkehrstoten. Um mehr Sicherheit zu erreichen, seien Geschwindigkeitskontrollen unverzichtbar. Regelmäßige Überwachung verhindere Verkehrsverstöße, sagte der Experte.

Beim ruhenden Verkehr stellen Falschparker vor allem die Rettungskräfte oft vor Probleme. Feuerwehranfahrtszonen, Zufahrten, Gassen und Kreuzungen sind nach Angaben von Köckritz versperrt und verhindern so im Notfall den schnellen Einsatz der Rettungskräfte. Im Mai 2017 befürwortete der Hemauer Stadtrat schließlich mehrheitlich den Beitritt als Vollmitglied zum Zweckverband.

Gutes Miteinander im Zentrum

Den Bedarf für eine Verkehrsüberwachung begründet Bürgermeister Hans Pollinger auch mit Beschwerden von Bürgern, dass am Tangrintel zu schnell gefahren werde. Regelmäßige Tempokontrollen tragen dazu bei, die die Verkehrssicherheit zu erhöhen. „Damit sinkt das Geschwindigkeitsniveau und wo langsamer gefahren wird, ereignen sich weniger Unfälle.“

Auch soll die Parkraumüberwachung laut dem Stadtoberhaupt ein ungestörtes Miteinander aller Verkehrteilnehmer sicherstellen. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer sind im Zentrum gleichermaßen willkommen. Er sieht durch die Überwachung eine Verbesserung der Lebensqualität und den Schlusspunkt der Neugestaltung der guten Stube von Hemau.

Es wurden bewusst keine Kurzparkzonen gewählt, sondern eine Parkdauer von zwei Stunden. So können Einkäufe, Termine beim Doktor oder Gaststättenbesuche im Herzen des Tangrintel problemlos erledigt werden. Durch den Wegfall der Dauerparker soll gewährleistet werden, dass freie Stellflächen vorhanden sind. Für die in der Innenstadt Beschäftigten gibt es Parkplätze in der nahen Umgebung, sagt Pollinger.

In dieser Woche haben die Kontrolleure ihre Arbeit aufgenommen, informierte Matthias Wenkmann, Außendienstleiter beim Zweckverband. Damit die Bürger sich an die Verkehrsüberwachung gewöhnen können, gibt es für Falschparker noch bis zum 28. Januar eine Gelbe Karte, anstelle eines „Knöllchens“. Ab Montag, 29. Januar, werden Verstöße gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung belegt, bei besonders schwerwiegenden Fällen auch mit einem Bußgeld.

Aktuell hat Hemau beim Verband 12 Überwachungsstunden für den fließenden Verkehr pro Monat gebucht. Foto: Arno Burgi/dpa
Aktuell hat Hemau beim Verband 12 Überwachungsstunden für den fließenden Verkehr pro Monat gebucht. Foto: Arno Burgi/dpa

Deshalb raten Pollinger und Wenkmann allen Verkehrsteilnehmern, sich rechtzeitig eine blaue Parkscheibe zuzulegen, damit es keine böse Überraschung gibt. Erhältlich sind die Scheiben, auf denen die Ankunftszeit eingestellt werden muss, bei der Stadtverwaltung oder in der Übergangsphase bei den Verkehrsüberwachern selbst – zum Nulltarif. Wer ohne diese Parkscheibe sein Fahrzeug im Zentrum abstellt, wird künftig verwarnt.

Nach Kontrollen nimmt Moral zu

„Es geht es nicht darum, die Bürger abzuzocken. Im Vordergrund steht die Verkehrssicherheit und der erzieherische Aspekt. Wenn in Hemau langsamer gefahren und richtig geparkt wird, haben wir unser Ziel erreicht“, erläuterte Corinna Liebl, Verkehrssachbearbeiterin der Stadt Hemau, die Zielsetzungen. Die Statistik zeige, dass dort, wo besonders oft kontrolliert wird, die Verkehrsmoral deutlich zunimmt.

Wo und wie oft kontrolliert wird, dass legt die Stadt mit der örtlichen Polizei und dem Zweckverband fest. Entscheidungsgrundlage sind erkannte Gefahrensituationen oder Beschwerden von Bürgern, die um mehr Kontrolle bitten. Aktuell hat Hemau beim Verband 16 Überwachungsstunden für den ruhenden und 12 für den fließenden Verkehr pro Monat gebucht.

Jakob Schels, Leiter der Polizeiinspektion Nittendorf, bedankt sich bei der Stadt Hemau für die Übernahme der Verantwortung. Die Überwachung des ruhenden Verkehrs könne die Polizei gar nicht leisten, da es dafür zu wenig Personal gebe. Dennoch verbleiben die Meßstellen und Parküberwachung im Zuständigkeitsbereich der Polizei und Kontrollen werden auch weiterhin von den Beamten durchgeführt.

Durch die Arbeit des Zweckverbands innerorts könne sich die Polizei bei der Überwachung des fließenden Verkehrs mehr auf die Strecken außerorts konzentrieren, wo mit höherem Tempo gefahren werde und zumeist die schweren Unfälle passieren.

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Hoheitliche Aufgabe für Verband

  • Aufgabe:

    Verkehrsüberwachung im Auftrag von Städten und Gemeinden: Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Im Rahmen des Gesetzes über die kommunale Zusammenarbeit übernimmt er für seine Mitglieder die hoheitliche Aufgabe, Ordnungswidrigkeiten nach § 24 des Straßenverkehrsgesetzes zu ahnden und zu verfolgen.

  • Verband:

    Der Zweckverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wurde im November 2014 in Amberg und die angrenzenden Regierungsbezirke gegründet. Das Verbandsgebiet erstreckt sich über die gesamte Oberpfalz. Als interkommunale Behörde hat der Verband keine Gewinnerzielungsabsicht. Alle vereinnahmten Verwarnungs- und Bußgelder gehen zu 100 Prozent an die Kommunen. Das oberste Ziel ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. (wd)

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