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Schule

Mit Knöllchen gegen Elterntaxis

Regenstaufer Mütter machen mobil. Mehr Kontrollen sollen verhindern, dass Bring- und Abholfahrten andere Kinder gefährden.
Von Sabine Norgall

Mütter von Kindern der Regenstaufer Grundschule schlagen Alarm: Sogenannte Elterntaxis, die ihre Kinder unmittelbar vor der Schultüre absetzen, gefährden unter Missachtung selbst absoluter Halteverbote die Grundschulkinder, die zu Fuß unterwegs sind. Symbolbild: Holger Hollemann/dpa
Mütter von Kindern der Regenstaufer Grundschule schlagen Alarm: Sogenannte Elterntaxis, die ihre Kinder unmittelbar vor der Schultüre absetzen, gefährden unter Missachtung selbst absoluter Halteverbote die Grundschulkinder, die zu Fuß unterwegs sind. Symbolbild: Holger Hollemann/dpa

Regenstauf.Melanie Prochaska und Romina Lladrovici sind Mütter von Erstklässlern an der Grundschule Regenstauf. Beide begleiten ihre Kinder zu Fuß zum Unterricht. Dabei stellten sie entsetzt fest: Abc-Schützen, die zu Fuß zum Unterricht kommen, leben extrem gefährlich. Vor Schulbeginn und zum Schulschluss parken sogenannte Elterntaxis auf den Fußwegen rund um die Schule. Kinder müssen teilweise auf die Straße ausweichen, auf der wiederum Busse die Autos und Kindern umfahren müssen. Zudem, klagen beide Mütter, werde oft viel zu schnell gefahren.

Romina Llodrovici kritisiert die gefährlichen Situationen vor Schulbeginn und zum Schulende. Eltern parkten im Halteverbot, stießen rückwärts aus der Schuleinfahrt auf die Straße zurück. Dort müssten sich die Grundschüler mit ihren Ranzen zwischen Autos und Bussen durchschlängeln. Foto: Norgall
Romina Llodrovici kritisiert die gefährlichen Situationen vor Schulbeginn und zum Schulende. Eltern parkten im Halteverbot, stießen rückwärts aus der Schuleinfahrt auf die Straße zurück. Dort müssten sich die Grundschüler mit ihren Ranzen zwischen Autos und Bussen durchschlängeln. Foto: Norgall

Bereits in der Regenstaufer Bürgerversammlung im März machten Mitglieder des Elternbeirats um Schulleiterin Heidi Nickl auf die gefährliche Situation aufmerksam. Bei einem Ortstermin vor der Schule wollten die Eltern jetzt Antworten, was dagegen getan wird. Neben Bürgermeister Siegfried Böhringer, Vertretern der Gemeinde, der Polizei, des Landratsamts, der Schulen und des Zweckverbands kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz (ZVKVS) nahm RVV-Geschäftsführer Josef Weigl teil.

Kontrolle brachte erste Erfolge

Engagiert wurde vorm Eingang der Grundschule diskutiert, wie sich Gefahrensituationen  vermeiden lassen. Foto: Norgall
Engagiert wurde vorm Eingang der Grundschule diskutiert, wie sich Gefahrensituationen vermeiden lassen. Foto: Norgall

Gerald Thierauf, Verkehrssachbearbeiter in der Marktverwaltung, reagierte nach der Bürgerversammlung prompt. Bereits jetzt gibt es mehr Kontrollen im Umfeld der Schulen. Die Überwachung, die in Absprache zwischen Polizei und dem ZVKVS passiert, zeitigt nach Auskunft der Eltern bereits Erfolg: Es wird weniger im Halteverbot geparkt. Wie Thierauf erläuterte, will die Verwaltung dem Marktrat vorschlagen, jeweils fünf zusätzliche Überwachungsstunden für den ruhenden und den fließenden Verkehr zu buchen. Die zusätzlichen Überwachungsstunden sollen den Schulen der Marktgemeinde zugutekommen.

Sehen Sie im Video: Elterntaxis sind keine Regenstaufer Spezialität. An Bayerns Schulen stellt sich die Situation vielfach ähnlich dar.

Bereits vor dem offiziellen Ortstermin hatte sich der Elternbeirat mit 3. Bürgermeister Josef Schindler (CSU) an der Schule zu getroffen. Im Anschluss schrieb Schindler einen Brief an Thierauf. Darin regte er an, in der Friedensstraße im Bereich der Physio-Praxis zwischen 7 und 8 Uhr ein Halteverbot zu erwirken. Wenn Eltern dort die Kinder aussteigen lassen könnten, so Schindler im Gespräch mit unserem Medienhaus, könnten diese auf dem Gehweg bis zur Fußgänger-Ampel gehen und dort die Friedensstraße in Richtung Schulhaus überqueren. Diese Möglichkeit sollte auf jeden Fall zuerst ausgeschöpft werden. Sollte dies nichts bringen, könne man mittelfristig überlegen, einen zusätzlichen Parkplatz auf der Grünfläche Ecke Hauzensteinerstraße /Friedensstraße zu erstellen, um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, regt Schindler an.

