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Nazi-Parolen an das Schulhaus gesprüht

Eine Reihe von Schmierereien sorgen in Undorf für große Bestürzung. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Der Hausmeister der Mittelschule Undorf, Helmut Latussek, hatte alle Hände voll zu tun, die vielen Schmierereien zu beseitigen. Fotos: Krenz
  • Der Fußgängertunnel am Undorfer Bahnhof ist ohnehin eine beliebte Leinwand für Schmierfinken. Auch dort wurden neue Schmierereien angebracht.
  • Viele der rechtsradikalen Sprüche waren bereits übermalt.
  • Die Radlhalle beim Schulaufgang zierte gleich ein halbes Dutzend Parolen.

Undorf.„Mehl, Salz, Ei – Arbeit macht frei – Sieg Heil“, „Schule gegen Islam“, „Fuck Islam“ oder „Heil Hitler“ – solche Parolen samt zahlreichen Hakenkreuzen sind an der Mittelschule in Undorf entdeckt worden. Am Bahnhof, dort verstärkt in der Fußgängerunterführung, wurden in den vergangenen beiden Nächten rechtsradikale Parolen und Symbole sowie Obszönitäten mit verschiedenen Farben angebracht. Auch islam-, juden- und flüchtlingsfeindliche Ausdrücke waren an verschiedenen Orten festzustellen.

Diese Serie von Schmierereien beschäftigt die Polizeiinspektion Nittendorf seit kurzem intensiv. Mussten die Beamten in den vergangenen Monaten in Nittendorf und Undorf immer wieder vereinzelt Schmierschriften feststellen, so kam es seit Mitte letzter Woche gehäuft zu massiven Sachbeschädigungen mittels Spraydosen, teilt Jakob Schels unserer Zeitung mit.

Jugendliche Täter im Visier

Am Bahnhof wurden beispielsweise der Fußgängertunnel, ein Hinweisschild und ein Schaukasten verunstaltet. Am Montag wurde außerdem festgestellt, dass am Wochenende die nicht einsehbare Südseite der Mittelschule beschmiert worden war. Auch ein Verkehrszeichen und eine Streugutkiste waren betroffen.

In der Nacht zum Dienstag war laut dem PI-Leiter offenbar derselbe Täter nochmals an der Schule aktiv. Diesmal sprühte er an der Nordfassade beim Eingang und der Fahrradhalle. Der Inhalt der Schmierereien kam erneut aus der rechten Ecke, jedoch hatten der oder die Schmierfinken inzwischen von roter zu gelber Farbe gewechselt.

Die Ausführung der Schmierereien könnten laut dem Ersten Polizeihauptkommissar darauf hindeuten, dass es sich um einen oder mehrere örtliche Täter im jugendlichen Alter handelt. Die Ermittlungen laufen aber in alle Richtungen. Aufgrund der Häufung der Vorfälle in den vergangenen Tagen und des eindeutigen politischen Hintergrunds hat die Kriminalpolizei Regensburg die Sachbearbeitung übernommen.

Schwer erschüttert zeigte sich Rektor Dr. Klaus Sauerbeck. Dass derartige rechtsradikale Parolen und Zeichen in diesem Umfang an die Schule geschmiert wurden, sei eine erschreckende Tatsache. So etwas passe nicht zum Schulklima – davon ist der Leiter überzeugt. Den Inhalt verurteilt Sauerbeck aufs Schärfste. Ansonsten wolle er sich aber nicht weiter äußern.

Verunstaltungen werden entfernt

Nachdem die Polizei ihre Ermittlungsarbeit vor Ort abgeschlossen hat, entfernte oder überpinselte Hausmeister Helmut Latussek die vielen Verunstaltungen rund um das Schulgelände. Auch der Bauhof des Markts Nittendorf war am Montag und Dienstag damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften des Schmierfinks zu beseitigen.

„Das ist eine böse Sache“, verurteilt Bürgermeister Helmut Sammüller die sich häufenden Vorfälle. Zwar hat es Einzelfälle in der Vergangenheit immer wieder mal gegeben, aber jetzt wird es immer schlimmer.“

Um den Täter dingfest zu machen, bittet die Polizei Zeugen, die in den vergangenen Nächten verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Hinweise, insbesondere aus dem Kreis der Schüler und Jugendlichen, können unter Telefon (0 94 04) 95 14 0, abgegeben werden.

Abstraktes Gefährdungsdelikt

  • Strafrecht:

    Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist nach dem deutschen Strafrecht ein Vergehen, das in Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs (StGB) geregelt ist.

  • Delikt:

    Bei solch einem Staatsschutzdelikt handelt es sich um ein sogenanntes abstraktes Gefährdungsdelikt.

  • Tatbestand:

    Der Tatbestand des Delikts ist schon dann erfüllt, wenn das geschützte Rechtsgut gefährdet ist – eine Verletzung des Rechtsgutes ist nicht erforderlich. Geschützte Rechtsgüter sind hier der demokratische Rechtsstaat und der politische Friede. Die konkrete Absicht zur Unterstützung ist nicht nötig.

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