MyMz
Anzeige

Bildung

Mit dem Auge des Widerstands

NS-Gegner Carl Friedrich Goerdeler war Thema in der Realschule Regenstauf. Sein Sohn versetzte sich in dessen Perspektive.
Von Sieglinde Geipel

Er hatte viel zu sagen und mitzugeben: Berthold Goerdeler im Gespräch mit Schülern  Foto: Sieglinde Geipel
Er hatte viel zu sagen und mitzugeben: Berthold Goerdeler im Gespräch mit Schülern Foto: Sieglinde Geipel

Regenstauf.Vor 14 Jahren hat die Realschule Regenstauf ihren heutigen Namen „Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule“ bekommen. Seitdem finden immer wieder verschiedene Veranstaltungen oder Aktionen rund um das Leben des Namensgebers und seiner Zeit statt. Am Donnerstag dieser Woche besuchte Berthold Goerdeler die Realschule, um den Schülern der 10. Klassen etwas über seinen Großvater Carl Friedrich Goerdeler zu erzählen. Konrektorin Luitgard Gregori-Erl betonte die besondere Verpflichtung der Realschule, die den Namen eines örtlichen Widerstandkämpfers trägt, sich klar gegen Rechts und gegen Antisemitismus zu stellen. Deshalb freue sie sich sehr, Berthold Goerdeler an der Realschule begrüßen zu können.

Noch 1945 hingerichtet

Anika Weber und Judith Schindler, 5. Klasse: Wir haben einen Film über den Namensgeber unserer Schule gesehen. Er war im Krieg ein Widerstandskämpfer. Er war mutig und hat sich für andere eingesetzt. Auch sie können ein Max sein und sich für andere einsetzen, z.B. wenn jemand gemobbt wird.
Anika Weber und Judith Schindler, 5. Klasse: Wir haben einen Film über den Namensgeber unserer Schule gesehen. Er war im Krieg ein Widerstandskämpfer. Er war mutig und hat sich für andere eingesetzt. Auch sie können ein Max sein und sich für andere einsetzen, z.B. wenn jemand gemobbt wird.

Nach einem Film erfuhren die Schüler verschiedene Eckdaten aus dem Leben des Großvaters vor der Zeit der NSDAP. Er habe auf seinem Lebensweg immer wieder Courage gezeigt und sich den Anordnungen des NS-Regimes widersetzt, indem er sich beispielsweise als Oberbürgermeister von Leipzig weigerte, Geld für den Bau von Konzentrationslagern zu zahlen oder die NSDAP-Flagge öffentlich aufzuhängen. Nach dem 30. Januar 1933 zählte er auch zu den wenigen Oberbürgermeistern, die ohne NSDAP-Mitgliedschaft im Amt blieben. In der Netzwerkarbeit lag eine der Hauptleistungen Goerdelers für den deutschen Widerstand. Doch der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 misslang. Goerdeler wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 1. März 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Rebecca Müller, 10. Klasse: Wir beschäftigen uns oft mit Fragen rund um das Thema „Widerstand im Dritten Reich“. Ich finde das sehr wichtig, insbesondere wenn man die aktuellen Geschehnisse betrachtet. Jeder Vortrag, bringt für mich einen neuen Blickwinkel zum Thema.
Rebecca Müller, 10. Klasse: Wir beschäftigen uns oft mit Fragen rund um das Thema „Widerstand im Dritten Reich“. Ich finde das sehr wichtig, insbesondere wenn man die aktuellen Geschehnisse betrachtet. Jeder Vortrag, bringt für mich einen neuen Blickwinkel zum Thema.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schüler Fragen: „Halten sie eine Diktatur in Deutschland noch mal für möglich?“ Grundsätzlich sei dies in jedem Land möglich, antwortete Berthold Goerdeler. Doch er sei optimistisch, dass die Erfahrungen aus dieser finsteren Zeit tief genug in den Menschen sitze. Ein anderer Schüler wollte wissen, was sein Großvater wohl sagen würde, wenn er die heutige Welt sehen würde. Goerdeler: Er würde über die UN-Charta der Menschenrechte glücklich sein, aber auf der anderen Seite würde es ihn bedrücken, dass es immer noch Diktaturen gibt. Auf die Frage, wofür sich sein Großvater heute in der Politik einsetzen würde, nannte Berthold Goerdeler Menschenrechte, Freizügigkeit, Rechtmäßigkeit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Wir können unseren Schülern die geschichtlichen Daten vermitteln, doch das ist für das Verständnis der Geschehnisse aus dem Dritten Reich zu wenig, sagte Gregori-Erl. Man brauche die Unterstützung durch Menschen, die an die Schule kommen und authentisch aus ihrem Leben unter der Nazi-Herrschaft erzählen. Die Schüler spürten dabei, mit welchem Herzblut die Vortragenden berichten und wie wichtig es ihnen ist, ihre Erlebnisse an die heutige Generation weiterzugeben. Lohn dafür waren das Interesse der Schüler und ein kleiner Präsentkorb.

