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Wirbel

Nach Eklat: Kirche stoppt Show

Der Stadt Regensburg ging die Kunst von Anna Pohl zu weit. Auch das Bistum reagierte jetzt vor einem Auftritt im Landkreis.
Von Bettina Mehltretter

Anna Valeska Pohl hatte für ihr Programm nicht mehr als drei Stühle, ihre Stimme und ihren Körper gebraucht. Foto: Emily Bucher
Anna Valeska Pohl hatte für ihr Programm nicht mehr als drei Stühle, ihre Stimme und ihren Körper gebraucht. Foto: Emily Bucher

Beratzhausen. Die Regensburger Künstlerin Anna Valeska Pohl provoziert: Auf der Foto- und Videoplattform Instagram zeigt sie sich in einem weißen, halbdurchsichtigen Brautkleid. Einmal hält sie eine Madonnenfigur in der Hand; einmal deutet sie sogar sexuelle Handlungen damit an. Unter die Posts hat sie #fuckreligion und #holyporn geschrieben. In Regensburg hat das für einen handfesten Skandal gesorgt. Denn Pohl hatte mit dem Madonna-Post auf ihre Performance in der Ostdeutschen Galerie hinweisen wollen. Einen Tag vor dem Auftritt hat das Kulturamt der Stadt dann Pohl abgesagt. Nun zieht die Katholische Kirche nach: Sie trennt sich mit sofortiger Wirkung von der Künstlerin, die bei der Veranstaltungsreihe „Von der Finsternis ins Licht“ der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Bibelstellen modern inszenieren und darstellen hätte sollen. Damit setzt sich das Bistum über eine Entscheidung der KEB hinweg.

KEB wollte sich Zeit lassen

Die Stadt Regensburg hat die Performance „My home is not my home“ abgesagt. Foto: R. Fischer
Die Stadt Regensburg hat die Performance „My home is not my home“ abgesagt. Foto: R. Fischer

Thomas Albertin, geschäftsführender Bildungsreferent der KEB im Landkreis Regensburg, hatte am Mittwoch noch bei der Presse für den Auftritt der Künstlerin am 17. April im Beratzhausener Zehentstadel geworben. Am 11. April hätte Pohl außerdem im Regensburger Turmtheater gastieren sollen. Doch der KEB war zunächst nicht bekannt, wie sich Pohl in den Sozialen Netzwerken inszeniert. Und Thomas Albertin hat auch erst aufgrund einer MZ-Anfrage vom Aufschrei erfahren, den die Künstlerin in Regensburg ausgelöst hat. „Wir machen uns da sicher Gedanken“, sagte Albertin unserer Zeitung noch am frühen Donnerstagnachmittag. Die Verantwortlichen hätten vor, den „sensiblen Sachverhalt ohne Zeitdruck zu prüfen“ und unter anderem auch die Künstlerin anzuhören, sagte er. Daher sei erst ab 26. März mit einer Stellungnahme zu rechnen.

„Die jüngst bekannt gewordenen Einzelheiten ihrer Arbeit schließen eine Kooperation aus.“

Bistumssprecher Clemens Neck

Wenige Stunden später schritt das Bistum ein – und setzte sich über die KEB-Entscheidung hinweg. „Die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg beendet ihre Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Valeska Pohl und der Künstlergruppe ,Bambule.Babys‘“, teilte Bistumssprecher Clemens Neck mit. „Die jüngst bekannt gewordenen Einzelheiten ihrer Arbeit schließen eine Kooperation aus. Alle weiteren Termine sind hiermit abgesagt.“ Darunter wären auch Gastspiele in Cham und Amberg gewesen.

Die Protagonisten

  • Katholische Erwachsenenbildung im Bistum:

    Die Institution bietet im Bereich des Bistums ein eigenes Bildungsprogramm an. Es gibt elf Regionalstellen. Dazu zählt auch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Regensburger Land. Demnächst bietet die KEB im Bistum unter anderem eine Fahrt nach Bamberg an, wo es um die jüdische Vergangenheit des Ortes geht.

