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Aktionstag

Nachwuchs dringend gesucht

51 Aussteller warben an der Mittelschule in Hemau für verschiedene Ausbildungsberufe. Praktika helfen bei der Entscheidung.
Von Ingrid Kroboth

Auf ihrem Rundgang lernten Lea Dotzler (r.) und Maria Rittivoin (2.v.r.) eine Reihe interessanter Berufe kennen.  Foto: Ingrid Kroboth
Auf ihrem Rundgang lernten Lea Dotzler (r.) und Maria Rittivoin (2.v.r.) eine Reihe interessanter Berufe kennen. Foto: Ingrid Kroboth

Hemau.„Wer die Wahl hat, hat die Qual“, gab Landrätin Tanja Schweiger den Jugendlichen mit auf den Weg durch den „Aktionstag für Ausbildung“ in der Mittelschule am Mönchsbergweg. 51 Aussteller hatten dort am Samstag ihre Informationsstände aufgebaut, gut bestückt mit Prospekten und kleinen, nützlichen Werbegeschenken – sozusagen als „Lockspeise“ für die jungen Leute. Denn: „Sie werden gebraucht“, sprach Bürgermeister Hans Pollinger in seiner Begrüßungsrede den allgemeinen Bewerbermangel bei Ausbildungsberufen an.

Auch die 15-jährige Lea Dotzler aus Eglsee und die 14-jährige Maria Rittivoin aus Nittendorf merkten das auf ihrem Weg durch die Schau. Die Freundinnen sind in der 9. Klasse der Mittelschule Hemau und hatten sich schon vor zwei Jahren einen ersten Eindruck an Berufsangeboten geholt. Schon damals war die Ausbildungsmesse turnusgemäß in Hemau, und Lea fand ihren Traumjob: Erzieherin.

Anregungen erwünscht

An den Ausbildungsbetrieben kann es nicht liegen, dass die Pflegeberufe so wenig Zulauf haben. Denn die Fachakademien und Berufsfachschulen für soziale Berufe sind breit aufgestellt. Sie werden von Stadt, Staat und caritativen Einrichtungen geführt. Foto: Ingrid Kroboth
An den Ausbildungsbetrieben kann es nicht liegen, dass die Pflegeberufe so wenig Zulauf haben. Denn die Fachakademien und Berufsfachschulen für soziale Berufe sind breit aufgestellt. Sie werden von Stadt, Staat und caritativen Einrichtungen geführt. Foto: Ingrid Kroboth

Anders Maria: Sie weiß noch nicht so recht, wohin die Reise gehen soll: Informatikerin oder Vermessungstechnikerin? Aber vielleicht findet sich ja beim Gang durch die so verlockend dargebotenen Ausbildungsmöglichkeiten noch was anderes. Die Mädels sind zusammen mit ihren Müttern zur Ausstellung gekommen und machen sich auf den Weg. Zunächst geht es durch die Aula der Mittelschule, vorbei an den Ständen für Pflegekräfte. Nein, das interessiert die Mädchen nicht. Sie streben in den Keller, wo Maria sich über die Tätigkeit eines Hörakustikers informiert: „Da hat man viel mit älteren Leuten zu tun – Computer, Technik, Reden“, beschreibt Max Kiendl seine Aufgaben im zweiten Lehrjahr.

Ein Holzbaubetrieb stellte sich vor und lockte mit einer Nagelbank zum Geschicklichkeitstest. Mit dabei beim Aktionstag waren auch eine Spenglerei, ein Kaminkehrer, ein Schreiner, ein Stahlbau-Unternehmen, ein Chip-Hersteller und eine Elektrotechnik-Firma. Foto: Ingrid Kroboth
Ein Holzbaubetrieb stellte sich vor und lockte mit einer Nagelbank zum Geschicklichkeitstest. Mit dabei beim Aktionstag waren auch eine Spenglerei, ein Kaminkehrer, ein Schreiner, ein Stahlbau-Unternehmen, ein Chip-Hersteller und eine Elektrotechnik-Firma. Foto: Ingrid Kroboth

Lea und Maria ziehen weiter und landen bei der Stadt Regensburg, die in 18 Berufen ausbildet und gut bezahlt – schon im ersten Lehrjahr. Für Lea wäre ein Praktikum in der Kinderbetreuung möglich – braucht sie aber nicht, schließlich hat sie schon einen Praktikumsplatz im Kindergarten Eglsee. Maria hält sich zurück, geht weiter zur Bayerischen Steuerverwaltung, hört dort von den Vorteilen gleitender Arbeitszeit, einer Ausbildungsvergütung im ersten Jahr von 1159 Euro, einem „sicherem Job“, Verbeamtung und Pensionsanspruch. Doch bis es so weit ist, vergehen für die jungen Leute über 50 Jahre – „und sie werden sich ein ganzes Leben lang weiterbilden müssen“, hatte die Landrätin eingangs gesagt.