Mutig für seine Werte einstehen

Madeleine Richter: In der Schule beschäftigen wir uns in Geschichte mit den Fakten, den Eckdaten. Das sind blanke Zahlen, die nicht viel aussagen. Zeitzeugen erzählen von ihren Erfahrungen, von dem, was ihnen persönlich geschehen ist. Das ist wichtig für mich, um diese Zeit mit all ihren Schrecken zu verstehen.
Madeleine Richter: In der Schule beschäftigen wir uns in Geschichte mit den Fakten, den Eckdaten. Das sind blanke Zahlen, die nicht viel aussagen. Zeitzeugen erzählen von ihren Erfahrungen, von dem, was ihnen persönlich geschehen ist. Das ist wichtig für mich, um diese Zeit mit all ihren Schrecken zu verstehen.

Wichtig sei, dass die Schüler mit Beginn ihrer Schullaufbahn das Leben des Namensgebers kennenlernen und die Lehrer ihnen vermitteln können, was es heißt, mutig zu sein, für seine Werte einzustehen und sich für andere zu engagieren. „Es freut mich immer wieder, wenn ich sehe, wie unsere Arbeit anerkannt und unterstützt wird“, so Gregori-Erl. Hier nannte sie an erster Stelle Ferdinand Graf von Drechsel, der Neffe von Max Ulrich Graf von Drechsel. Aber sie freue sich auch über die Anerkennung und Lob von Elternseite. „Höhepunkt war für uns sicher der Partnerschaftsvertrag zwischen der Stiftung 20. Juli 1944 und unserer Schule“, erklärte Gregori-Erl.

Konrektorin Luitgard Gregori-Ehrl: Die Geschichte des Winderstandes ist ein wichtiger Bestandteil der Tradition unserer Realschule. Wir fühlen uns verpflichtet, dass unsere Schüler verschiedene Möglichkeiten haben, sich mit unserem Namensgeber auseinanderzusetzen.
Konrektorin Luitgard Gregori-Ehrl: Die Geschichte des Winderstandes ist ein wichtiger Bestandteil der Tradition unserer Realschule. Wir fühlen uns verpflichtet, dass unsere Schüler verschiedene Möglichkeiten haben, sich mit unserem Namensgeber auseinanderzusetzen.

Für die 5. Klassen fand, ebenfalls am Donnerstag, eine Informationsveranstaltung mit dem Titel „Sei mutig – sei ein Max“ statt. Hier sollten die Schüler Antworten auf Fragen wie „Wer war unser Namensgeber Max Ulrich Graf von Drechsel?“ oder auch „Was bedeutet ,Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus‘?“ Ebenso setzten sich die Schüler mit der Frage „Was kannst du persönlich tun, dass sich jeder an unserer Schule wohlfühlt und keiner ausgegrenzt wird?“ auseinander. „Die Kinder sollen erkennen, dass das Eintreten für andere und gegen Unrecht Mut erfordert und in dieser Hinsicht der Schulnamensgeber als Vorbild dient“, so Gregori-Erl.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht