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Literatur

Krimiautor begeisterte Schüler

Der Schriftsteller Martin Selle las in der Grund- und Mittelschule Schierling. Neben Spannung kam auch Wissensvermittlung nicht zu kurz.

Der österreichische Kinderbuchautor Martin Selle schreibt weltweit einmalige Bücher mit einem Krimi und anschließendem Sachwissen dazu und stellte Kostenproben bei der Autorenlesung in der Placidus-Heinrich-Grund-und Mittelschule vor.Foto: Wallner

SCHIERLING. In der Placidus-Heinrich-Grund- und Mittelschule herrschte Krimi-Time. Denn der österreichische Schriftsteller Martin Selle zog bei einer Autorenlesung mehr als 300 Schüler mit spannenden Grusel-Detektiv-Geschichten in den Bann. Er lieferte dazu als Besonderheit auch viel Detailwissen mit. Denn jedes Buch besteht bei Selle aus zwei Teilen, der spannenden Story einerseits und „schlauen Seiten“ am Ende – mit äußerst seltenen und ebenso hochspannenden Informationen.

Der Vorwurf „Kinder lesen heutzutage nicht mehr“ sei falsch, sagte Selle gegenüber Kinder, Lehrern und Vertretern der Gemeindebücherei zu Beginn der Lesung. Im schnellen Zeitalter, in der Marktmacht durch Werbung für den wirtschaftlichen Erfolg meist entscheidender geworden sei als das Produkt selbst, seien die Erwachsenen noch mehr aufgerufen die Kinder zum Buch zu führen – aber eben zu Büchern, die den Kinderwünschen entsprechen. „Kinder lesen weniger, weil ihnen meist jene Bücher vorgesetzt werden, die nach den Kriterien der Erwachsenen ausgesucht werden“, so der Autor. Eine Befragung unter 1500 Mädchen und Buben habe ergeben, dass die erzählten Geschichten für junge Leute spannend und lustig sein sollten, einen Gruselfaktor enthalten und nebenbei auch Neues und Interessantes vermitteln sollten. Die „Helden“ sollten ganz normale Leute sein und nicht so coole Typen, wie sie im Fernsehen gezeigt werden.

Selle habe sich deshalb nach einer Schriftstellerausbildung in den USA entschlossen, Bücher zu schreiben, die diesen Lesewünschen entsprechen. Dies sei weltweit eine Besonderheit, stellte er fest. „In meinen Büchern geht es nicht um Wunderkinder wie im Fernsehen“, so Selle. Sondern um reale Geschichten und um Antworten für die Kinder, was man selbst tut, wenn man in eine brenzlige Situation gerät. „Meine Bücher sind aufgrund eurer Lesewünsche entstanden, auch wenn das nicht immer sichtbar ist“, so der Autor zu den Kindern. Ihm gehe dabei immer um den Unterschied zwischen dem Fernsehen und der Wirklichkeit. Deshalb präsentiere er auch keine Wunderkinder wie im Fernsehen.

Das Lesen sei nach wie vor sehr wichtig, weil dadurch Bilder für die Geschichte in der Fantasie selbst gemalt werden. In seinem Buch „Dark Night“ geht es um den kleinen Ron, der in der großen Villa seiner Eltern allein zuhause ist und plötzlich draußen Geräusche hört, die einen Einbrecher vermuten lassen. In dieser Situation hingen die Kinder an den Lippen des Autors. Denn er erwies sich als fesselnder Erzähler und Erklärer zugleich. Den Schülern wurde aufgrund der Geschichte schnell die Gefahr eines unüberlegten Handelns klar, sobald man Angst hat. Deshalb hat Selle im zweiten Teil des Buches die 300 wichtigsten Sicherheitsratschläge angefügt. Auch Tipps, wie man Fallen stellt und Fallen baut, gehören dazu.

„Spezialwissen der Profis“ und die wichtigsten Polizeiratschläge, ergänzt durch die internationale Rettungssprache, sollen die jungen Leute mitnehmen. „Stell dir vor, du selbst bis auf der Theaterbühne und nicht im Zuschauerraum!“. Dazu fordert er seine Zuhörer immer wieder auf. Und die Kinder fragten nach. Was man denn tun solle bei einem Einbruch, wollten sie wissen. Ein Einbruch laufe immer anders als im Fernsehen, so Selle. Man werde eiskalt überrascht, habe höllische Angst und meistens reagiere man falsch. Jedenfalls nicht den Helden spielen und sicher bleiben. Am sichersten sei man dort, wo Menschen sind.

Die Geschichte im Buch „Das Zombie Elixier“ spielt auf Haiti in der Karibik. Es geht um normale Leute, die mit Hilfe von Rauschmitteln als Billigarbeitskräfte als Sklaven missbraucht werden. Im Anschluss an die spannende Handlung liefert Selle den Kindern sehr viel über die Karibik und über Haiti. „Auch alles über Christoph Columbus erfahrt ihr in dem Buch“, so Selle. Auch dieses Werk sei ein Krimi zum Wissen sammeln.

Parallel zum renommierten Autor stellte die Schriftstellerin Susanne Knaus eine Auswahl ihrer Werke vor. Organisiert wurde die Veranstaltung von Lehrerin Anna-Maria Künzel. Rektor Gudrun Honke freute sich über dieses Engagement, denn sie legt seit Jahren einen Schwerpunkt auf die Leseförderung und sie hält es für wichtig, dass den Kindern kulturelle Veranstaltungen geboten werden.

Der 46-jährige Österreicher Martin Selle hat bisher 66 Bücher veröffentlicht, davon eine Fülle von Geschichten unter der Überschrift „Krimi und Sachwissen“. Die erste von bisher sechs Buchserien kam mit „CodeName SAM“ auf den Markt. SAM wurde 2001 und 2002 beim Federhasenpreis prämiert, die Bücher erscheinen bereits seit 2002 auf Vietnamesisch.

Weil er bei der Autorenlesung ganz genau aufgepasst hatte und die Antwort am schnellsten wusste, gewann ein Bub eines der Bücher von Selle.

Die Autorenlesung wurde von den Elternbeiräten Schierling und Eggmühl mit zusammen 300 Euro gesponsert, hinzu kamen Zuschüsse vom Friedrich-Bödecker-Kreis in Bayern, so dass die Kinder jeweils nur 1,50 Euro bezahlen mussten. (lww)

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