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Reportage

Mit dem Kanu zur Messe paddeln

Fast 90 Mitglieder der Hemauer Stadtpfarrei lernten in Roding Kanufahren. MZ-Reporter David Santl wagte den Selbstversuch.
Von David Santl

Vom Kanu aus zu fotografieren ist gar nicht so einfach, aber zum Glück blieben die meisten trocken. Foto: David Santl
Vom Kanu aus zu fotografieren ist gar nicht so einfach, aber zum Glück blieben die meisten trocken. Foto: David Santl

Hemau. Momentan ist schon eine schöne Zeit für mich: Vor gut einem Monat habe ich die Abiturprüfungen geschrieben – und seither gibt es bei mir (fast) nichts als die große Freiheit. Während anderen Abiturienten vielleicht langweilig wird, ist es bei mir anders: Als freier MZ-Mitarbeiter und Oberministrant der Stadtpfarrei St. Johannes Hemau gibt es immer irgendwas Schönes zu tun. Und mit meinen 19 Jahren bin ich gerne für neue Erfahrungen zu haben. Die Idee von Stadtpfarrer Berno Läßer, mit den Firmlingen, den Ministranten und interessierten Eltern Kanu zu fahren, gefiel mir sofort. Also setzte ich mich am Sonntag mit ihnen in den Bus und fuhr Richtung Roding.

Die Crux mit dem Lenken

„Hab ich wirklich an alles gedacht?“, diese Frage schießt mir während der Fahrt durch den Kopf. Ersatzklamotten, Sonnencreme, Brotzeit – soweit scheint alles dabei zu sein. Aber wie soll das mit meiner Reporterausrüstung gehen? Meine Kamera habe ich lieber zuhause gelassen – sicher ist sicher.

Und das Handy macht ja auch gute Fotos. Kaum sind wir am Regen in Roding angekommen, gibt es eine Sicherheitseinweisung. Zudem werden uns Rudertechniken beigebracht. Allzu kompliziert hört es sich nicht an, aber Respekt habe ich trotzdem. Gemeinsam mit Pastoralassistent Felix Schamburger und zwei Ministranten nehme ich schließlich in einem Kanu Platz. Mein Handy und ein paar andere Sachen liegen in einer kleinen Tüte. „Hoffentlich kentern wir nicht“, meine ich.

In der Wallfahrtskirche Heilbrünnl feierten die Teilnehmer gemeinsam mit Stadtpfarrer Berno Läßer die Heilige Messe. Foto: David Santl
In der Wallfahrtskirche Heilbrünnl feierten die Teilnehmer gemeinsam mit Stadtpfarrer Berno Läßer die Heilige Messe. Foto: David Santl

„Du fällst schon nicht rein“, lacht Läßer noch, bevor wir ablegen. Kaum sind wir im Wasser, starte ich meinen ersten Fotoversuch: Es klappt gut. Doch plötzlich gerät unser Kanu ins Wanken. Zum Glück läuft nur ein bisschen Wasser rein, aber mein Handy verstaue ich trotzdem schnell in der Schutzhülle. Und außerdem will ich auch ein bisschen das Rudern probieren. Das Lenken überlasse ich lieber jemand anderem, sonst wäre die Kentergefahr wohl zu hoch. Langsam aber sicher geht es in Richtung Wallfahrtskirche Heilbrünnl.

Das Projekt „River on Fire“

  • Fluss:

    Bei seinen beiden Kaplansstellen in Roding und Nabburg hatte Stadtpfarrer Berno Läßer immer einen Fluss in der Nähe. Dort fuhr er mit den Pfarreimitgliedern sehr oft Kanu. Das wollte er auch mit Interessierten in Hemau probieren.

  • Wallfahrt:

    Im Juli 2017 startete Läßer in Roding die außergewöhnliche Bootswallfahrt „River on Fire.“ Um 21 Uhr machten sich viele beleuchtete Kanus und ein Boot mit einer Marienfigur auf zur Wallfahrtskirche Heilbrünnl. Am Ufer fand parallel eine Fußwallfahrt statt.

  • Gottesdienst:

    Bei Einbruch der Dunkelheit fand vor der Wallfahrtskirche Heilbrünnl ein großer Freiluftgottesdienst mit Hunderten Teilnehmern statt. Anschließend gab es noch ein gemütliches Beisammensein bei Getränken und Gegrilltem.

  • Idee:

    Stadtpfarrer Berno Läßer würde dieses Projekt auch im nächsten Jahr gerne wieder in Roding mit den Hemauer Pfarreimitgliedern durchführen. „Diese Kanufahrt hat sehr gut geklappt. Ich kann mir vorstellen, dass wir nächstes Jahr River on Fire machen“, freute er sich. (lds)

Doch das Lenken hat es in sich: Irgendwie schaffen wir es, in alle Richtungen zu fahren, nur nicht geradeaus. Der Stimmung im Boot tut das aber keinen Abbruch. „Und, wie hat’s dir gefallen?“, fragt mich Läßer, als wir bei der Wallfahrtskirche etwas durchnässt, aber glücklich aus dem Kanu klettern. „Super, aber das Lenken ist schwierig“, lache ich. „Der Schwerste ist bei euch nicht hinten gesessen“, erklärt mir der Stadtpfarrer, der einen Ruf als echter Kanu-Experte hat. „Hoffentlich bin ich das nicht, damit mir das Lenken erspart bleibt“, denke ich. Aber mit 1,83 Metern und gut 70 Kilogramm könnte ich Glück haben. Wie dem auch sei: Jetzt steht erst einmal der Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Heilbrünnl an.

Der Stadtpfarrer ist überrascht

Dieses Mal stört es niemanden, wenn man leicht durchnässt in der Kirche sitzt, damit bin ich ja nicht alleine. „Ich bin überrascht, sogar die Wasserwacht habt ihr abgehängt“, schmunzelt Läßer zu Beginn des Gottesdienstes. Danach steht eine weitere Stunde Kanufahren auf dem Programm, ehe es ein Picknick gibt. Kaum sind wir wieder im Wasser, passiert es: Die ersten gehen über Bord. Gut, dass wir nicht mehr in die Kirche müssen. Doch trotz allem: Unser Boot kentert nicht. Glück gehabt!

Jetzt will ich erst einmal Brotzeit machen und ein paar Interviews führen. Dann der Schreck: In meine Tüte ist Wasser eingedrungen und hat meinen Schreibblock durchnässt! Zum Glück trocknet er schnell. Ein paar Ministranten und Firmlinge wagen den Sprung ins kühle Nass. Schließlich ist auch mein Block trocken und ich kann mit den Interviews starten. „Hier spürt man Gott auf eine andere Weise.“, meint Stadtpfarrer Berno Läßer, nachdem er aus dem Kanu gestiegen ist. Auch die Firmlinge sind begeistert: „Am Ende sind wir absichtlich gekentert, das war echt lustig“, lachen Rebecca und Eva.

„Das hat die Gemeinschaft gestärkt, weil man mit anderen zusammenarbeiten muss“, meinen Antonia, Anna und Leonie. „Das hat dann auch der Ministrantenarbeit einiges gebracht“, freue ich mich bei der Heimfahrt. Und auch bei mir war es bestimmt nicht die letzte Kanufahrt.

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