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Porträt

Künstlerische Heimat in Beratzhausen

In den Werken von Matthias Schlüter dominieren dynamische Farbenspiele. Mitten im Ort sorgt der Maler für Farbtupfer.
Von Ingrid Kroboth

Matthias Schlüter zeigt eines seiner rund 300 Reise-Skizzenbücher. Fotos: Kroboth
Matthias Schlüter zeigt eines seiner rund 300 Reise-Skizzenbücher. Fotos: Kroboth

Beratzhausen.Wer das Atelier des Künstlers Matthias Schlüter am Gottfried-Kölwel-Platz betritt, wird von fröhlichem Vogelgezwitscher empfangen. Der Batterie-Piepmatz mit Bewegungsmelder signalisiert dem Maler, Zeichner und Lithographen einen Besucher. Doch bisher musste der Vogel noch nicht allzu oft tirilieren, kaum jemand überquert die Schwelle in die kleine Ausstellung mit Atelier hinter der Glaswand. Dabei zieren schon seit fast einem Jahr bunte, fröhliche Bilder die Wände in dem ehemaligen Zeitschriften- und Lotto-Geschäft, das zwischenzeitlich jahrelang leer stand, bevor es irgendwie zur Rumpelkammer verkommen war.

Inzwischen hat Schlüter sich auf rund 50 Quadratmetern seine Werkstatt eingerichtet: Stellagen voller Bilder in unterschiedlichen Größen, geräumige Arbeitstische, in einer von hohen Fenstern eingerahmten Ecke die Acrylfarben, Stifte, Leinwände, unfertigen Werke. Im vorderen Raum zeigt der Künstler seine vollendeten Arbeiten: Zum Beispiel das Oktoberfest mit durch die Luft wirbelnden Bedienungen und dynamischen Farbspielen.

An den Wänden aufgereiht stehen die Ergebnisse seiner statischen Objektkunst: Er baut Stühle, immer 1,80 Meter hoch – „ich bin auch 1,80 Meter groß“, sagt der Künstler – extrem schmal in den unterschiedlichsten Ausführungen mit dem Sitz auf Knie- oder Augenhöhe oder irgendwo dazwischen. Die Stuhlobjekte haben sich sozusagen aus Stelen entwickelt, sagt der Künstler. Und auch die hätten schon immer seiner Körpergröße entsprochen: „Vielleicht eine Hommage oder Gegenüberstellung“. Selbst der in einem der Schaufenster aufgehängte alte Schlitten entspricht den Schlüter-Maßen.

Folien versperren den Blick

Dass an den Scheiben noch immer Folien den Blick in Schlüters Arbeitsstube versperren hat einen praktischen Grund: Das Tageslicht fällt dadurch milder in den Raum. Außerdem würde der freie Blick nach draußen des Künstlers Konzentration stören. „Aber ich habe nichts zu verbergen“, sagt er. In einer dunklen Ecke des Ateliers steht bisher verwaist eine Lithographie-Presse. So hat sich das neue Reich des aus Berlin stammenden Künstlers in Beratzhausen gefüllt.

„Ich werde in meinem Leben nicht schaffen, was ich alles im Kopf habe.“

Matthias Schlüter, Maler, Zeichner, Lithograph

Zuvor hatte er sich zusammen mit einer Architekten-Gemeinschaft in der Gutweinstraße in Regensburg-Stadtamhof eingemietet. Das Haus wurde verkauft, die Mieter mussten raus und so war Schlüter auf der Suche nach einer neuen Bleibe. In dieser Situation kam der Tipp seines alten Künstlerfreundes, dem Holzbildhauer Helmut Wolf gerade recht. Er machte seinen Kollegen auf die vielen leerstehenden Geschäfte in Beratzhausen aufmerksam. Mit dem Laden am Gottfried-Kölwel-Platz war der Idealstandort gefunden. „Wieda beinand“ bezeichneten Schlüter und Wolf im Juli dann auch ihre gemeinsame Ausstellung.

Schließlich ist der Holzbildhauer mit seinem Atelier seit Jahren in dem blauen Haus an der Bischof-Weig-Straße, schräg gegenüber angesiedelt. Die Kinder der syrischen Familie über dem Schlüter-Atelier hatten am Ausstellungstag beide Domizile mit einem Zebrastreifen optisch verbunden.

Die zwei Künstler, die sich 1995 zufällig kennenlernten, hatten auch schon gemeinsam ein Atelier, damals in der Holzschnitzerstraße in Regensburg. Im Lauf der Jahre habe sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, erzählt Schlüter von gemeinsamen Aktionen und Reisen. Und Reisen ist die große Leidenschaft von Matthias Schlüter. Zusammen mit seiner Frau schaut er sich die Welt an und hält das, was er sieht mit Kreide, Stift und Aquarellfarbe in Skizzenblöcken fest. An die 300 Reisebücher hat er mittlerweile gefüllt. Einen Fotoapparat braucht der Künstler für seine Erinnerungsbilder nicht.

Ausstellung mit „Reisebildern“

Wenn er zum Tag des offenen Ateliers am Sonntag, 21. Oktober, seine Türen öffnet, wird er auch die Reisebücher zeigen. „Aber verkaufen will ich die nicht“. Eine Auswahl seiner Werke ist zurzeit im Leeren Beutel in Regensburg zu sehen und mit „Reisebildern“ ist er im St. Josef-Krankenhaus vertreten. Sozusagen als Einstieg in die Beratzhausener Kunstszene hat Kulturreferent Michael Eibl für Matthias Schlüter eine Ausstellung im Kreativraum des Zehentstadels organisiert. Mit dynamischen Bildern wird der Künstler die Ausstellungsbesucher „Über Land, zu Wasser und zur See“ geleiten.

Zur Vernissage am Freitag, 12. Oktober, 19 Uhr, wird Helmut Wolf die Laudatio halten. Dann sind die Bilder bis zum 11. November während der Öffnungszeiten der Gemeindebücherei (Montag und Donnerstag von 17 bis 20 Uhr, Freitag von 15 bis 18 Uhr) zu sehen.

Der Künstler und sein Werk

  • Leben:

    Matthias Schlüter wurde 1952 in Berlin geboren. Er studierte an der damaligen Hochschule für bildende Künste und zog danach mit seiner ersten Frau nach Ingolstadt, wo er 1992 den Kunstpreis der Stadt verliehen bekam und noch heute Malkurse gibt.

  • Werk:

    Schlüter malt in erster Linie Menschen, Landschaften, Städte, Verkehr und Technik und beschäftigt sich mit Objekten aus den unterschiedlichsten Materialien wie Kunststoff, Holz, Metall und Naturprodukten. Jetzt lebt er mit seiner zweiten Frau in Dietfurt. (lik)

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