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Müllnotstand erfasst Landkreis-Firmen

Gewerbeabfälle können in Schwandorf nicht verbrannt werden. So werden Entsorgungskosten für Regensburgs Betriebe höher.
von Walter Schiessl

Die Müllverbrennung ist an der Kapazitätsgrenze. Foto: dpa
Die Müllverbrennung ist an der Kapazitätsgrenze. Foto: dpa

Regensburg.Das Thema Müllnotstand brennt einigen Firmen im Landkreis auf den Nägeln. Denn sie dürfen seit Mai den Gewerbemüll nicht mehr – wie seit Jahrzehnten gewohnt – von den Entsorgern in die Verbrennungsanlage nach Schwandorf bringen lassen. Die Abfuhrunternehmer müssen ihn in weiter entfernte Verbrennungsanlagen transportieren, was Mehrkosten zur Folge hat. „Die Anlage ist durch den Haus- und Sperrmüll so gut wie voll“, sagt denn Entsorgungs-Unternehmer Richard Meindl aus Hainsacker. In seinem Betrieb sorgen 170 Beschäftigte dafür, dass der Landkreis regelmäßig vom Hausmüll und auch Gewerbemüll befreit wird.

Das leidige Thema beschäftigt die Region schon seit Langem. Doch vor acht Wochen wurde es dramatisch, denn in der Schwandorfer Anlage, in der der Müll im Gebiet zwischen Tirschenreuth und Landshut verbrannt wird, war eine Ofenlinie in Wartung, eine zweite fiel aus, so dass nur noch die halbe Kapazität „gefahren“ werden konnte. Die Anlieferer standen in der Umladestation Haslbach, wo der Müll von den Fahrzeugen auf den Zug verladen wird, vor verschlossenen Türen. Von heute auf morgen war ein Anlieferstopp verhängt worden.

Es herrschte Chaos

Es herrschten ein paar Tage lang dramatische Zumstände. Andreas Hügel, der Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft am Landratsamt, spricht von „chaotischen Tagen.“ In der Behörde an der Altmühlstraße war der Ärger groß. „Wir bekommen einen Teil des Ärgers ab in der irrigen Annahme, der Landkreis ist hier irgendwie mitverantwortlich für den Anlieferstopp“, sagt denn auch Landkreis-Pressesprecher Hans Fichtl.

Im Landratsamt sind 14 Beschäftigte für die Müllentsorgung zuständig. Sie werden sich in den nächsten Monaten auf weitere empörte Anrufer einstellen müssen, denn zumindest bis zum Jahresende wird kein Gewerbemüll mehr nach Schwandorf gebracht werden können. Die Betriebe, die sie mit der Abfuhr der Tonnen beauftragt haben, haben als Alternativen andere, weiter entfernt liegende Verbrennungsanlagen ausfindig gemacht, in die sie den Gewerbemüll aus dem Landkreis Regensburg bringen. Das Hainsackerer Entsorgungsunternehmen verlangt deshalb nicht mehr wie bisher für die Tonne einfachen Gewerbemülls 180, sondern 240 Euro.

Das Thema Müll

  • Kraftwerk:

    Dieses steht in Schwandorf. Ist keiner der Öfen in Revision, läuft die Anlage mit Volldampf. In vier Öfen kann dann Haus- und Sperrmüll in großen Mengen verbrannt werden.

  • Umladestation:

    Aus dem Landkreis und der Stadt kommt der Müll nach Haslbach, wo er zuerst zusammengepresst und dann auf Eisenbahnwaggons verladen wird. Dann geht es nach Schwandorf.

  • Müllabfuhr:

    Im Landkreis wird der Hausmüll von der Firma Meindl abgeholt. Das Unternehmen mit Sitz in Hainsacker sorgt mit 90 Fahrzeugen und 170 Beschäftigten für einen reibungslosen Ablauf.

Die von der MZ befragten Firmen aus dem Landkreis, deren Inhaber nicht namentlich genannt werden wollten, sagten, die neue Situation ärgere sie ganz gewaltig. Sie seien zwar froh darüber, dass die Entsorgung ihres Mülls durch die Containerdienste gesichert sei, aber sie werden die höheren Fahrtkosten in die weiter entfernten Anlagen an die Kundschaft weitergeben müssen. Das sei ein unschöner Zustand, in den man da gekommen sei, sagen sie allesamt.

Nicht betroffen von der aktuellen Misere sind aber die Privathaushalte, ebensowenig die Krankenhäuser, Altenheime, Dialysestationen, Pflegeeinrichtungen und ähnliche Betriebe wie Kläranalgen. Mit ihnen gibt es schon seit Jahren Vereinbarungen für die Müllentsorgung, die auch jetzt Gültigkeit haben.

Im Regensburger Kreistag hatte die CSU hatte eine Anfrage an die Verwaltung gerichtet, in der sie unter anderem wissen wollte, ob gar auch die Haushalte von einem solchen Stopp betroffen sein könnten und wie die Möglichkeiten der Landkreisverwaltung für das Thema Müllvermeidung aussehen könnten. Der Landkreis gehört wie die Landkreise von Tirschenreuth bis Landshut mit der Stadt Regensburg dem Müllzweckverband Schwandorf an, Landrätin Tanja Schweiger fungiert als Mitglied der Verbandsversammlung und des Verbandsausschusses.

Landkreis unter Durchschnitt

Rein rechtlich gesehen, ist der Zweckverband nur dazu verpflichtet, den Haus- und Sperrmüll seiner Verbandsmitglieder zu verbrennen. „Bei störungsfreiem Betrieb der Anlage von 445 000 Tonnen und gegenwärtig einer Müllmenge von 360 000 bis 365 000 Tonnen ist die Entsorgungssicherheit gewährleistet“, sagt Andreas Hügel. Aber eben nicht für das Gewerbe. „Der Konsum und damit der Müll wird weiter in die Höhe gehen“, prophezeit Abfallwirtschafts-Sachgebietsleiter Andres Hügel. Gewerbemüll sei all die Jahre nur auf freiwilliger Basis entsorgt worden.

Im Landkreis Regensburg ist trotz eines kontinuierlichen Einwohnerzuwachses der jährliche Hausmüll und damit die Anliefermenge mit 26 000 Tonnen seit dem Jahr 2000 vergleichsweise konstant gebleiben. Die Restmüllmenge des Landkreises lag seit längerem schon unter dem oberpfälzer und dem bayerischen Durchschnitt, sagte Landrätin Tanja Schweiger bei der Kreistags-Debatte. „Für die Bevölkerung haben wir viele Tipps für die Müllvermeidung“, ergänzte Andreas Hügel. Das reiche vom Herausgeben von Broschüren und Flyern über Schulungen der Kinder bis hin zur Förderung der Verwendung von Stoffwindeln. Das trage laut Hügel längst Früchte. Aber die Bevölkerung müsse immer wieder für das Thema Müllvermeidung sensibilisiert werden.

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