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Verkehr

Neue Wege im Kampf gegen Raser

Verband will bei Tempokontrollen gezielter blitzen. Er setzt ab 2017 eine Software ein, die Gefahrenschwerpunkte aufzeigt.
Von Christof Seidl, MZ

  • Mit einer neuen Software wollen die Mitarbeiter des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz Raser noch gezielter verfolgen. Foto: tk
  • Mehr als 1300 „Knöllchen“ haben die Kontrolleure des Zweckverbands im Jahr 2015 verteilt. Foto: dpa

Regensburg.Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz soll Rasern künftig noch gezielter Einhalt bieten. Dafür sprach sich die Verbandsversammlung in Amberg mit großer Mehrheit aus. Der Verband wird dazu ein neuartiges System zur softwaregestützten Unfallprävention einsetzen. Der geplante Starttermin ist Anfang 2017.

Geschäftsstellenleiter Maximilian Köckritz sagte bei der Versammlung, die Verkehrsüberwacher würden regelmäßig vor Schulen, Kindergärten und Bushaltestellen messen, trotzdem würden sich immer noch zu wenige Fahrer an die Höchstgeschwindigkeit halten. So haben die Tempokontrolleure des Verbands im Jahr 2015 pro Messstunde 16 Geschwindigkeitsverstöße verzeichnet. Bei einem Verband im bayerischen Oberland sei es im gleichen Zeitraum ein Viertel weniger gewesen.

Gefährliche Strecken identifizieren

Eine Erklärung dafür sieht Köckritz in einer neuartigen Analyse-Software, die die Oberbayern seit einiger Zeit einsetzen. Das System ermögliche präzise Aussagen darüber, wo und wann gerast wird und wo vermehrt mit Unfällen gerechnet werden muss. Konkret analysiert die Software alle eingehenden Messdaten aus der kommunalen Verkehrsüberwachung. So lassen sich laut Köckritz Strecken mit hohem Gefahrenpotenzial schnell identifizieren.

„Dort werden wir dann künftig verstärkt die Geschwindigkeit kontrollieren“, erklärt der Verbandsvorsitzende und Oberbürgermeister der Stadt Amberg, Michael Cerny. Das Ziel sei, das Geschwindigkeitsniveau zu senken und damit die Verkehrssicherheit für die Bürger zu erhöhen.

In Oberbayern werden im Rahmen eines Pilotprojekts die Daten der kommunalen Verkehrsüberwachung zusätzlich noch mit den Daten der Polizei verknüpft. Sollte sich das bewähren, strebt der Zweckverband diesen Datenaustausch auch in der Oberpfalz an.

Die Polizei setzt vor allem auf bekannte Unfallschwerpunkte. Sie sieht den Zweckverband als Entlastung, wie der Chef der Polizeiinspektion Regenstauf, Klaus Baumer, schon bei dessen Einführung betonte: „Wir sind froh über die Unterstützung.“ Die Polizei könne nicht in dieser Dichte kontrollieren.

Das Konzept des Verkehrssicherheitsverbands zieht inzwischen neue Interessenten an. Bis Ende des Jahres wollen sich fünf weitere Kommunen anschließen, dazu zählt auch Alteglofsheim. Insgesamt nutzen dann 15 Städte und Gemeinden in der Oberpfalz das Überwachungsangebot für den fließenden und ruhenden Verkehr. Dadurch steigt auch der Bedarf an „Hardware“ für die Kontrollen: Der Verband wird ein zweites Messfahrzeug beschaffen und auch das nötige Personal einstellen.

Gemeinden, die dem Verband künftig beitreten wollen, haben zudem finanzielle Vorteile. Nach einem Beschluss der Verbandsversammlung fällt die bisher geforderte Anschubinvestition weg. Cerny begründet dies damit, dass die grundlegenden Anschaffungen mittlerweile abgeschlossen seien. Der Zweckverband könne sich nun aus dem operativen Geschäft heraus finanzieren.

Gerald Thierauf, Verkehrssachbearbeiter des Markts Regenstauf, schildert die Arbeit des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz. Video: Norgall

Zahlen müssen die Kommunen für die Leistungen, die sie in Anspruch nehmen. Für die Überwachung der parkenden Fahrzeuge belaufen sich die Kosten auf 30 Euro pro Stunde, für die Geschwindigkeitskontrollen auf 99 Euro pro Stunde. Dazu kommt eine Pauschale für das Auswerten der Messdaten und das Verschicken der Bußgeldbescheide, die pro Fall bei zehn Euro liegt. Sämtliche Einnahmen aus Verwarnungs- und Bußgeldern gibt der Verband dafür an die Kommunen weiter.

Interesse an Kontrollen nimmt zu

Im Landkreis Regensburg gehören dem Zweckverband Verkehrssicherheit nach dem Beitritt von Alteglofsheim bald zehn Kommunen an. Die Resonanz der Mitglieder fällt positiv auf. Angelika Ritt-Frank, Bürgermeisterin im ländlich strukturierten Mintraching mit vielen kleinen Orten, ist sogar überzeugt, dass diese Entwicklung noch zunehmen wird. Nach ihren Informationen steigt auch in kleinen Kommunen das Interesse an Tempokontrollen

12600 Temposünder gemessen

  • Einnahmen:

    Der von den Städten und Gemeinden organisierte Verkehrsüberwachungsdienst hat vom Start im Mai 2015 bis Dezember 2015 rund 302 000 Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern eingenommen.

  • Ruhender Verkehr:

    1327 Verstöße haben die Mitarbeiter des Zweckverbands beim Parken festgestellt.

  • Tempokontrollen:

    Weitaus umfangreicher waren die Einnahmen aus Tempokontrollen: Der Verband bat fast 12 600 Temposünder zur Kasse.

  • Fahrverbote:

    Richtig ins Geld ging es bei etwa fünf Prozent der Fälle. 632 Raser mussten zwischen 70 und 440 Euro überweisen. 40 von ihnen erhielten außerdem ein Fahrverbot.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Ritt-Frank, sie sei überrascht gewesen, wie viele Bürger in ihrer Gemeinde darum gebeten hätten, dass auch in ihrem Umfeld das Tempo kontrolliert wird. „Diese Menschen empfinden Raserei schon als belastend.“ Mintraching setze aber nicht nur auf Kontrollen, sondern entwickle auch ein Konzept zur Verkehrsberuhigung in den Gemeindeteilen. Zweckverbandsvorsitzender Cerny betont, dass es den Kommunen nicht darum gehe, „die Leute abzuzocken“. Viel wichtiger sei es, das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen zu stärken.

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