  • Bambule.Babys:

    Die Bambule.Babys sind ein Künstlerkollektiv aus Ostbayern. Anna Valeska Pohl ist Regensburgerin, Michael Pöpperl Straubinger. Pohl beschreibt sich auf ihrer Website als „Künstlerin, Philosophin und Feministin“. In der Ostdeutschen Galerie hätten die beiden am vergangenen Samstag die Performance „My home is not my home“ zeigen wollen. Anna Valeska Pohl hatte, wie sie sagt, jenseits ihrer Arbeit für die Bambule.Babys gemeinsam mit der KEB die Veranstaltungsreihe „Von der Finsternis ins Licht“ konzipiert.

Die Veranstaltungsreihe war im Bistum bereits angelaufen gewesen: „Von der Finsternis ins Licht“ hatte in Abensberg Premiere gefeiert. Außerdem war das Bibel-Theater schon in Nabburg zu Gast. Die Inszenierung hatte sich dabei deutlich von einer einfachen Lesung aus der Bibel unterschieden. Die Schauspielerin hatte unter anderem in Embryo-Haltung auf dem Boden liegend den ersten Absatz des Johannes-Evangeliums rezitiert. Und sie hatte sich wie in Trance über die Bühne bewegt, sich auf den Boden geworfen und die Stühle durcheinandergebracht, um Zerstörung und Verwüstung zu symbolisieren. Unterstützt worden war Pohl von Klaus Hirn, dem Geschäftsführer der Katholischen Landvolkbewegung, der Saxophon und Percussioninstrumente spielte. Michael Pöpperl, der mit Pohl die Künstlergruppe „Bambule.Babys“ bildet, hatte für die Lichteffekte gesorgt. Die Theologische Referentin der KEB, Beate Eichinger, hatte moderiert.

Zuschauer lobten die Leistung

Am Ende des 100-minütigen Programms hatten die Zuschauer jeweils viel Applaus gespendet. In Abensberg etwa hatten sie gelobt, dass die Auswahl der Stücke „sehr passend“ gewesen sei. Pohls Inszenierung sei zwar „sehr gewagt“ gewesen. Die Zuschauer hätten allerdings auch ganz neue Zugänge zur Bibel finden können.

Auch Mitarbeiter der Katholischen Erwachsenenbildung und der Kirche freuten sich erst über die Initiative, biblische Inhalte neu zu präsentieren. Jetzt sind sie sauer. Clemens Neck formuliert das so: „Natürlich sind wir enttäuscht. Wir hätten es begrüßt, wenn mit offenen Karten gespielt worden wäre.“ Am Ende war Pohl wegen ihrer Darstellung in den Sozialen Netzwerken für die Kirche nicht mehr tragbar.

„Ich habe sehr gerne mit der KEB und insbesondere mit der Bibel-Arbeitsgruppe zusammengearbeitet.“

Anna Valeska Pohl

Die Künstlerin selbst hat erst von der MZ erfahren, dass sie ihre Rolle in der KEB-Reihe verloren hat. Sie sagte, sie bedauere den Schritt der Einrichtung sehr: „Ich habe sehr gerne mit der KEB und insbesondere mit der Bibel-Arbeitsgruppe zusammengearbeitet.“ Dabei habe es sich um eine Auftragsarbeit gehandelt, sagt sie. Die KEB hätte mit der Person Anna Valeska Pohl als Schauspielerin und Regisseurin zusammengearbeitet und nicht mit ihr in ihrer Funktion als künstlerische Leiterin der „Bambule.Babys“. Zudem hätte die Arbeit der „Bambule.Babys“ nie Einfluss auf ihre künstlerischen Entscheidungen im Bibel-Projekt gehabt.

Christa Meves sprach schon bei der KEB

Die KEB im Regensburger Land, die lediglich als Organisator der lokalen Veranstaltung der Bistums-KEB aufgetreten wäre, hätte mit Anna Valeska Pohl nicht zum ersten Mal einen umstrittenen Gast gehabt. 2013 war auf Einladung der Bildungseinrichtung die Psychologin und Kinder- und Jugendlichentherapeutin Christa Meves in Donaustauf aufgetreten.

Kirchen unternehmen viele Versuche, die Bibel ins Moderne zu übersetzen. Lesen Sie hier ein Interview dazu mit Thomas Pinzer, Leiter des Seelsorgeamts im Bistum.

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