Karl Remling,  Sachgebietsleiter Verkehr im Landratsamt, ist dagegen, Elterntaxis auch noch mit zusätzlichen Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Schuleingangs zu unterstützen. Zum abliefern und holen, schlägt er vor, könnten Eltern im Bereich der Fahrbahn der Lehrerparkplätze halten. Foto: Norgall
Karl Remling, Sachgebietsleiter Verkehr im Landratsamt, ist dagegen, Elterntaxis auch noch mit zusätzlichen Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Schuleingangs zu unterstützen. Zum abliefern und holen, schlägt er vor, könnten Eltern im Bereich der Fahrbahn der Lehrerparkplätze halten. Foto: Norgall

„Ich sehe es ein, dass der Architekt beim Bau der Schule einen großen Fehler gemacht hat. Er hat die Rampe vergessen, auf der man Kinder möglichst bis zum Klassenzimmer fahren kann.“

Karl Remling, Landratsamt

Dieser Vorschlag stieß beim Ortstermin bei Karl Remling, Sachgebietsleiter Verkehr im Landratsamt Regensburg, auf wenig Begeisterung. Er persönlich lehne es ab, einen Anreiz zu schaffen, damit noch mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zu Schule bringen. Ironisch kommentierte er: „Ich sehe es ein, dass der Architekt beim Bau der Schule einen großen Fehler gemacht hat. Er hat die Rampe vergessen, auf der man Kinder möglichst bis zum Klassenzimmer fahren kann.“ Remling ist überzeugt: „Die Situation verbessert sich nur, wenn mehr kontrolliert wird.“

Josef Weigl, Geschäftsführer des RVV, kann sich eine Verlegung des Busparkplatzes nicht vorstellen. Er sieht den Markt Regenstauf in der Pflicht, zum einen die notwendigen Kontrollen zu organisieren, zum anderen auf alternative Haltemöglichkeiten in Seitenstraßen hinzuweisen. Foto: Norgall
Josef Weigl, Geschäftsführer des RVV, kann sich eine Verlegung des Busparkplatzes nicht vorstellen. Er sieht den Markt Regenstauf in der Pflicht, zum einen die notwendigen Kontrollen zu organisieren, zum anderen auf alternative Haltemöglichkeiten in Seitenstraßen hinzuweisen. Foto: Norgall

RVV-Geschäftsführer Josef Weigl räumte ein: „Es fehlt schon an Bringmöglichkeiten. Man kann die Realität nicht negieren.“ Es gebe eben immer mehr Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten. Denen müsse man sagen, wo sie problemlos halten könnten. Federführend dabei, diese Parkmöglichkeiten zu benennen, soll nach Weigls Auffassung die Gemeinde sein.

Zentraler Busparkplatz angeregt

Melanie Prochaska ist Mutter eines Erstklässlers. Um gefährliche Situationen mit Elterntaxis und Bussen, die manchmal an Engstellen auch Bürgersteige überfahren müssen, zu entzerren, schlägt sie folgendes vor: Die Busse sollten am Volksfestplatz in der Pestalozzistraße halten. Foto: Norgall
Melanie Prochaska ist Mutter eines Erstklässlers. Um gefährliche Situationen mit Elterntaxis und Bussen, die manchmal an Engstellen auch Bürgersteige überfahren müssen, zu entzerren, schlägt sie folgendes vor: Die Busse sollten am Volksfestplatz in der Pestalozzistraße halten. Foto: Norgall

„Warum sollten wir etwas verlegen, was hervorragend funktioniert, nur weil sich ein paar Eltern nicht an die Regeln halten?“

Konrektorin Luitgard Gregori-Erl

Eine gute Möglichkeit, die Situation vorm Schuleingang zu entzerren, sahen Elternvertreter darin, das unmittelbare Umfeld der Schulen für Busse zu sperren und am ehemaligen Volksfestplatz in der Pestalozzistraße einen zentralen Busparkplatz zu errichten. Luitgard Gregori-Erl, Konrektorin der Mittelschule, sah nur wenig Chancen, diesen längeren Fußweg für die Kinder durchzusetzen. Bei der Realschule, erläuterten sie und Weigl, habe man erst vor wenigen Wochen gemeinsam mit dem RVV im Bereich der Bushalteplätze ein Konzept entwickelt, das sich bewähre. Sie fragte: „Warum sollten wir etwas verlegen, was hervorragend funktioniert, nur weil sich ein paar Eltern nicht an die Regeln halten?“

Josef Weigl und Luitgard Gregori-Erl sind sich einig, die Wartesituation der Schüler vor der Realschule und das Aufrücken der Busse ist beispielhaft. Foto:  Norgall
Josef Weigl und Luitgard Gregori-Erl sind sich einig, die Wartesituation der Schüler vor der Realschule und das Aufrücken der Busse ist beispielhaft. Foto: Norgall

„Wenn Eltern 100 Meter gehen müssen, sollte das machbar sein. Das sollte man zunächst prüfen, bevor man neue Pakplätze anlegt.“

Rektor Alois Amann

Auch Alois Amann, Rektor der Mittelschule, kann sich einen zentralen Busparkplatz in der Pestalozzistraße nicht vorstellen. An der Mittelschule sei das Elterntaxi ohnehin kaum ein Thema, da die Kinder in diesem Alter nicht mehr von den Eltern abgeholt werden möchten. Auch er plädierte dafür, dass beim Bringen und Holen in den Seitenstraßen geparkt werden soll. „Wenn Eltern 100 Meter gehen müssen, sollte das machbar sein. Das sollte man zunächst prüfen, bevor man neue Pakplätze anlegt.“

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