MyMz
Anzeige

Menschen

Nachfolger für Tante-Emma-Laden gesucht

19 Jahre führte Hans Haimerl den Lebensmittelladen in Brennberg. Der Kramer Hans legt wert darauf, dass es weitergeht.
von Resi Beiderbeck

Die Arbeit als selbstständiger Kaufmann macht dem „Kramer Hans“ noch immer Freude. Foto: Beiderbeck
Die Arbeit als selbstständiger Kaufmann macht dem „Kramer Hans“ noch immer Freude. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Hans Haimerl hält sich seit 19 Jahren mit seinem Vollerwerbs-Lebensmittelladen in Brennberg-Mitte. Das Konzept „Nahversorgung mit einem Schuss Nostalgie“ funktioniert bis heute. Aber mit Blick auf seinen 50. Geburtstag hat er eine Lebens-Zwischenbilanz gezogen und beschlossen, sich beruflich noch einmal zu verändern. Deshalb hat er ein Schild an die Ladentür gehängt: „Nachfolger gesucht zum 1. Juli 2019“ steht darauf. Seit dem Moment, als er die Tesastreifen festdrückte, ist sein Laden Tagesgespräch. „Es ist unglaublich, wie viele Reaktionen es gibt“, staunt Hans Haimerl über das Interesse. „Fast jeder thematisiert das und viele machen sich Sorgen, dass es hier nicht weitergeht.“ Das will der leidenschaftliche Kaufmann auf keinen Fall, weshalb er eben auch schon so früh mit der Nachfolger-Suche beginnt.

Das Phänomen „Kramer Hans“

Tante-Emma-Läden, die im Nebenerwerb geführt werden, findet man im Regensburger Land noch etliche. In Brennberg hält sich jedoch ein Vollerwerbs-Lebensmittelladen, der seinen Mann ernährt und drei Stundenkräfte noch dazu. Das Phänomen „Kramer Hans“ begann im Jahr 1999. Damals erfüllte er sich einen Traum und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Bei einem Discounter hatte er Kaufmann gelernt.

„Handel ist Wandel.“

Hans Haimerl, „Kramer Hans“

Danach machte der Junggeselle genau das Gegenteil von dem, was die Discounter tun. Er setzte auf überschaubare Strukturen, Kundenkontakt, Service und Regionalität. Mit diesen Pluspunkten versuchte er auszugleichen, dass bei ihm die Preise wesentlich höher angesetzt werden müssen. „Das verstehen aber meine Kunden. Die wissen, dass ich bei den kleinen Mengen, die ich beziehe, preislich mit den Großen bei weitem nicht mithalten kann.“ Mangelnde Umsätze sind übrigens nicht der Grund für seine Veränderungspläne. „Der Laden ist attraktiv – auch in wirtschaftlicher Hinsicht“, verrät Hans Haimerl. Arbeitstechnisch funktioniert alles prima, weil seine Eltern noch immer unermüdlich mithelfen. „Jetzt ist es an der Zeit, ihnen mehr Freizeit zu gönnen und ihnen ein wenig Hilfe zurückzugeben“.

Ordnung muss sein

Kurze Wege und persönlicher Service, das sind die Pluspunkte, die bei den Kunden ankommen. „Um 6 Uhr in der Früh bin i scho da – do ham de Discounter no zugsperrt“, verrät Hans Haimerl einen seiner Vorteile. Geöffnet ist täglich bis 13 Uhr – einschließlich Samstag. Schüler und Kindergarten-Eltern, Arbeiter auf dem Weg in die Firma, alle kommen hier vorbei. Dass man in dem gut sortierten Laden die „Mittelbayerische Zeitung“ und den „Wörther Anzeiger“ bekommt, versteht sich von selbst. Ob man nur eine Cola kaufen oder gleich den Wochenendeinkauf erledigen will – der Kramer bedient jeden freundlich.

Das sagen die Brennberger über „ihren“ Laden. Klicken Sie auf das Foto und erfahren sie mehr:

„I bin bei der Arbeit und net auf der Flucht“, so lautet seine Devise. Hetzen lässt er sich nicht, denn das würde nur Fehler verursachen. Bei ihm muss alles seine Ordnung haben und der Chef muss jederzeit den Überblick behalten. Um attraktiv zu bleiben, ließ er sich immer wieder etwas einfallen. So hat er 2003 die Verkaufsfläche vergrößert und 2007 als zusätzlichen Service „City-Mail“ aufgenommen. So konnten in Brennberg zehn Jahre nach Schließung der Postfiliale wieder Briefe aufgegeben werden.

Die Regionaltheke des Landkreises, die Annahme von Lotto- und Toto-Wetten, die Abwicklung von Schuhreparaturen und Bekleidungsreinigung über Partnerunternehmen sind zusätzliche Standbeine. Mit seinem mobilen Süßigkeiten-Verkaufswagen war der „Kramer Hans“ regelmäßig bei Gründungsfesten unterwegs. Das hat er inzwischen aufgegeben, denn „Handel ist Wandel“. Als Geheimnis seines Erfolges bezeichnet er das breite Warenangebot. Jeder weiß, dass er beim „Kramer Hans“ alles kriegt, seien es Knödelbrot, Emmentaler oder Vogelfutter. Charakteristisch für Brennberg ist das gute Miteinander der Gewerbetreibenden. „Wir arbeiten alle gut zusammen im Dorf nach dem Motto leben und leben lassen.“

Wirtschaft

Der Tante-Emma-Laden sperrt zu

Am 1. November schließt Willi Weiß seinen Kolonialwarenladen. Das Geschäft gab es seit 100 Jahren. Doch einen Nachfolger gibt es nun nicht mehr.

Dass er seinen Job genießt, daraus macht er keinen Hehl. „I muss net jeden Tag eine Stunde auf der Autobahn verbringen, sondern hab nur einen Katzensprung in den Laden.“ Da hat er dann den ganzen Tag mit Kunden zu tun, bei denen es sich „zu 99 Prozent um sehr nette, angenehme Leute handelt“. Nebenbei behält er automatisch den Kontakt zum Dorfleben. „Einige der Kinder, die damals vor 19 Jahren zum ersten Mal ganz alleine mit ihrem Taschengeld zum Kramer gehen durften, haben heute selber Kinder und die kommen auch wieder zu mir.“

Mehr Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht