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Kirche

Musikgrüße vom Hemauer Kirchturm

Seit Himmelfahrt spielen Trompeter einmal im Monat vom Turm der Stadtpfarrkirche. Sie weisen auf die Gegenwart Gottes hin.
Von David Santl

Den Turmbläsern bietet sich ein wunderschöner Ausblick über die Stadt. Foto: David Santl
Den Turmbläsern bietet sich ein wunderschöner Ausblick über die Stadt. Foto: David Santl

Hemau.Ein kühler, herbstlicher Abend, kurz vor 21 Uhr: Eigentlich spricht alles dafür, es sich zuhause auf der Couch bequem zu machen. Vor die Tür will eigentlich niemand mehr. Nicht so am Samstag in Hemau: Einige Leute stehen vor der Stadtpfarrkirche St. Johannes und unterhalten sich. Gespanntes Warten liegt in der Luft. Irgendwann gehen fünf Männer, ausgestattet mit Scheinwerfern, Stirnlampen und Koffern, um die Kirche und „verschwinden“ in der Tür, die auf den 54 Meter hohen Kirchturm führt.

Es sind Martin Körbler, Alexander Waldhier und Thomas Köbler. Sie haben an diesem Abend etwas Besonderes vor: Von der Turmstube aus wollen sie mit ihren Trompeten Lieder durch die kleinen, runden Fenster spielen. Begleitet werden sie dabei von Mesner Hans Graf und Stadtpfarrer Berno Läßer. Die Turmbläser spielen aber nicht nur, um ihre Zuhörer vor der Kirche zu erfreuen, das Ganze hat auch einen geistlichen Hintergrund, wie Läßer erklärt: „Sie spielen zur Ehre Gottes und zum Dienst am Menschen.“

Premiere am Vorabend von Mariä Himmelfahrt

Zudem sei es ergreifend, wenn am Abend Trompeten vom Kirchturm zu hören sind. „Es geht mir vor allem darum, dass die Musik der Turmbläser jene Menschen hören, die keine Hoffnung haben, damit sie wissen: Gott denkt an sie“, so Läßer weiter. „Wir unterschätzen, wie viele Menschen in der Nacht Sorgen haben.“ Er selbst habe eine Person gekannt, die jeden Abend vom Fenster aus auf den beleuchteten Kirchturm sah. „Das hat ihr Kraft gegeben. So wusste sie, dass Gott bei ihr ist.“ Ihre Premiere hatten die Turmbläser am 14. August, dem Vorabend von Mariä Himmelfahrt. „Einige haben das noch nicht gewusst. Aber hinterher waren die Leute begeistert“, freut sich Läßer.

Mittlerweile sind die drei Musiker, der Mesner und der Stadtpfarrer fast oben angekommen. Auf schmalen, staubbedeckten Holzstufen geht es vorbei an den fünf großen Glocken. Je weiter sie steigen, desto dunkler wird es. Irgendwann zuckt nur noch das Scheinwerferlicht über die dicken Innenmauern und sorgt für eine etwas gespenstische Atmosphäre. Die letzten Meter bis zur Turmstube müssen sie klettern. Aber nach kurzer Zeit stehen sie in dem kleinen Raum und öffnen die Fenster.

In der Turmstube muss niemand frieren

Obwohl es draußen herbstlich kühl ist, sind die Temperaturen in der Turmstube angenehm warm. Das muss auch sein: Früher hat hier nämlich der „Türmer“ gewohnt. „Im Mittelalter mussten sie ankündigen, wenn eine Kutsche mit einem wichtigen Gast gekommen ist oder warnen, wenn es gebrannt hat“, erzählt Stadtpfarrer Berno Läßer. Das müssen die Turmbläser von heute zum Glück nicht mehr. Einmal im Monat – besonders am Vorabend von Hochfesten wollen sie gut 54 Meter über der Stadt spielen.

Es ist ruhig in der Turmstube. Der ganze Raum ist nur spärlich beleuchtet. Nichts stört die andächtige Stimmung. Nur beim Stundenschlag um 21 Uhr erzittert der Turm leicht. Als der letzte Schlag verklungen ist, spricht Stadtpfarrer Berno Läßer ein kurzes Gebet für die Bewohner von Hemau, besonders für alle, die krank sind oder Sorgen haben. Außerdem betet er mit den Turmbläsern den „Engel des Herrn“ – ein Mariengebet, das ein gläubiger Katholik drei Mal am Tag spricht.

Drei Trompeten reichen aus

Dann geht es los: Die Turmbläser verteilen sich in verschiedene Richtungen. Als Erstes erklingt das „Salve Regina“, ein tausend Jahre altes Marienlied, das heute noch im Stundengebet der Kirche verankert ist. Obwohl es nur drei Trompeten sind, erzeugen sie eine beeindruckende Klangfülle.

Wissenswertes zum Hemauer Kirchturm

  • Glocken:

    Im Kirchturm hängen fünf Glocken. Die Größte ist die Josefsglocke mit 1,5 Tonnen. Sie läutet nur zu besonderen Anlässen.

  • Maria:

    Seit Kurzem steht in der Turmstube eine Marienstatue, die Richtung Stadtplatz blickt und über die Stadt Hemau „wacht.“

  • Türmer:

    Früher war die Türmerwohnung im Hexenturm (links). Nachdem er baufällig wurde, zog der Türmer in den Kirchturm. (lds)

Nach einer kurzen Stille spielen sie das bekannte Kirchenlied „Segne du Maria“ in die friedliche Nacht hinaus. Unter sich sehen sie die Lichter der Stadt – ein atemberaubender Ausblick. Nach diesen Liedern spendet Stadtpfarrer Berno Läßer den Segen für die Stadt. Dazu schlägt Mesner Hans Graf drei Mal die Josefsglocke, die größte der Glocken, an. Zum Abschluss spielen sie das Abendlied „Guten Abend, gut‘ Nacht.“ Eine kleine Herausforderung sei das Turmblasen schon, erzählen Martin Körbler, Alexander Waldhier und Thomas Köbler beim Abstieg. Es gebe ja keinen Blickkontakt. „Aber auch die Treppe raufzukommen, hat es in sich“, scherzen die Drei.

In Zukunft will Läßer die Idee ausbauen: „Wir wollen mehr Musiker dazunehmen. Mit dem Turmblasen stehen wir jetzt erst am Anfang.“

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