Soziales

Trotz Handicap mitten im Berufsleben

Die Lebenshilfe Regensburg will Menschen mit geistiger Behinderung in die freie Wirtschaft bringen. Die Erfahrungen sind gut.

Arbeitsplatz im Alteglofsheimer Schloss

Eine aufmerksame Werberin für ihr Unternehmen drückt den Mädchen Prospekte für Sozialbetreuung in die Hand. Aber da reizt dann eher die Musikakademie Alteglofsheim – „Ein Arbeitsplatz im Schloss!“ Jetzt kommt auch Lea noch mal ins Wanken: Jährlich werden dort zwei Ausbildungsplätze für Hauswirtschafterinnen angeboten, selbstverständlich mit Praktikumsplatz im Vorfeld.

Ein Arbeitsplatz in der Musikakademie Alteglofsheim – also im Barockschloss – lässt die Mädchen aufhorchen. Hauswirtschafterinnen werden dort ausgebildet. Diese lernen unter anderem, wie man Gäste betreut und Speisepläne erstellt. Foto: Ingrid Kroboth
Ein Arbeitsplatz in der Musikakademie Alteglofsheim – also im Barockschloss – lässt die Mädchen aufhorchen. Hauswirtschafterinnen werden dort ausgebildet. Diese lernen unter anderem, wie man Gäste betreut und Speisepläne erstellt. Foto: Ingrid Kroboth

Was ist das? Wookiee-Chewbacca von StarWars! Geschaffen wurde die lebensgroße Pappfigur von einem Werbemittel-Hersteller. Na, wäre das nichts für euch? Lea und Maria biegen demonstrativ ab, auf der Suche nach einem Angebot für Vermessungstechnik. Zentral in der Aula hat das Wasser- und Schifffahrtsamt seinen Stand aufgebaut. Ja, Vermessungstechniker bilden sie aus – aber auch im Wasserbau werde Nachwuchs gesucht, erfahren die Mädchen. Dieser sei zuständig für die Schiffbarkeit von Wasserstraßen. Dazu gehören auch Fahrten mit dem Schiff und Blockunterricht in Koblenz, locken die Lehrmeister: „Meldet euch einfach, macht ein Praktikum.“

Geregelte Arbeitszeiten

Einen eher deprimierten Eindruck macht Albert Feldkirchner, Bildungsberater beim Amt für Landwirtschaft in Schwandorf. Er ist auch für den Landkreis Regensburg zuständig, von wo aktuell ein einziger Landwirt-Azubi kommt: „Die jungen Leute streben zu geregelten Arbeitszeiten und Einkommen“, erklärt er sich den Mangel.

Nein, in der Kinderpflege sieht der 14-jährige Ivo Ivelinov aus Hemau seine berufliche Zukunft nicht. Dabei stellte er sich beim Babywickeln geschickt an. Er möchte aber lieber was mit Autos machen, vielleicht KFZ-Mechatroniker. Foto: Ingrid Kroboth
Nein, in der Kinderpflege sieht der 14-jährige Ivo Ivelinov aus Hemau seine berufliche Zukunft nicht. Dabei stellte er sich beim Babywickeln geschickt an. Er möchte aber lieber was mit Autos machen, vielleicht KFZ-Mechatroniker. Foto: Ingrid Kroboth

Für die Vorträge in den Klassräumen haben Lea und Maria keine Zeit. Sie sind in der Kantine eingeteilt, wo die neunten Klassen Kaffee und Kuchen sowie Würstl mit Brot verkaufen. Ein Teil der Einnahmen kommt in die Klassenkassen als Zuschuss für die Abschlussfahrt nach Hamburg. Von einer abschließenden Entscheidung für ihren beruflichen Lebensweg sind Lea und Maria noch weit entfernt. Aber sie haben Informationsmaterial in der Hand und viele Eindrücke im Kopf. Bestimmt können da Praktika weiterhelfen.

hemau

Er war der erste Lehrling der Firma Eibl

Mit einer Feier, zu der die Schreinerei eingeladen hatte, wurde Alois Meier verabschiedet. 46 Jahre war treuer Mitarbeiter.

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