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Baumaßnahme

Mattings alter Bahnhof ist Geschichte

Bagger haben das Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Der Abriss und die Errichtung eines Biotops kosten 600 000 Euro.
Von Josef Eder, MZ

  • Der Bagger reißt den alten Bahnhof ab und macht Platz auf diese Weise für bedrohte Tierarten. Foto: Eder
  • Das Haus kurz vor dem AbrissDer AbbruchFotos: Eder

Matting.Der markante Bahnhof mit seinem Nebengebäude am Donauufer gegenüber von Matting zu Füßen des Schwarzen Felsens ist verschwunden. Es wurde in den vergangenen Tagen abgebrochen. Im Jahr 1935 stand dort ein einfaches Holzhaus. Erst später entstand das Gebäude. Dort wo es bis vor kurzem stand, zeugt nur noch der Bahnsteig von einem Haltepunkt. Auf dem von bewaldeten Steilhängen und Felsen umgebenen Gelände wird ein Biotop angelegt.

Aufgelassen als Haltepunkt wurde Matting mit dem Sommerfahrplan 1991. Bei 37 Zughalten gab es aber lediglich vier aussteigende Reisende. Kein Zustieg (Zählung 1990). Die heutigen Agilis-Nahverkehrszüge halten deswegen lediglich in Gundelshausen und Sinzing.

Erinnerungen an die Wirtschaft

So manche ältere Mattinger erinnern sich gerne an die Bahnhofwirtschaft. Sie sind extra halbe Stunde früher mit dem Foarm, wie die Gierseilfähre von den Einheimischen bezeichnet wird, übergesetzt. Der Vater trank noch eine halbe Bier bevor der rote Schienenbus kam. Bei der Rückkehr aus Regensburg kaufte sich der Mann erneut ein Bier. Frauen und die Kinder sind gleich übergesetzt.

Der damalige Bezirksvorsitzende Sepp Eichner vom BSW-Bezirk Regensburg rettete das Bahnhofsgebäude in den 80er-Jahren vor der Spitzhacke und baute es zum Wanderheim des Bundesbahnsozialwerkes aus: Zum Friedl-Schlichtinger-Heim, es trug den Namen der Schwester des ehemaligen Regensburger Oberbürgermeisters. 1994 waren die letzten Gäste im Haus. Dann wurde es aufgelassen, als der Pentlinger Gemeinderat den einzigen Zufahrtsweg wegen Felssturzgefahr sperrte. Es verwahrloste. Fensterscheiben waren eingeschlagen. Müll und Unrat lagerten in den Räumen. Es scheint so, dass es manchmal als Unterschlupf benutzt wurde.

Um das Gebäude zu wegreißen zu können, musste eine Baustraße angelegt werden. Nach Bauende wird die direkt neben dem Schienenstrang verlaufende Straße wieder verschwinden. Der frühere Zufahrtsweg konnte für dieses Vorhaben nur noch eingeschränkt genutzt werden.

In Teilen der Trasse steht seit zwei Jahren ein großes Gitternetz, als Gleisschutz vor Steinschlägen. Der Weg diente zu Dampflokzeiten als Feuergraben um die Waldbrandgefahr durch Funkenflug zuverhindern. Später wurde die eingleisige Strecke elektrifiziert. Auf Gleisen der Hauptstrecke nach Ingolstadt rauschen täglich rund 80 Güter- und Nahverkehrszüge vorbei.

Lebensraum für Tiere

Seit 141 Jahren gibt es die Bahnstrecke von Regensburg durch das Donautal. 1871 bis 1874 wurde die Bahnstrecke von gebaut. 80 Italiener arbeiteten mit (Aufzeichnung Dr. Schinkammer Pfarrer von Sinzing). 15. August 1874 hat wurde die Staatsbahnlinie in Betrieb genommen. Die Donautalbahn übernahm die Rolle der früheren Schifffahrt auf der Donau. Aus der Bauzeit, so steht es in der Mattinger Chronik, die Margit und Hartmut Hinz anlässlich der 1100 Jahrfeiern des Fischer- und Winzerdorfes (2001) erstellten, ist zu lesen, dass noch Relikte aus der Bauzeit vorhanden sind.

Kurz vor Weihnachten wird der dritte Bauabschnitt zur Sicherung der Felsen abgeschlossen sein, ebenso die Wiederherstellung von neuem Lebensraum für rare und gefährdete Tierarten (MZ berichtete). Die Gesamtbausumme dieses Abschnittes wurde mit 600 000 Euro beziffert.

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