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Umwelt

Nachhaltig Boden und Wasser schützen

Das bayernweite Pilotprojekt „boden:ständig“ wurde im Landkreis gestartet. Landwirte müssen in den nächsten Jahren umdenken.
Von Ralf Strasser, MZ

Bei der Vertragsunterzeichnung Landrätin Schweiger, Leitender Baudirektor Thomas Gollwitzer, Bürgermeister Winter, Martina Prielmeier, Bürgermeister Kiendl und Sachgebietsleiter Josef Sedlmeier
Bei der Vertragsunterzeichnung Landrätin Schweiger, Leitender Baudirektor Thomas Gollwitzer, Bürgermeister Winter, Martina Prielmeier, Bürgermeister Kiendl und Sachgebietsleiter Josef SedlmeierFoto: msr

Regensburg. Starkregen mit örtlichen Überschwemmungen, Abschwemmung von Oberboden, tonnenweise Schlammablagerungen in Schierling und Pfakofen, mit Nährstoffen verunreinigte Gewässer. All das soll mit einer Initiative eingedämmt werden, die auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist. Als Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Regensburg gab Landrätin Tanja Schweiger mit ihrer Vertragsunterschrift zusammen mit dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, Thomas Gollwitzer, und den Bürgermeistern aus Schierling und Pfakofen den Startschuss zum bayernweiten Projekt „boden:ständig“.

Eine Initiative, die – vorerst im Tal der Großen Laaber – mit Erosion, Gewässer und Hochwasser gleich drei „Schutzbefohlene“ unter einen Hut bekommen soll. Landwirtschaftliche Flächen sind wertvoll, dennoch werden die Böden weniger. Schuldige sind schnell ausgemacht: Bebauung, der falsche Umgang mit dem Rohstoff Boden, Wasser das zu viel, an falscher Stelle und zu belastend mit Nährstoffen abgeleitet wird. Auch die Verlierer stehen fest: Die Landwirte, die mit Bodenverlusten zu kämpfen haben, die „überdüngten“ Gewässer und die Anwohner, die ohne Wasserrückhalteprojekte buchstäblich im Regen stehen.

Zentrale bei der Landwirtschaft

Dagegen will die Initiative „boden:ständig“ der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung vorgehen. „Dabei erfinden wir das Rad nicht neu“, sagt Behördenleiter Thomas Gollwitzer. Einzelmaßnahmen gibt es längst, neu dagegen ist der mehrfache integrative Ansatz: Alle drei Handlungsfelder sollen sektorenübergreifend gemeinsam betrachtet, analysiert und behandelt werden. Dazu – und auch das ist neu – will man möglichst viele Beteiligten an einen Tisch bekommen und eine enge Partnerschaft von Landwirten, Gemeinden und Fachleuten anstreben.

Verderben zu viele Köche den Brei? „Bei uns nicht“, sagt Gollwitzer, „dafür haben wir mit dem Landschaftspflegeverband (LPV) einen hervorragenden Chefkoch an unserer Seite.“ Der steht schon seit Herbst 2014 am „Herd“ der Großen Laaber bei Schierling und Pfakofen. „Wir hatten bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie schnell bemerkt, dass das Problem in der Fläche liegt und wir dringend ein Werkzeug für die begleitende Bearbeitung benötigen“, erklärt LPV-Geschäftsführer Josef Sedlmeier. Im Vordergrund soll dabei nicht nur die Fachplanung stehen, sondern die Diskussion mit allen Beteiligten. „Durch´s Reden kommen die Leut´ zusammen“, bestätigte die Projektbetreuerin Martina Prielmeier, die sich als Moderatorin versteht. Prielmeier kommt selber aus der Landwirtschaft, kennt die Situationen vor Ort, kann den Draht zu den Gemeinden, Landwirten und Fachstellen herstellen.

Der zentrale Punkt aber sind die Landwirte. „Wir schauen die Betriebe an, schauen in die Landschaft und beraten. Nicht vom Papier her und nicht mit digitalen Modellen, sondern praxisnah.“ Wichtig: „Die Bauern müssen vernetzt werden, müssen sich austauschen können, dann kann man auch was bewegen.“ Eine erste wirkungsvolle Maßnahme zur Wasserrückhaltung hat der Landschaftspflegeverband bereits an Gräben nördlich von Pfakofen umgesetzt, ergänzt Landrätin Schweiger. Bürgermeister Reinhold Winter: „Wir müssen auch den Bodenabtrag von landwirtschaftlichen Flächen und den Schlamm- und Nährstoffeintrag in Straßengräben und Gewässern reduzieren.“

Abschwemmungen verhindern

Erste Erfahrungen mit „boden:ständig“ hat man bereits im Landkreis Amberg-Sulzbach gemacht. „Die Stadt Auerbach hat innerhalb eines Jahres gemeinsam mit den Landwirten von Hagenohe Maßnahmen entwickelt, um die Abschwemmungen von Erdreich aus den Ackerflächen und die Überflutungen von Hofstellen und Wegen zu vermindern“, erklärt Thomas Gollwitzer. Seit November 2013 werden dort eine erosionsmindernde Flächenbewirtschaftung diskutiert und auf einzelnen Äckern bereits umgesetzt. Für die Landwirte könne dies mit einem Umdenken verbunden sein, so Sedlmeier: „Viele Jahre lang hat man den Landwirten gesagt, das Wasser muss raus aus der Fläche, jetzt muss es heißen, weg von der Drainage, das Wasser soll dort bleiben wo es gebraucht wird, also im Ackerboden“.

Ein Klassiker: „Wenn ich Getreide anpflanze muss ich nicht dringend umpflügen“, sagt Josef Sedlmeier. „Ich kann die Saat auch auf die Stoppel ausgeben. Weitere Maßnahmen: Quer zum Hang arbeiten, Pufferstreifen aus Gras, Rückhaltemulden, Wegenetz mit verzögerten Wasserabfluss. Bachauenentwicklung oder Bachrenaturierung.

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