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Wirtschaft

Leerstände im Ort: Bürger schlagen Alarm

Immer mehr Geschäfte und Läden in Beratzhausen machen dicht. Ein Supermarkt könnte Abhilfe schaffen, sind sich alle einig.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Nicht nur die Geschäftsleute in der Beratzhausener Marktstraße sind beunruhigt. Wenn nicht schnell etwas passiert, gibt es bald gar keine Geschäfte mehr, sagen viele Bürger. Foto: Krenz
  • „In Beratzhausen ist fast nichts mehr zu bekommen“, sagt dieser Kunde. Foto: Krenz

Beratzhausen.Überall müssen kleine, inhabergeführte Läden in den Ortschaften und Gemeinden im Landkreis Regensburg schließen. Die Gründe sind bekannt: wachsende Konkurrenz aus dem Onlinehandel, große Filialketten, teure Mieten und zu wenig Laufkundschaft. In vielen Orten finden sich kaum noch Lebensmittelläden, Schuh- oder Bekleidungsgeschäfte, Bäcker oder Metzger und andere Kaufhäuser. Die großen Discounter verdrängen immer mehr die lokalen Unternehmen. So auch in Beratzhausen. In der MZ-Serie „Eine Stunde in ...“ hat sich Reporter Dietmar Krenz auf Tour gemacht und bei Bürgern und Geschäftsleuten nachgefragt.

Ein ganz normaler Vormittag in der Marktstraße im Zentrum von Beratzhausen. Es bietet sich ein trauriges Bild: Mit weißen Laken zugehängte Schaufenster wechseln ab mit geöffneten Ladentüren und viele „Zu vermieten“-Schilder zeugen davon, wohin der Weg geht. Zwar parken im Herzen der 5500 Einwohner zählenden Marktgemeinde auf beiden Seiten der Einkaufsstraße eine Menge Autos, in den wenigen noch verbliebenen Geschäften ist davon aber wenig zu spüren

Ohne Auto keine Versorgung

Friseurmeisterin Stilla Dechant betrachte die Entwicklung mit Sorge. Foto: Krenz
Friseurmeisterin Stilla Dechant betrachte die Entwicklung mit Sorge. Foto: Krenz

„Es ist wirklich verheerend“, erzählt Helga Dietz, die gerade in der Marktstraße kleine Einkäufe erledigt. „Es rührt sich einfach nichts mehr in Beratzhausen.“ Eine Geschäft nach dem anderen macht dicht und so bleibt einem nichts anders übrig, als nach Hemau oder Parsberg auszuweichen. Wer keinen fahrbaren Untersatz zur Verfügung hat, bleibt auf der Strecke.

Ob es wieder besser wird? Die Beratzhausenerin schüttelt energisch den Kopf. Solange sich die Gemeinderäte nicht einig sind, geht ihrer Meinung nach gar nichts. Und da in Beratzhausen ständig gestritten werde, passiert wenig. Ein großer Pluspunkt für den Ort ist laut Dietz die direkte Bahnanbindung, aus der aber viel zu wenig Kapital geschlagen wird.

In vielen Orten finden sich kaum noch Lebensmittelläden, Schuh- oder Bekleidungsgeschäfte, Bäcker oder Metzger und andere Kaufhäuser:

In Beratzhausen gibt es seit Jahren nur noch einen Supermarkt am Ortsrand - das nervt die Anwohner. Video: Dietmar Krenz/Schnitt: Simone Grebler

Ins gleiche Horn stößt Martina Z. Die Seniorin liefert gerade ihren Lottoschein im Schreibwarengeschäft Rautner ab. „Bei uns geht alles abwärts“, sagt sie auf Nachfrage – „da können sie fragen, wen sie wollen. Aber schreiben sie bitteschön meinen Namen nicht in die Zeitung“, fügt sie an.

Allein auf die schöne Landschaft zu setzen, ist ihr zu wenig. Schließlich haben die älteren Menschen ohne fahrbaren Untersatz kaum noch Möglichkeiten, ihre täglichen Einkäufe zu erledigen. Der einzige Lebensmittel-Discounter am Eingang des Orts komme wegen der großen Nachfrage kaum mehr mit, Ware zu bestellen.

Christa Pöllinger (li.) sieht die Hauptkonkurrenz im Onlinehandel. Foto: Krenz
Christa Pöllinger (li.) sieht die Hauptkonkurrenz im Onlinehandel. Foto: Krenz

Besonders bedauert die Seniorin die Schließung des Kaufhauses Fechter. „Wo bekomme ich jetzt in Beratzhausen einen Schlüpfer her?“, fragt sie besorgt. So wie ihr geht es vielen, die sich jahrelang die Dinge des täglichen Gebrauchs im Familienbetrieb von Irmtraud und Ludwig Scheuerer besorgten. Das Ende der Ära Fechter ist tragisch: Immerhin versorgten schon die Großeltern mit ihrem Kramerladen die Gemeinde mit Waren – und das seit den 1920er-Jahren.

