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Lieber Sparfuchs als ein glatter Aal

Zum Abschied erklärte der ehemalige Landrat Herbert Mirbeth, warum seine Arbeit bei einem „Nein“ erst richtig anfing und warum er Pragmatismus mag.
Von Angelika Lukesch, MZ

Der ehemalige Landrat Herbert Mirbeth im Regensburger Landratsamt, wo er seit 2002 die Geschicke des Landkreises leitete. Foto: Lukesch

Regensburg.Als Herbert Mirbeth 2002 das Amt des Landrats im Landkreis Regensburg übernahm, wurden diejenigen, die heuer erstmals zur Wahl gehen durften, gerade eingeschult. Herbert Mirbeth hat in diesen zwölf Jahren viel erlebt und viel bewegt. Als er das Ruder des Landkreises nach Landrat Rupert Schmid übernahm, hatte er schon Erfahrungen auf der Bühne der Politik, der Verwaltung und des Lebens gemacht.

Von Beruf Verwaltungsfachmann und vor seiner politischen Karriere im Landratsamt tätig, hatte er die Funktion eines Kreisrats, des Bürgermeisters von Hemau und des Landtagsabgeordneten erfüllt, als er sich, wie er im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung erklärt, wieder der Basis, nämlich dem Landkreis Regensburg zuwandte. Die Erfahrungen, die er zu dieser Zeit gesammelt hatte, kamen ihm als Landrat zugute. „Vor allem die Arbeit im Landtag war für mich sehr wertvoll. Ich lernte in München, wie ein Ministerium tickt und wie politische Prozesse entstehen. Damit lernte ich, wo man ansetzen muss, wenn man etwas erreichen will“, sagt Mirbeth.

Geht nicht gibt’s nicht

„Wenn ich auf meine Amtszeit zurückblicke, dann bin ich zufrieden. Ich bin auch dankbar, dass ich diese Aufgabe wahrnehmen durfte. Es hat mein Leben bereichert, dass ich Gestalter sein durfte. Ich hoffe, dass ich vieles von dem, was die Landkreisbürger von mir erwartet haben, erfüllt habe. Ich war immer der Meinung, dass bei einem ,Nein, das geht nicht’ die eigentliche Arbeit erst beginnt. Ich suche pragmatische Lösungen“, erklärt Mirbeth.

Mirbeths Pragmatismus findet sich auch in seinem Streben nach preiswerten Lösungen wieder. „Am meisten hat es mich immer gefreut, wenn man kostengünstig etwas machen konnte, wie zum Beispiel den Umbau des ehemaligen Landwirtschaftsamtes am Weinweg zu einem Erweiterungsbau des Albertus Magnus Gymnasiums oder eines alten Gebäudes in Hemau in ein Sonderpädagogisches Förderzentrum.“

Als Kind der Nachkriegsgeneration (Jahrgang 1948) liege ihm der sorgsame Umgang mit Geld im Blut. Es gehe nicht an, dass manche kommunalen Amtsinhaber wegen erhoffter Zuschüsse wesentlich mehr Geld ausgäben, als eigentlich nötig sei, um einen Zweck zu erfüllen, kritisiert Mirbeth.

Um sein Amt als Landrat gut ausüben zu können, habe es auch Mut bedurft, stellt Mirbeth rückblickend fest. „Wir Kommunalpolitiker sind gewählt, um das Allgemeininteresse zu schützen. Dabei müssen manchmal auch Einzelinteressen hinten anstehen. Das durchzusetzen, erfordert Mut.“ Mindestens ebenso wichtig war es Mirbeth, als ein Mann zu agieren, der sein Wort hält, wenn eine Vereinbarung getroffen wurde. „Das Bild des aalglatten Politikers ist nicht mein Vorbild“, stellt Mirbeth fest.

Die Saat weiter pflegen

Mirbeth sah sich immer als jemand, der das bewahrt, was sie ihm von den Vorgängern anvertraut wurde und das weiterführt, wozu in der Vergangenheit die Saat gelegt wurde. Landrat Leonhard Deininger (Landrat von 1948 bis 1978) habe, berichtet Mirbeth, den Landkreis nach dem Krieg wieder aufgebaut, Landrat Rupert Schmid (1978 bis 2002) habe die Grundlagen für ein geordnetes Zusammenleben geschaffen, er selbst habe den Landkreis in die Zukunft geführt.

Wenige Stunden vor der Amtsübergabe an Tanja Schweiger wollte Mirbeth auch mit einem Irrtum aufräumen, der sich schon lange hält: Es ging dabei um die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis Regensburg, respektive zwischen Landrat Mirbeth und Oberbürgermeister Hans Schaidinger. „Hans Schaidinger und ich können gut miteinander“, stellt Mirbeth ein für alle Mal klar.

Auch wenn man sich beim Thema Kneitinger Brücke nicht habe zusammenraufen können, habe man prägende Entscheidungen gemeinsam gefällt. Mirbeth nennt zwei wichtige Pfeiler in der Zusammenarbeit: das Verkehrsgutachten für den Großraum Regensburg sei im November 2002 von Mirbeth und Schaidinger auf gemeinsam auf den Weg gebracht worden ebenso wie 2005 die Vereinbarung zur Fortentwicklung der gemeinsamen Schullandschaft im Raum Regensburg von Bürgermeister Gerhard Weber und dem Landrat. „Wir haben 95 Prozent Übereinstimmung mit der Stadt gehabt“, sagt Mirbeth.

Mirbeth und Aumers Kandidatur

Dass er bei der Landratswahl nach dem ersten Wahlgang wegen seiner Kritik an Aumers Wahlkampf so harsch kritisiert worden sei, macht Mirbeth nachdenklich. Tatsache jedoch sei, dass er bereits 15 Monate vor der Wahl und vor der Aufstellung Aumers als Landratskandidat, in einem mehrseitigen Brief an Aumer von dessen Kandidatur abgeraten habe. „Natürlich bin ich traurig über das Ergebnis, aber ich habe genau das kommen sehen. Und ich habe Peter Aumer davor gewarnt zu kandidieren. Meine Warnungen wurden nicht berücksichtigt.“

Was er in der Zukunft machen will? Politisch werde er nicht mehr tätig sein, sagt Mirbeth. Er denkt an Spazierfahrten mit seiner Vespa und an den Ammersee. Und vielleicht, lächelt Mirbeth, wird auch wieder journalistisch arbeiten.

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