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Übung

Nächtlicher Feueralarm beim Hotel Groitl

Bevor das Bauwerk abgerissen wird, simulierte die Feuerwehr Neutraubling dort den Ernstfall. Das realistische Szenario sorgte für Beklemmung.
Von Aniko Ligeti, MZ

  • Gruppenführer Johannes Klemm bespricht das Vorgehen, teilt die Kameraden und die Aufgaben ein. Foto: Ligeti
  • Mit Hilfe der Drehleiter werden Kinder und Jugendliche aus dem oberen Stockwerk evakuiert. Foto: Ligeti
  • Bürgermeister Heinz Kiechle informiert sich über das Geschehen. Foto: Ligeti
  • Ein Großaufgebot an Rettungskräften lässt das Szenario echt wirken. Foto: Ligeti
  • Mit schweren Atemschutzgeräten betreten die freiwilligen Helfer der Feuerwehr das Gebäude. Foto: Ligeti
  • Im Innenbereich hängt dichter Rauch. Foto: Ligeti
  • Bürgermeister Heinz Kiechle informiert sich über das Geschehen. Foto: Ligeti
  • Die Feuerwehr bringt die Verletzten auf der Trage aus dem Haus. Foto: Ligeti

Neutraubling.18.10 Uhr. Der Anruf durchbricht die Stille in der Feuerwehrzentrale: Brand im Hotel Groitl, Personen sind in den Räumen gefährdet. Ein paar hundert Meter weiter raucht es am St.-Michaels-Platz gewaltig aus den Fenstern des Hotelbaus. Im oberen Stockwerk schreien Kinder und Jugendliche um Hilfe. Sirenen heulen in den Straßen, Blaulicht blitzt durch die Nacht. Im Nu finden sich Schaulustige ein.

Das Szenario wirkt wie echt, die Szenen aber sind gespielt. Weil das im Eigentum der Stadt stehende Hotel Groitl ohnehin abgerissen wird, hat die Feuerwehr jetzt noch die Gelegenheit genutzt, einen Ernstfall zu simulieren. Im Notfall können diese hier gemachten Erfahrungen über Leben und Tod entscheiden – über das von Unglücksopfern wie von Feuerwehrleutern gleichermaßen.

Die Straßen werden abgeriegelt. „Bitte treten Sie zurück!“, sagen die einen Feuerwehrfrauen und -männer, während andere Helfer die Jugendlichen am Fenster beruhigen: „Wir sind hier, bleibt ruhig! Gleich sind wir bei Euch! Gleich wird Euch geholfen!“. Immer wieder reden sie fürsorglich auf die Kinder am Fenster ein und versuchen ihnen die Angst zu nehmen. Obwohl die Straßen voll von den Helfern sind, herrscht Ruhe und diszipliniertes Arbeiten.

Während die Drehleiter ausgefahren wird, teilt Kommandant Manuel Odwody die Gruppen ein. Unter schwerem Atemschutz, Werkzeug und einer Wärmebildkamera verschaffen sich die Kameraden Zutritt zur schweren Glastür. Rauchschwaden dringen beim Öffnen der Türe ins Freie. Die Helfer kriechen am Boden entlang. Drinnen herrscht keinerlei Sichtmöglichkeit. Überall hängen dichte Rauchschwaden. Akribisch arbeiten sich die Floriansjünger Stockwerk für Stockwerk durch die Hotelanlage hindurch. Nach bangen Minuten ertönt über Funk die erste Meldung: „Person gefunden!“ Sekunden später werden die ersten Verletzten hinausgetragen.

Ein Szenario, wie man es nur aus Filmen und Actionserien kennt – an diesem Abend lässt es sich hautnah miterleben. Es macht einen beklommen, das Adrenalin schießt selbst dem Zuschauer durch den Körper und jetzt versteht man den Alltag der Freiwilligen Feuerwehr ein wenig besser. „Auch wenn es nur eine Übung ist, wir sind zu 100 Prozent ernsthaft bei der Sache und üben hier für den Notfall“, betont Kommandant Odwody.

Wie notwendig solche Übungen sind, zeigte kürzlich ein Brand in Mannheim, bei dem drei Kinder starben. „Daher ist es wichtig, solche Übungen mehrmals im Jahr durchzuführen“, erklärt Odwody. Der Ernstfall würde in Schulen, aber auch in der Industrie, der Landwirtschaft und in Bürotrakts geprobt. „Dafür rüsten wir unsere Feuerwehr mit dem besten Equipment aus, damit in einer Notsituation das Leben von Menschen gerettet sowie die Umwelt geschützt werden kann“, sagt Bürgermeister Heinz Kiechle, der bei der Übung im Hotel Groitl zusieht. „Bei einem echten Brand werde ich ebenfalls informiert“, berichtet der Rathauschef.

„Alle Personen konnten gerettet werden“, versichert Odwody nach knapp einer halben Stunde. Nun werde man die Übung analysieren und sich später mit den anderen Feuerwehren über den Einsatz austauschen. Fast 70 Feuerwehrfrauen und -männer waren an diesem Abend im Einsatz und als längst alle Schaulustigen wieder aufsuchten, waren die Helfer immer noch am Werkeln. Dann hieß es: Schläuche zusammenrollen, Geräte aufräumen und die Hotelanlage vom Diskonebel zu befreien. „Unsere Mannschaft hat wieder einmal eine sehr gute Leistung gebracht“, freut sich Odwody.

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