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Soziales

Landesvater besucht die Kinder

Bayerns Staatsoberhaupt besucht das Thomas-Wiser-Haus in Regenstauf. Er scherzt mit den Mädchen und Buben und lauscht dann ihren Nöten.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • Justin hat sich für den Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer extra eine Lederhose angezogen.Fotos: Tino Lex
  • Der Geschäftsführer des Wiser-Hauses Karl Heinz Weiß schildert dem Ministerpräsidenten die Geschichte des Altbaus und den Stand der Sanierung.

Regenstauf.Jedes Kind braucht ein Haus, braucht ein Dach über dem Kopf, singen die Kinder Ministerpräsident Horst Seehofer zur Begrüßung ein Lied. Sie singen von der Chance, die jedes Kind braucht genauso wie ein Licht, das ihm im Dunkeln scheint oder einen Schutzengel, der über es wacht. Und der Ministerpräsident steht still da und lauscht. Dann geht er auf die Mädchen zu und fragt: „Was du da besungen hast, das erlebst du hier auch? Das Dach über dem Kopf, das Bett, den Schutzengel?“ Und Sarah Michelle, zehn Jahre, sagt ganz leise: „Ja.“

Sarah Michelle lebt im Thomas-Wiser-Haus, der heilpädagogischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Regenstauf. Und hier macht Bayerns Staatsoberhaupt lange Station auf seiner Tour durch den Landkreis Regensburg. Verbindungen zu dem Heim hat Seehofer schon länger. Seine Frau Karin ist Patin des Projekts Urmel, einer Notfallgruppe für Säuglinge und Kleinkinder, die im Herbst hier den Betrieb aufnehmen wird, und sammelt unermüdlich Gelder. Und auch Horst Seehofer selbst war schon aktiv für die Kinder des Heims. Er hat wie zahlreiche andere Prominente und Nichtprominente eine seiner Kindheitserinnerungen aufgeschrieben und für das Buch des Fördervereins „Als ich noch in den Kinderschuhen steckte“ zur Verfügung gestellt.

Fußball und Hausaufgaben Thema

Jetzt kam Horst Seehofer selber vorbei, reichte den Kindern die Hand und unterhielt sich mit ihnen. Humorvoll, launig, zugewandt. Von welchem Fußballverein sie Anhänger sind, wollte Seehofer wissen und fragte, ob die Hausaufgaben denn schon gemacht seien. Erzieher Michael Hagn griff die Steilvorlage auf: „Wir schreiben in die Hefte rein, dass heute der Ministerpräsident bei uns war. Wir konnten deshalb die Hausaufgaben nicht machen.“ Christopher (10) staunte angesichts der großen Eskorte des Staatsoberhaupts und meinte: „Da sind voll viele Polizisten da.“ Und darauf wiederum hatte Seehofer schnell eine Antwort: „Ja, weil du so gefährlich bist.“

Und dann ließ sich Bayerns Ministerpräsident samt einem Tross an Begleitern aus Politik, Wirtschaft und Kirche durch den Altbau des Wiser-Hauses führen, noch eine Baustelle, wo aber bald die neuen Gruppen „Urmel“ und „lilli“ einziehen sollen. Der Geschäftsführer des heilpädagogischen Heims, Karl Heinz Weiß, erzählte von der langen Geschichte des Hauses, der Sanierung, den Kosten, die durch die teils großen Zerstörungen und den schützenswerten Bestand um 1,2 Millionen Euro teurer als geplant ausgefallen seien.

Es fehlt immer noch Geld

18 Förderanträge habe er gestellt, 15 seien bewilligt worden. Und Weiß legte Seehofer auch gleich die Bewilligung eines weiteren Antrags ans Herz. Denn noch immer fehlen Gelder. Auch hier bewies Seehofer Humor: Er habe mal einen Landrat erlebt, der mehr Zuschüsse bekommen habe als er Baukosten hatte, sagte er und schob, ernst jetzt, aber gleich nach, dass er das Anliegen im Auge behalten werde. Ganz und gar ernst wurde es bei der sich anschließenden Gesprächsrunde. Denn jetzt sprach Karl Heinz Weiß über den sozialen Hintergrund des Thomas-Wiser-Hauses. Er schilderte die verschiedenen Projekte, die inzwischen entstanden seien: die Villa Kunterbunt für sexuell missbrauchte und misshandelte Kinder, das erlebnispädagogische Projekt Cinque Torre, das auf Klettertour in die Dolomiten führte, oder die Gruppe Ines für essgestörte Mädchen.

Auch über die Gründe, die zum Projekt „Urmel“, die geplante Notaufnahme-Gruppe für Säuglinge und Kleinkinder, geführt habe, sprach Weiß. Das Projekt sei bayernweit in dieser Form wohl einmalig, denn hier könnten auch Mütter aufgenommen werden. Weiß erzählte von der Not, der Gewalt, dem Missbrauch, den Kinder erleben, nannte bedrückende Zahlen wie diese: 472 Kinder unter sechs Jahren mussten in Bayern 2010 aus akuten und bedrohlichen Gefahrensituationen in Obhut genommen werden, bundesweit seien mehr als 12000 Kinder unter zwölf Jahren Opfer von sexueller Gewalt geworden.

Ministerpräsident Horst Seehofer hörte lange zu, still und versunken. Und dann hakte er nach, stellte sehr viele Fragen über das Wie, Weshalb und Warum. Er zitierte Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und versprach: „Ich tu, was ich kann für euch. Das ist abgespeichert auf meiner Festplatte.“

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