Ans Aufgeben denkt der engagierte Geschäftsmann Heinrich Rautner dagegen nicht. Mit seinem Schreibwaren- und Geschenkeladen samt Postfiliale hält er nun seit 15 Jahren die Fahne der Geschäftswelt hoch. Der 61-Jährige engagiert sich auch als Vorsitzender bei der Werbeinitiative (WIB) Beratzhausen. Der Gewerbeverband verfügt zwar über mehr als 50 Mitglieder, die große Mehrheit aber sind die Handwerksbetriebe.

Die Werbeinitiative

  • Gewerbe:

    Die Werbeinitiative (WIB) Beratzhausen ist ein Zusammenschluss der Gewerbetreibenden im Markt.

  • Mitglieder:

    53

  • Ziele:

    Zweck des Vereins ist es, aktiv die Selbständigen und Gewerbetreibenden zu fördern und als Organisation der Gemeinde Beratzhausen für alle Veranstaltungen und Projekte als Ansprechpartner zu dienen, dabei die Interessen der Mitglieder zu vertreten und das Wohl der Allgemeinheit zu fördern.

  • Gründung:

    Nach der Abwendung vom Deutschen Gewerbeverband erfolgte am 10. Dezember 1998 die Gründung der heutigen Werbeinitiative Beratzhausen mit 21 Gründungsmitgliedern.

  • Führungsmannschaft:

    Vorsitzender ist Heinrich Rautner, sein Stellvertreter ist Werner Schneider. (mz/wd)

Entwicklung ist kaum aufzuhalten

WIB-Vorsitzender Heinrich Rautner hält nach wie vor die Stellung. Foto: Krenz
WIB-Vorsitzender Heinrich Rautner hält nach wie vor die Stellung. Foto: Krenz

In seinem Reich in der Marktstraße 8 scheint die Welt noch in Ordnung zu sein – zumindest an diesem Werktag. Während die einen sich ihre Mittelbayerische Zeitung holen, blättern andere in neuen Magazinen, liefern ihre Lottoscheine ab oder besorgen kleine Präsente. „Und man kennt sich und schätzt sich“, sagt Rautner. Die Lage schätzt er zwar als nicht optimal ein, die allgemeine Entwicklung könne man aber nicht aufhalten.

Das schrumpfende Ladennetz ist nur eine der Herausforderungen, vor denen der ländliche Raum stehe. Durch den Wegfall des Edekamarkts im Zentrum vor wenigen Jahren und die Schließung des Kaufhauses Fechter sei eine Wahnsinnskraft verloren gegangen. Massiv dazu beigetragen hat laut Rautners Ansicht auch der boomende Onlinehandel. „Das Internet macht viele Läden kaputt.“

„Alle jammern, aber nur wenige unternehmen etwas dagegen.“

Stilla Dechant

Besserung ist laut dem WIB-Vorsitzenden erst wieder in Sicht, wenn sich ein neuer Supermarkt im Marktzentrum ansiedelt. Dem 61-Jährigen ist es dabei völlig egal, welches Firmenlogo dann über der Eingangstüre hängt. „Hauptsache es kommt ein Discounter ins Zentrum und das möglichst bald.“ Der Marktrat müsse schnell in die Gänge kommen. Zudem sollten Gewerbeflächen angeboten werden, denn als reines Erholungs- und Wohngebiet wird Beratzhausen bald von den Konkurrenzgemeinden abgehängt.

Weitere Geschäfte wollen schließen

„Seit Jahren geht es abwärts und in Beratzhausen ist fast nichts mehr zu bekommen“, ergänzt ein Kunde, der seinem Namen nicht veröffentlicht haben will. „Jetzt wollen schon wieder zwei Friseurgeschäfte aufhören“, weiß er zu erzählen. Die Ursache steht für ihn fest: „Bei uns wird alles abgelehnt.“ Der große Vorteil mit der guten Anbindung an die Bahn sei in den letzten Jahren leichtsinnig verspielt worden.

Wenige Häuser weiter schneidet Friseurmeisterin Stilla Dechant die Haare. Seit sie im Jahr 2002 den Salon eröffnet hat, sind einige Geschäfte weggebrochen. Auch die 37-Jährige betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. „Alle jammern, aber nur wenige unternehmen etwas dagegen.“ Auch sie ist der Ansicht, dass ein Discounter im Ortskern helfen könnte, die schwierige Lage zu verbessern. Zumal man mit ausreichend Parkplätzen und persönlicher Beratung punkten könne.

„Ein Supermarkt fehlt“, ist Christa Döllinger sicher. Seit 17 Jahren gibt es ihr Schuhhaus am Johann-Ehrl-Platz. „Hemau boomt und Beratzhausen verliert“, bringt sie es auf den Punkt. Sie muss es wissen, denn mit ihren Angestellten betreibt sie weitere vier Filialen in Dietfurt, Nittendorf, Burglengenfeld und Hemau. Auch bei den Schuhen sieht sie die Hauptkonkurrenz im Internet. „Die Leute werden bequemer und bestellen von Zuhause aus. Davon ist jede Sparte betroffen“, sagt die Geschäftsfrau.

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