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Hobby

Mit 84 Meter Draht um die Welt

„U29“: Das ist der ungewöhnlichste Verein Regenstaufs. Die Funkamateure brauchen kein Internet – werden aber überall gehört.
Von Fritz Winter

Johannes Seitz ist der Vorsitzende der Funkamateure in Regenstauf. Er interessiert sich sehr für die Kommunikation über Satelliten. Beruflich lehrt er als Professor am Uniklinikum und leitet die Radiologie am Krankenhaus St. Josef. Foto: Fritz Winter
Johannes Seitz ist der Vorsitzende der Funkamateure in Regenstauf. Er interessiert sich sehr für die Kommunikation über Satelliten. Beruflich lehrt er als Professor am Uniklinikum und leitet die Radiologie am Krankenhaus St. Josef. Foto: Fritz Winter

Regenstauf.„U29“? Hans-Raimund Deppe lacht. „Nein, wir sind kein Unterseeboot“, sagt der Doktor der Physik im Ruhestand. „U29“ ist die Bezeichnung des Ortsverbandes Regenstauf im Deutschen Amateur Radio Club (DARC). Heuer wird das 30-jährige Bestehen gefeiert. Höhepunkt ist ein zweitägiger „Fieldday“ auf dem Schlossberg, dessen 1891 errichteter Aussichtsturm am Wochenende zum Funkturm wurde.

Dennoch: Ein bisschen wie in einem Unterseeboot hört es sich bei Hans-Raimund Deppe (Rufzeichen: DJ8UL) doch an. Da-dit-dit, dit-da-da-da, kommt aus dem Lautsprecher. Deppe ist ein großer Morse-Fan und hat gerade auf Kurzwelle Kontakt mit RM1I aus Tomsk in Sibirien, rund 5000 Kilometer von Regenstauf entfernt. Hinter dem Rufzeichen, das weltweit pro Funkamateur nur einmal vergeben wird, steckt Oleg, der seinem deutschen Kollegen einen Empfangsbericht gibt, ihm Details zu seiner Funkanlage berichtet und Hans Deppe erzählt, dass es mit 21 Grad in Tomsk doch sehr warm sei. „Wir pflegen die Völkerfreundschaft und unser technisches Hobby“, sagt der Physiker. „Themen wie Politik oder Religion haben im Amateurfunk nichts zu suchen“.

Das Morsen ist ausgestorben

Etwa 2,5 Millionen lizenzierte Funkamateure gibt es weltweit noch, rund 35 000 davon in Deutschland. Foto. Fritz Winter
Etwa 2,5 Millionen lizenzierte Funkamateure gibt es weltweit noch, rund 35 000 davon in Deutschland. Foto. Fritz Winter

Deppes Vater war Funker im 2. Weltkrieg. Von ihm erbte er die Begeisterung für das Morsen. Diese Kommunikationstechnik, die früher insbesondere in der See- und Luftfahrt, beim Militär und bei allen Geheimdiensten dieser Welt unverzichtbar war, ist im Zeitalter von Internet und Satellitenhandys ausgestorben. 2014 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erhoben, wird sie nur noch von Funkamateuren wie Deppe gepflegt. Rund 30 000 Verbindungen hat der frühere Standortleiter eines weltweit führenden Chipherstellers in Dresden seit seiner Amateurfunkprüfung im Jahre 1963 im Logbuch.

32 Mitglieder zählt der Ortsverband Regenstauf, der im November 1989 aus dem benachbarten Ortsverband Regensburg heraus entstand. Die Zahl der Mitglieder aus Regenstauf und Umgebung war so angestiegen, dass man sich entschloss, den eigenen Ortsverband U29 zu gründen. Das U steht dabei für den Amateurfunkdistrikt Ostbayern gefolgt von einer Ordnungszahl. Funkamateure lieben es eben mathematisch gründlich.

Regenstauf ruft Es’hailSat-2

Amateurfunk dient nicht der „Quatscherei“, sondern zur Ausbildung und für den Funkverkehr der Funkamateure. Foto: Fritz Winter
Amateurfunk dient nicht der „Quatscherei“, sondern zur Ausbildung und für den Funkverkehr der Funkamateure. Foto: Fritz Winter

„Wir sind ein zahlenmäßig kleiner, aber sehr aktiver Ortsverband“, sagt Johannes Seitz (DL5RDI), der gerade einen Parabolspiegel gen Himmel richtet. Der Vorsitzende von U29 lehrt im richtigen Leben als Professor am Universitätsklinikum Regensburg und ist Leiter der Radiologie im Regensburger Krankenhaus St. Josef. Schon als Elfjähriger war er vom damaligen CB-Funk begeistert, lizenzierter Funkamateur ist er seit 1987.

Jetzt ist der Parabolspiegel exakt ausgerichtet und Regenstauf ruft Es’hailSat-2. Das ist ein Fernsehsatellit, den der arabische Staat Katar ins All geschossen hat. Er trägt aber auch ein Amateurfunkmodul mit sich. „Er ist damit der erste Amateurfunksatellit in einem geostationären Orbit“, erklärt Seitz, dem auch gleich eine Verbindung vom Schlossberg aus zu ZS5EE gelingt – einem Funkamateur aus Johannesburg in Südafrika. „Regenstauf und der Schlossberg werden an diesem Wochenende weltberühmt“, freuen sich die Funkamateure.

Wer Funkamateur werden will, muss eine durchaus anspruchsvolle Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen. Foto: Fritz Winter
Wer Funkamateur werden will, muss eine durchaus anspruchsvolle Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen. Foto: Fritz Winter

Zwei Tage lang war der Schlossberg ein Hotspot für Technik-Freaks. Lizenzierte Funkamateure haben per Gesetz die Erlaubnis, Sende- und Empfangsanlagen selbst zu bauen. Der Diplom-Ingenieur und Elektronik-Fachjournalist Siegfried Best (DF5SBA) aus Lappersdorf etwa zeigte einen selbstgebauten Fuchskreis zur Abstimmung einer Langdrahtantenne, der Diesenbacher Fernmeldetechniker Reinhard Wolf (DG1RAW) holte Wetterkarten von russischen und amerikanischen Wettersatelliten direkt auf seinen Bildschirm.

Die 84 Meter lange Antenne mit der Spitze am Aussichtsturm sorgte für Verbindungen in die ganze Welt. Die Lizenzprüfung für Funkamateure sei anspruchsvoll aber machbar, sagt Johannes Seitz. Wer sich für das spannende Hobby interessiert: Der Ortsverband U13 Regensburg veranstaltet ab September aktuell wieder einen Lizenzkurs.

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